SOS-Kinderdorf Siliana

Im Jahr 2011 begannen in Tunesien zahlreiche politische und soziale Veränderungen. Die langfristigen Auswirkungen bleiben abzuwarten. Gegenwärtig hat das Land viele Herausforderungen zu bewältigen: der Nordwesten des Landes war schon immer sehr arm, und bisher sind keine Anzeichen von Verbesserung in Sicht.

Knapp die Hälfte der lokalen Erwerbsbevölkerung ohne Arbeit


Frauen aus der Gemeinde lernen im Sozialzentrum, Teppiche zu weben (Foto: SOS-Archiv)

Siliana liegt im Norden von Tunesien knapp 130 km südlich der Hauptstadt Tunis und hat über 25 000 Einwohner. Die Wirtschaft der Region basiert überwiegend auf der Landwirtschaft, auch einige Industriezweige haben sich hier angesiedelt. Die Arbeitslosenrate ist in der Region Siliana sehr hoch und die Armut weit verbreitet. In der jüngsten Zeit kam es mehrfach zu Streiks und Straßenblockaden von Demonstranten, die von der Regierung stärkere Bemühungen für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen forderten. Die Armutsraten sind im Landesinneren im Vergleich zu den wohlhabenden Küstenregionen überdurchschnittlich hoch. Die Bewohner von Siliana fühlten sich schon in der Vergangenheit benachteiligt und auch jetzt von der neuen Regierung im Stich gelassen.

Siliana zählt zu den ärmsten Gouvernoraten Tunesiens. Bis zu 50 Prozent der Bewohner der Region sind arbeitslos. Viele Arbeitssuchende sind junge Hochschulabsolventen. Fehlende Investitionen in neue Projekte führen zu einem Mangel an Arbeitsplätzen. Viele Familien verzweifeln und zerbrechen an den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen.

Stärkung der Gemeinde zum Schutz der Kinder

In der jüngsten Zeit hat SOS-Kinderdorf seine Angebote weiter ausgebaut, um mehr notleidende Menschen in der Region zu unterstützen. Kinder unter sechs Jahren sind besonders gefährdet, da sich weder staatliche noch nichtstaatliche Organisationen um ihre Belange kümmern. Besonders betroffen sind frauengeführte Haushalte, in denen die Mütter geschieden, verwitwet oder unverheiratet sind. Häufig fehlt es ihnen an Ressourcen, Bildung, Erfahrung und fachlichen Kenntnissen, um eine Arbeit zu finden und all ihre Kinder ausreichend versorgen zu können. Unter ihnen sind viele Analphabetinnen, die vom formellen Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Wenn Eltern an psychischen oder chronischen Erkrankungen oder unter Behinderungen leiden, sind Kinder in hohem Maße vom Verlust der Fürsorge bedroht.

Unsere Arbeit mit der lokalen Bevölkerung zielt einerseits darauf ab, Familien zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu verhelfen, damit sie ihre Grundversorgung sichern können. Andererseits betreiben wir Aufklärung in der Gemeinde, damit Kinder notleidender Familien nicht ausgegrenzt werden.

Unsere Arbeit in Siliana


Kinder führen einen Tanz auf (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Siliana wurde im Jahr 1983 eröffnet. Heute leitet unser Sozialzentrum ein Familienstärkungsprogramm, um die Not der Gemeinde zu lindern. Wir stellen sicher, dass Kinder Zugang zu Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung erhalten und bieten bei Bedarf Beratungen. Familien werden bei der Einkommensförderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen unterstützt. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen setzen wir uns für die Stärkung gemeindebasierter Unterstützungssysteme für notleidende Familien ein. Etwa 400 Kinder und Erwachsene werden derzeit durch das Sozialzentrum begünstigt.

Bis zu 96 Kinder aus Siliana, die nicht länger bei ihren Eltern leben können, finden in zwölf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf besuchen den SOS-Kindergarten zusammen mit den Kindern aus der Gemeinde und dem Familienstärkungsprogramm, schließen Freundschaften und sind daher bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen und werden von qualifizierten Fachkräften beim Übergang ins Erwachsenenleben begleitet und bei Bedarf unterstützt.
 

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