Bürgerkrieg in Somalia

Ursachen und Folgen des blutigen innerstaatlichen Konflikts

Ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, Hungersnöte und Krankheiten haben Somalia zu einem der ärmsten Länder der Welt gemacht. Bittere Armut, Gewalt und Angst gehören zum Alltag vieler Millionen Kinder in Somalia.

Der Bürgerkrieg in Somalia – ein Blick zurück

Bis zum Jahr 1960 war Somalia eine zweigeteilte Kolonie: Im Norden des afrikanischen Landes hatten die Briten ein Protektorat mit dem Namen Britisch-Somaliland eingerichtet, der Süden und das Zentrum waren italienische Kolonie (Italienisch-Somaliland).

Am 1. Juli 1960 erklärten die beiden Kolonien ihre Unabhängigkeit und vereinten sich zu einem Staat. Von Anfang an hatte die somalische Regierung jedoch mit den Machtansprüchen der unterschiedlichen Clans zu kämpfen. Die junge Demokratie unter den Präsidenten Aden Abdullah Osman Daar und später Abdirashid Ali Shermarke war von Korruption und Vetterwirtschaft geprägt.

1969 putschte der Offizier Siad Barre gegen die Regierung und errichtete in dem ostafrikanischen Land eine Diktatur. Innenpolitisch stützte er sich auf seine eigenen Clans und außenpolitisch auf die Sowjetunion, mit der er eine enge Bindung einging.

Im Zuge der somalischen Einheitsbestrebungen führte Barre das Land 1977 in den Krieg gegen Äthiopien mit dem Ziel, die von Somalis besiedelten Gebiete in Ogaden zu erobern. Somalia verlor den sogenannten Ogadenkrieg und brach mit der Sowjetunion. Barre wurde von nun an von den USA und anderen westlichen Mächten unterstützt.


Hilfe im Bürgerkriegsland: Vor der Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu warten Mütter mit ihren Kindern, im Vordergrund ein Bewaffneter.

Doch nach dem Ende des Ogadenkriegs wurde die Unzufriedenheit im Land größer und der innenpolitische Widerstand gegen die Militärdiktatur Barres wuchs: Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre bildeten sich von Clans unterstützte, bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Somali Salvation Democratic Front (SSDF) und das Somali National Movement (SMN). Der Kampf dieser beiden Gruppen gegen das Regime ist der Anfang des Bürgerkriegs in Somalia.

Somalia – von der Diktatur zum gescheiterten Staat

Ende der 80er Jahre eskalierte der bewaffnete Konflikt zwischen der Regierung und den Rebellen: 1988 eroberte das SMN die beiden nordsomalischen Städte Burao und Hargeysa. Die Regierung von Siad Barre erklärte den Rebellen den Krieg und ließ die beiden Städte bombardieren – der Bürgerkrieg in Somalia hatte begonnen: Mehr als 40.000 Somalier starben bei diesen Auseinandersetzungen, Hunderttausende flohen ins Nachbarland Äthiopien.

Trotz seiner repressiven Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung im Norden Somalias und der blutigen Militärintervention konnte Barre sich nicht mehr lange halten: Auch im Süden und im Zentrum des Landes riefen die Clans zum bewaffneten Widerstand auf. Im Januar 1991 floh Siad Barre aus der Hauptstadt Mogadischu – die Regierung war am Ende, Somalia im Kriegszustand.

Die 1990er Jahre – Somalia versinkt im Chaos

Trotz des anfänglichen Bemühens der verschiedenen Rebellengruppen, eine gemeinsame Regierung zu bilden, blieb Somalia ohne eine politische Führung: Schuld daran war vor allem das Machtbestreben der einzelnen Clanführer. Hinzu kam, dass sich viele Rebellengruppen mittlerweile von ihren Anführern losgesagt hatten, auf eigene Faust agierten und sich gegenseitig bekämpften: Es kam zu Plünderungen, die die Versorgungslage im Land massiv verschlechterten. Der Bürgerkrieg in Somalia und eine verheerende Dürre in den Jahren 1991/92 führten zum Tode von ca. 300.000 Menschen.

Bürgerkrieg in Somalia – Friedenskonferenzen, nationale Übergangsregierungen

Die ab 1992 durchgeführte UNOSOM-Mission der Vereinten Nationen konnte zwar die Nahrungsmittellieferungen der internationalen Gemeinschaft sicherstellen, jedoch nicht zu einer dauerhaften Lösung des Bürgerkriegs in Somalia beitragen. Im Jahr 1995 zogen die UN-Blauhelme aus Somalia ab, das Land wurde sich selbst überlassen. Somalia gilt international als gescheiterter Staat und ist seit 1991 ohne eine funktionierende Regierung.

In den vergangenen 20 Jahren bemühte sich die internationale Gemeinschaft immer wieder um Frieden in Somalia – bis heute vergeblich, denn keine Übergangsregierung konnte sich lange halten. Seit dem Jahr 2012 hat Somalia zwar wieder eine Regierung, doch nach wie vor ist die Sicherheitslage im Land außer Kontrolle.

Ursachen des Bürgerkriegs in Somalia


Im Flüchtlingslager Baidoa in Somalia: Über eine Million Somalier wurden aus ihrer Heimat vertrieben und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Ursachen des über 25 Jahre andauernden Bürgerkriegs in Somalia sind vielschichtig und kompliziert. Als einer der Hauptgründe für die jahrzehntelangen Kämpfe gilt das Clansystem Somalias: Seit der Unabhängigkeitserklärung kämpfen die unterschiedlichen Clanführer und Warlords um Macht, Geld, Land und Wasser, unterdrücken schwache Bevölkerungsgruppen und beuten sie aus. Auch die Grenzkonflikte mit den Nachbarländern Äthiopien, Eritrea und Kenia destabilisieren das Land seit den 1970er Jahren.
Mit dem Erstarken militanter islamistischer Gruppen bekam der Bürgerkrieg in Somalia auch zunehmend religiöse Dimensionen: Seit dem Jahr 2006 kämpft die aus der Bewegung der Islamischen Gerichtshöfe hervorgegangene al-Shabaab-Miliz gegen die unterschiedlichen Regierungen sowie gegen internationale Truppen. Sie kontrolliert Gebiete im Süden Somalias und führte dort die Scharia ein. Seit 2012 gehört sie zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Die Folgen des Bürgerkriegs in Somalia

Durch den Bürgerkrieg hat Somalia sich zu einem der ärmsten und gewalttätigsten Länder der Welt entwickelt:

  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Somalias lebt in bitterer Armut.
  • Durch den Bürgerkrieg und anhaltende Dürren wurde die ohnehin prekäre Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung noch verschlimmert.
  • Mehr als 300.000 Kinder unter 5 Jahren gelten als unterernährt.
  • Über eine Million Somalier wurden aus ihrer Heimat vertrieben und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele von ihnen leben in den Flüchtlingslagern Dadaab (Kenia) und Dolo Ado (Äthiopien).
  • Die Lebenserwartung in Somalia liegt bei nur 52 Jahren.
  • Nur 37% der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Nur jedes fünfte Kind zwischen 7 und 12 Jahren hat die Chance, eine Schule zu besuchen.
  • Krankheiten wie HIV, Cholera, Durchfallerkrankungen und Hepatitis sind auf dem Vormarsch.

Die SOS-Kinderdörfer in Somalia


"Ich gehe in die 6. Klasse": Eine Schülerin der SOS-Schule in Mogadischu zeigt stolz ihr Schulheft.

Die SOS-Kinderdörfer sind seit 1985 als eine der wenigen Hilfsorganisationen ununterbrochen in Somalia aktiv. SOS blieb vor Ort, um den Menschen im Bürgerkriegsland zu helfen. Die Sicherheitslage bedeutet für die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in Somalia jedoch eine große Herausforderung.

Im SOS-Kinderdorf in Mogadischu finden Waisen Schutz und ein liebesvolles Zuhause. Zum Kinderdorf gehören ein Kindergarten sowie eine Primär- und Sekundarschule, die neben SOS-Kindern auch Mädchen und Jungen aus der Nachbarschaft besuchen. Seit 2002 bildet die SOS-Krankenschwesternschule Krankenschwestern und Hebammen aus. SOS betreibt zudem eine Klinik in Mogadischu sowie ein medizinisches Zentrum in Baidoa: Vor allem Mütter und deren Kinder erhalten dort medizinischen Hilfe.
Während der verheerenden Hungersnöte in den Jahren 1991 und 2011 leisteten die SOS-Kinderdörfer Nothilfe, die von den SOS-Einrichtungen in Mogadischu koordiniert wurde.

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