SOS-Kinderdorf Barrett Town

„Das ist die schönste Insel, die das Auge je gesehen hat“, soll Christoph Kolumbus bei seiner Landung auf Jamaika im Jahr 1494 gesagt haben. Heute kommen das ganze Jahr über Tausende Touristen auf die Insel, um sich an den schönen Stränden zu erholen und die karibische Lebensart zu genießen. Außerhalb der Touristenzentren können die Lebensbedingungen jedoch sehr hart sein.

Touristen werden von der harten Realität der Jamaikaner abgeschirmt


Kinder in unserer Obhut wachsen in einem stabilen und gesicherten Zuhause auf (Foto: SOS-Archiv).
Jamaikas erstes SOS-Kinderdorf wurde in Barrett Town etwa 15 km außerhalb des Stadtzentrums von Montego Bay errichtet. Montego Bay ist die Hauptstadt der Pfarrei St. Jakob im Nordwesten von Jamaika und hat circa 97 000 Einwohner. Die Region ist ein beliebtes Ziel sowohl für ausländische Touristen als auch für die wohlhabenden Bewohner von Kingston, die hier ihre Feriendomizile haben.

Der Tourismus stellt die wichtigste Säule der Wirtschaft des Landes dar. In der Region Montego Bay sind ein Viertel aller Erwerbstätigten im Tourismussektor beschäftigt. Jedes Jahr kommen mehr als 1,2 Millionen Besucher nach Jamaika. In den ländlichen Regionen leben die meisten Bewohner von der Landwirtschaft, der Fortwirtschaft und dem Anbau von Zuckerrohr.

Durch die Einnahmen aus dem Tourismus werden Tausende Menschen von der ganzen Insel angelockt, die in Montego Bay ihr Glück versuchen. Die Gemeinde St. Jakob zählt mittlerweile zu den am schnellsten wachsenden Regionen in Jamaika. Die Binnenmigranten leben häufig unter entsetzlichen Bedingungen in den Slums, die entlang der Straßen in die Stadt entstanden sind, ohne jegliche Grundversorgung oder Basisinfrastruktur.

Vieles hat sich gebessert, vieles ist unverändert geblieben

Jamaica hat auf dem Weg zur Erreichung der UN-Millenniumsziele bis 2015 stetige Fortschritte zu verzeichnen. Dazu gehören unter anderem die Bekämpfung der Armut und eine freie allgemeine Grundschulbildung. Dennoch ist die Zahl der Menschen, die in den Stadtgebieten unter inakzeptablen Bedingungen leben, weiter gestiegen. Während die Raten von Armut und Mangelernährung gesenkt werden konnten, hat sich die ungleiche Verteilung des Wohlstands in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Auch bei der Geschlechtergleichstellung und der Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeitsraten bleibt noch sehr viel zu tun.

Ein weiteres großes soziales Problem ist die hohe Gewaltrate im Land, besonders bei jungen Männern aus armen Verhältnissen. Etwa 26 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren können weder lesen noch schreiben. Knapp 30 Prozent der Jugendlichen gehen nicht zur Schule und haben weder einen Ausbildungsplatz noch eine Arbeit. Sie sind in hohem Maße kriminalitätsgefährdet, da sie häufig keine andere Überlebenschance sehen.

Aufgrund der prekären Lebensumstände im ganzen Land sind zahlreiche Kinder vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedroht oder haben sie bereits verloren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit von SOS-Kinderdorf in Jamaika ist die Unterstützung junger Menschen, damit sie mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken können.

Unsere Arbeit in Montego Bay


Eine SOS-Familie verbringt gemeinsam Zeit im Freien (Foto: SOS-Archiv).
Das SOS-Kinderdorf Barrett Town wurde im Februar 1972 vom US-amerikanischen Country-Sänger Johnny Cash, einem großen Förderer von SOS-Kinderdorf, eröffnet. Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden heute in 12 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Der SOS-Kindergarten steht sowohl Kindern aus dem Kinderdorf als auch aus der Gemeinde offen. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren sehr gut in ihre Umgebung integriert. Ältere Kinder besuchen die örtliche Schule und wir geben pädagogische Unterstützung für diejenigen, die sie brauchen.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. In einem sicheren Umfeld und mit der Unterstützung qualifizierter Fachkräfte können sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu übernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereiten.

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