SOS-Kinderdorf Jordán

Obwohl in letzter Zeit einige Fortschritte verzeichnet werden konnten, gehört der Binnenstaat Bolivien nach wie vor zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Viele Familien leiden im ganzen Land an den Folgen extremer Armut. In keinem anderen Teil Boliviens ist die Kluft zwischen arm und reich so deutlich ausgeprägt wie in und um die Stadt Cochabamba.

Kindheit in Cochabamba bedeutet für Tausende Kinder ein Leben voller Leid

Gemeinsames Mittagessen (Foto: SOS-Archiv)

Das bolivianische SOS-Kinderdorf Jordán liegt in der Stadt Cochabamba, die gleichzeitig Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist. Während die Landwirtschaft einst der wichtigste Pfeiler der Wirtschaft Cochabambas war, hat sich die Region in den vergangenen Jahren diversifiziert. Cochabamba ist mittlerweile zu einem wichtigen Industriestandort der Region geworden. Dadurch ist die Armut in Cochabamba leider nicht besiegt geworden. Ganz im Gegenteil - das Armutsniveau in und um die Stadt ist nach wie vor sehr hoch.

Mehr als in allen anderen Landesteilen ist die Region Cochabamba durch extreme Gegensätze geprägt. Während die Gemeinden Alalay und Vila Vila zu den ärmsten in ganz Bolivien gehören, ist Cercado einer der reichsten Bezirke des Landes. Tausende von Familien haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, asphaltierten Straßen, Kanalisation oder gar einer Stromversorgung. Wie so oft sind die Kinder unter solch schweren sozioökonomischen Bedingungen besonders gefährdet. In Cochabamba wachsen etwa 32 000 Waisenkinder ohne elterliche Fürsorge auf.

Schätzungen zufolge leben in ganz Bolivien etwa 4000 Kinder auf der Straße. Sie sind in besonderem Ausmaß von Ausbeutung durch Erwachsene, Drogenabhängigkeit und der Verstrickung in kriminelle Aktivitäten bedroht. Viele dieser Kinder kommen aus Cochabamba. Diejenigen, die nicht auf der Straße leben, müssen häufig Kinderarbeit verrichten, da ihre Familien auf das zusätzliche Einkommen angewiesen sind. Häufig müssen sie gefährliche Maschinen bedienen und sind giftigen Substanzen wie Pestiziden ausgesetzt. Anstatt zur Schule zu gehen, arbeiten viele dieser Kinder bis zu zehn Stunden pro Tag in Umgebungen, die ihre psychosoziale und körperliche Entwicklung in hohem Maße gefährden können.

Auch die Unterernährung von Kindern stellt in Cochabamba ein großes Problem dar. Von 100 Kindern leiden etwa 30 an Blutarmut. Fast jedes fünfte Kind ist aufgrund der Nahrungsmittelknappheit chronisch unterernährt.

Hohe Raten von Kinderarmut machen die Bemühungen von SOS-Kinderdorf in der Region unverzichtbar

Berichten zufolge ist die Kinderarmut in Lateinamerika nirgendwo so hoch wie in Bolivien. Vor diesem Hintergrund beschloss unsere Organisation in den 60er Jahren, in diesem Land tätig zu werden, und eröffnete das erste bolivianische SOS-Kinderdorf. Eine österreichische Ordensschwester trat während eines Besuchs des Gründers von SOS-Kinderdorf Hermann Gmeiner in Bolivien mit der Bitte an ihn heran, das Waisenhaus "Gota de Leche" zu übernehmen und zu modernisieren, das zu Beginn des 20.Jahrhunderts gegründet worden war. Daraufhin wurde das frühere Kinderheim komplett umstrukturiert und in das erste SOS-Kinderdorf des Landes umgewandelt.


Kleines Mädchen lernt schreiben (Foto: R. Fleischanderl)

Das SOS-Kinderdorf Jordán liegt in der Stadt Cochabamba in Zentralbolivien. Mit seiner Gründung im Jahr 1968 war es das erste SOS-Kinderdorf in Bolivien. Derzeit leben dort 13 SOS-Familien, in denen bis zu 130 Kinder von unseren SOS-Müttern in einem liebevollen Zuhause betreut werden können.

Im Rahmen der SOS-Jugendeinrichtung haben junge Erwachsene die Möglichkeit, im Rahmen des betreuten Wohnens eine Berufsausbildung zu absolvieren oder eine Hochschule zu besuchen. Mit der Unterstützung unserer ausgebildeten Jugendberater können junge Menschen Zukunftsperspektiven entwickeln und lernen, Verantwortung zu übernehmen und zunehmend eigene Entscheidungen zu treffen. Aufgrund der großen Zahl an hilfsbedürftigen und schutzlosen Kindern und Familien war das SOS-Kinderdorf Jordán nach einiger Zeit an die Grenzen seiner Kapazität gestoßen. Daher beschloss unsere Organisation im Jahr 1995, zusätzlich das SOS-Kinderdorf Cochabamba-Tiquipaya zu eröffnen.
 





 

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