SOS-Kinderdorf Jos

Plateau State, einst als „Heimat des Friedens und des Tourismus“ bekannt, ist mittlerweile für seine häufigen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen religiösen Gruppen berüchtigt. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Organisationen leistet SOS-Kinderdorf notleidenden Familien materielle und soziale Unterstützung.

Mangel an Infrastruktur gefährdet Wohl und Gesundheit der Landbewohner


Kleines Mädchen im SOS-Kinderdorf (Foto: SOS-Archiv)

Jos ist die Hauptstadt von Plateau State in Zentralnigeria und hat knapp 900 000 Einwohner. Die Stadt ist ein bedeutendes Handels- und Tourismuszentrum. Zahlreiche Binnenmigranten aus ganz Nigeria kommen auf der Suche nach Arbeit in den Zinnbergwerken nach Jos. Plateau State hat eine ethnisch und sprachlich vielfältige Bevölkerung. Aufgrund seiner Lage im „mittleren Gürtel“ von Nigeria bildet Jos die Schnittstelle zwischen dem muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden.

In jüngster Zeit war Jos immer wieder Schauplatz gewalttätiger Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen. Die Ausschreitungen der Jahre 2001, 2008 und 2010 forderten über 2000 Todesopfer. Auch in anderen Städten im Norden Nigerias kam es zu schweren gewaltsamen Kämpfen. Abgesehen von der großen Zahl von Toten und Verletzten sind geschätzte 5000 Menschen durch die Gewalt zu Binnenflüchtlingen geworden.

In Jos gibt es eine große christliche Minderheit im sonst überwiegend muslimischen Norden. Christen und Muslime leben meist in getrennten Dörfern. Traditionell waren die Christen Bauern und die Muslime Viehzüchter, und es gab häufig Streitigkeiten um Ressourcen und Land. Obwohl die Spannungen augenscheinlich religiöse Gründe haben, tragen auch soziale und wirtschaftliche Faktoren zur Verschärfung der Konflikte bei. Das traditionelle Landleben wird auch durch den Bergbau und die damit einhergehende Industrialisierung gefährdet. Die Einwohner von Plateau State fühlen sich vom Ölreichtum des Landes ausgeschlossen und fordern mehr Landrechte und Autonomie.

Armut ist der Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Bevölkerung

Nigeria leidet an komplexen sozioökonomischen Problemen, darunter dem Missmanagement der Ölreserven durch die herrschende Elite. In der armen Bevölkerung breiten sich zunehmend Wut und Verzweiflung aus. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist extrem hoch. Viele Jugendliche sind leichte Beute für Milizen und kriminelle Banden.

In den ländliche Gebieten im Norden Nigerias herrscht ein hohes Armutsniveau. Das Land hat eine der höchsten Raten von Mangelernährung bei Kindern zu verzeichnen. Kinder ohne elterliche Fürsorge, oder deren Eltern an HIV/AIDS erkrankt sind, leiden besonders häufig an Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung. Zur Erreichung der UN-Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 sind einige staatliche Sozialleistungen eingeführt worden, aber tausende Familien sind weiter dringend auf Unterstützung angewiesen.

Unsere Arbeit in Jos


SOS-Familie in Jos (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Jos wurde im Jahr 2008 eröffnet. Das SOS-Sozialzentrum leitet ein Familienstärkungsprogramm für die lokale Bevölkerung. Wir stellen sicher, dass Kinder ausreichend Nahrung, Bildung und medizinische Versorgung erhalten. Familien, die an HIV/AIDS erkrankt sind, werden durch die Übernahme von Mietschulden oder Schulgebühren sowie Nahrungsmittel- und Kleiderspenden unterstützt. Wir helfen Familien bei der Einkommensförderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen. In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden bietet das Sozialzentrum Beratungen und ärztliche Betreuung.

Bis zu 120 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in zwölf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Die Kinder besuchen den SOS-Kindergarten zusammen mit den Kindern aus der Gemeinde. Im Kindergarten gibt es ein Klassenzimmer für Kinder mit Lernschwierigkeiten. Etwa 210 SchülerInnen aus dem Kinderdorf und der Nachbarschaft werden in der SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule unterrichtet. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert.

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