Ruanda

Wie die SOS-Kinderdörfer in Ruanda helfen

Ruanda muss sich immer noch von den Massenmorden erholen, die das afrikanische Land im Jahr 1994 tief erschüttert hatten. Laut Kennzahlen des HDI (Human Development Index) hat sich die Situation im Land in letzter Zeit deutlich gebessert, das trifft auch für die Kindersterblichkeit zu. Dennoch gibt es nach wie vor eine Menge großer Probleme zu bewältigen. SOS-Kinderdorf International versucht, den Kindern und jungen Erwachsenen in Ruanda zu helfen, damit sie in einer sicheren Umgebung aufwachsen und ein Leben in Würde führen können.

Beim Mittagessen (Foto: F. Einkemmer)

Die Republik Ruanda liegt in Ostafrika und grenzt an Uganda, Tansania, Burundi und die Demokratische Republik Kongo. Ruanda ist ein Vielvölkerstaat, der hauptsächlich aus drei Bevölkerungsgruppen besteht und eine der größten Bevölkerungsdichten in Afrika zu verzeichnen hat. Die ethnischen Spannungen zwischen der Mehrheit der Hutu und der kleinen, vorherrschenden Minderheit der Tutsi haben die Geschichte des Landes geprägt.

Im Jahr 1962 erlangte Ruanda seine Unabhängigkeit von Belgien, das seit dem ersten Weltkrieg durch ein indirektes Regierungssystem in Ruanda geherrscht hatte. Unter der belgischen kolonialen Vorherrschaft wurden unterschiedliche Ausweise ausgestellt, die jeden Bürger Ruandas als Hutu, Tutsi oder Twa kennzeichneten. Die Differenzierung der verschiedenen Ethnien durch die Kolonialmacht hatte die Hutu im Vergleich zu den Tutsi als minderwertig klassifiziert, was die Kluft zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen noch vertiefte. Nur drei Jahre vor der Unabhängigkeit Ruandas hatte die größte ethnische Gruppe der Hutu den regierenden Tutsi-König aus dem Amt vertrieben. Tausende von Tutsi wurden getötet, und Hunderttausende mussten ins Exil flüchten.

Im Jahr 1990 versuchte eine Gruppe von Tutsi-Rebellen, die Ruandische Patriotische Front (RPF), wieder an die Macht zu gelangen, indem sie aus ihrem Exil im benachbarten Uganda nach Ruanda einmarschierte. Die ethnischen Spannungen erreichten schließlich im Jahr 1994 ihren Höhepunkt. Zwischen April und Juli wurden drei Viertel der ruandischen Tutsi-Bevölkerung und Tausende gemäßigter Hutu auf brutalste Weise ermordet – dieses Massaker ist der wohl schlimmste Völkermord der Welt in neuerer Zeit. Die Grausamkeiten, die an ruandischen Männern, Frauen und Kindern während dieser Monate begangen wurden, übersteigen das menschliche Vorstellungsvermögen. Innerhalb von drei Monaten wurden bis zu einer Million Menschen ermordet. Trotz der anhaltenden, weit verbreiteten Armut ist das Land mittlerweile politisch stabil.

Ein Anstieg der Tourismusbranche sowie des Exports von Kaffee und Tee haben zu einem dringend benötigten Wirtschaftswachstum geführt. Nichtsdestotrotz ist das Land immer noch zum Großteil auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Ruanda ist sehr darum bemüht, sein schlechtes Ansehen seit dem Völkermord von 1994 zu überwinden, um eine größere Anzahl ausländischer Investoren und Besucher in das Land zu locken. Das Land hat auch beachtliche Fortschritte gemacht, was die Förderung des friedlichen Zusammenlebens seiner Bewohner und den Abbau ethnischer Spannungen betrifft. Die Gesamtbevölkerung Ruandas beträgt heute 11,3 Millionen. Mit einem Durchschnittsalter von 18,7 Jahren ist Ruanda eine recht junge Nation.


Tanz (Foto: M. Peru)

Ruander, die die Massenmorde überlebt haben, leiden oft an tiefen emotionalen Wunden. Das Ausmaß der Gewalt, das Zehntausende von Kindern in den 90er Jahren ertragen mussten, ist unvorstellbar. 95 Prozent der Überlebenden waren direkt Zeugen von Gewalttaten, und ca. 80 Prozent hatten während des Völkermordes nahe Familienmitglieder verloren. Obwohl sie meist wenig Verständnis erwarten können, sind die vielen tausend Kinder, die zur Teilnahme am Völkermord gezwungen wurden, auch Opfer.

Viele Kinder haben zugegeben, selbst getötet zu haben, um Folter oder ihrer eigenen Ermordung zu entgehen. Ruanda hatte im Jahr 1990 die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert. Aufgrund der tragischen Ereignisse hat das Land erst im Jahr 2002 der Kommission der Vereinten Nationen für Kinderrechte seinen zweiten Bericht vorgelegt. In den letzten Jahren wurde strenge Gesetze zum Schutz der Kinder verabschiedet. In den grünen Hügeln von Ruanda wachsen 690 000 Kinder ohne Eltern auf. Darunter sind 130 000 Kinder, die ihre Eltern an AIDS verloren haben.

Eine unbekannte Anzahl von jungen Ruandern ist in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo, in die ihre Familien während oder nach dem Krieg geflüchtet waren, als Kindersoldaten rekrutiert worden. Noch viele mehr kämpfen in den Straßen der ruandischen Hauptstadt Kigali als Straßenkinder ums nackte Überleben.

Obwohl die Regierung verschiedene Kampagnen gestartet hat, um die Überlebenschancen der Kinder im Land zu verbessern, liegt die Kindersterblichkeitsrate in Ruanda für Kinder unter 5 Jahren immer noch bei einer hohen Rate von 111 Fällen von 1000 Lebendgeburten. Das bedeutet, dass ca. jedes zehnte Kind in Ruanda vor Erreichen des fünften Lebensjahres stirbt. Die meisten Ursachen sind vermeidbar, wie z.B. Malaria, chronische Unterernährung, Durchfallerkrankungen oder Lungenentzündung.

SOS-Kinderdorf-Einrichtungen und Programme in Ruanda

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