SOS-Kinderdorf Byumba

Der Völkermord von 1994 hat in Ruanda tausende Menschenleben gekostet, die ohnehin unterentwickelte Infrastruktur des Landes komplett zerstört und das Land einer ganzen Generation von Lehrern, Ärzten und Beamten beraubt. Bis heute hat Ruanda nur ein sehr schwaches soziales Gefüge.

Bedarf an besserer Landverteilung und modernen Anbaumethoden


Vergnügte Kinder im SOS-Kindergarten (Foto: SOS-Archiv).
Byumba liegt im Norden Ruandas und ist mit rund 70 000 Einwohnern die Hauptstadt des Bezirks Gicumbi und der Nordprovinz. Über 90 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in Ruanda in der Landwirtschaft. Das gilt auch für die Nordprovinz. Obwohl in letzter Zeit dank gestiegener Exporte von Kaffee und Tee ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen war, leben die meisten Menschen von der Subsistenzwirtschaft. Viele ländliche Familien haben nur ein Hektar Land und somit zu wenig Fläche zur Verfügung, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Die Folgen sind übermäßige Nutzung und Bodendegradation. Diese Faktoren tragen zu den extrem hohen landesweiten Raten von Mangelernährung bei.

Die Qualität und Zugänglichkeit des Bildungssystems in der Region geben ebenfalls großen Anlass zur Sorge. Im Bezirk Gicumbi sind über 65 Prozent der Bevölkerung völlige Analphabeten, können in anderen Worten nicht einmal die einfachsten Worte lesen oder schreiben. Kinder aus den ländlichen Gebieten müssen häufig weite Wege zur nächstgelegenen Schule zurücklegen. Viele Familien können sich den Schulbesuch ihrer Kinder nicht leisten oder brauchen Zuhause ihre Hilfe. Die meisten Lehrer sind schlecht ausgebildet und unterbezahlt und dadurch im Unterricht auch nicht besonders motiviert.

Die Lebensbedingungen sind nach wie vor sehr hart. Im Jahr 2011 wurde eine landesweite Kampagne gestartet, um die strohgedeckten Häuser oder „Nyakatsi“ zu sanieren, in denen die meisten Menschen auf dem Land leben. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen ersetzten Angestellte der Regierung die Strohdächer durch Wellblechplatten. Das Programm Vision 2020 zielt darauf ab, Ruanda bis zum Jahr 2020 zu einem Land mittleren Einkommens zu machen und das durchschnittliche Jahreseinkommen auf 900 US-Dollar anzuheben (im Jahr 2000 lag es bei 220 US-Dollar), die Armutsrate auf 30 Prozent zu senken (von 80 Prozent im Jahr 1994) und die Lebenserwartung auf 55 Jahre anzuheben (von 49 im Jahr 2000).

Dringender Bedarf an Unterstützung für Familien

Das SOS-Kinderdorf Byumba wurde im Jahr 1997 für die große Zahl der Kriegswaisen eröffnet. In jüngster Zeit haben wir unsere Angebote weiter ausgebaut, um durch das SOS-Familienstärkungsprogramm mehr notleidende Familien in der Bevölkerung zu erreichen. Wir stellen sicher, dass Kinder Zugang zu Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung erhalten und helfen Familien bei der Versorgung ihrer Kinder, beispielsweise durch Unterstützung bei der Einkommensförderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen. Kinder und ihre Betreuungspersonen erhalten Beratungen und psychologischen Beistand, und wir helfen Familien, die an HIV/AIDS erkrankt sind. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen setzen wir uns für die Stärkung gemeindebasierter Unterstützungssysteme für notleidende Familien ein.

Unsere Arbeit in Byumba


Kinder aus den SOS-Familien und der Nachbarschaft besuchen die SOS-Kinderdorf-Grundschule in Maseru (Foto: SOS-Archiv).
Das SOS-medizinische Zentrum in Byumba behandelt jedes Jahr rund 4000 Patienten und bietet grundlegende Gesundheitsdienste, Behandlungen, Vorsorge und Krankheitsprävention. Dadurch werden Mitglieder der lokalen Gemeinde ärztlich betreut, die sich sonst keine medizinische Versorgung leisten könnten.

Bis zu 150 Kinder aus der Region, die nicht länger bei ihren Eltern leben können, finden in 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Etwa 75 Kinder aus dem Kinderdorf und der Nachbarschaft besuchen den SOS-Kindergarten. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Da die Dorfschule im Krieg zerstört worden war, hat die Eröffnung einer SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule einen wichtigen Bildungsbeitrag in Byumba geleistet. Heute werden hier bis zu 430 SchülerInnen unterrichtet.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren oder sich eine Arbeit suchen möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen und werden von qualifizierten Fachkräften beim Übergang ins Erwachsenenleben begleitet.
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