SOS-Kinderdorf Tuxtla Gutiérrez

In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden wurde im Jahr 2003 in Tuxtla Gutiérrez ein speziell ausgestattetes SOS-Kinderdorf errichtet, um Kinder mit Behinderungen zu unterstützen und für ihre medizinische Versorgung und Bildung zu sorgen. Tausende Familien in Chiapas leiden an Armut und sozialer Ausgrenzung. Viele Eltern kämpfen mit großen Schwierigkeiten, vor allem wenn ihre Kinder besondere Bedürfnisse haben.

In Chiapas ist der Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit noch lange nicht beendet



Kleines Mädchen in Tuxtla Gutiérrez (Foto: A. Gabriel)
Tuxtla Gutiérrez ist die Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas und hat mehr als 550 000 Einwohner. Die Bevölkerung von Chiapas setzt sich größtenteils aus indigenen Minderheiten in den ländlichen Gebieten zusammen und gehörte schon immer zu den ärmsten Regionen Mexikos. Ein Großteil des Landes ist in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer konzentriert.

Die weit verbreitete Armut und soziale Ausgrenzung vieler Menschen führten 1994 in Chiapas zu einem bewaffneten Aufstand der EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung). Ihre Anhänger kämpfen - mittlerweile meist gewaltlos - für die Verbesserung der Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung des Landes: sie sollen Landrechte erwerben und sich somit eine Lebensgrundlage schaffen können. Die EZLN fordert, dass die Menschen in Chiapas direkt an den Gewinnen aus den natürlichen Ressourcen ihres Landes beteiligt werden.

 

Ohne die richtige Förderung haben Kinder mit Behinderungen kaum Chancen auf Selbständigkeit

In Mexiko ist der Wohlstand extrem ungleich verteilt: während beispielsweise in Baja California im Norden des Landes etwa 1,3 Prozent der Menschen an Ernährungsarmut leiden, sind es in Chiapas 47 Prozent. Folglich ist auch die Rate der Unterernährung entsprechend hoch. Auch der Mangel an Erwerbsfähigkeit (Besitz an Kenntnissen, die für eine berufliche Tätigkeit erforderlich sind) ist in Chiapas mit 55,9 Prozent am höchsten. Diese wirtschaftliche und soziale Not beruht unter anderem auf der Tatsache, dass in den ländlichen, überwiegend indigenen Landesteilen weit weniger öffentliche Investitionen als in anderen Landesteilen getätigt werden.

Auch die Rate der Analphabeten ist in der indigenen Bevölkerung mit 25,5 Prozent weit höher als im Landesdurchschnitt von 9,2 Prozent. Viele indigene Gemeinden liegen abgeschieden und verfügen nicht einmal über geteerte Straßen, die Kindern den Schulweg ermöglichen würden.

Kinder junger Eltern in ländlichen, häufig kinderreichen Familien sind besonders gefährdet, vor allem wenn sie an einer Behinderung leiden. Häufig fehlt es den Eltern an Zugang zu medizinischer Versorgung. Kinder mit Behinderungen sind aufgrund des Mangels an behindertengerechten Schulen oftmals vom Bildungssystem ausgeschlossen.

Unsere Arbeit in Tuxtla Gutiérrez

 


Ausflug zu einem Fußballspiel (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Tuxtla Gutiérrez wurde im Jahr 2003 eröffnet, da in der Region keine Therapien, Behandlungen, Aktivitäten und Bildungsmöglichkeiten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen angeboten wurden. Das Sozialzentrum umfasst ein medizinisches Versorgungszentrum, vier Schulungsräume, acht Räume für ambulante Behandlung und ein Therapiezentrum für Kinder mit Behinderungen. Im therapeutischen Zentrum werden Ergotherapie, Sprachtherapie, Hydrotherapie und Physiotherapie angeboten.

Die Verwaltung und Finanzierung des Sozialzentrums wurde im Jahr 2006 an die Regierung von Chiapas übergeben, so dass sich SOS-Kinderdorf mittlerweile mehr auf seine grundlegende Aufgabe der ganzheitlichen Betreuung von Kindern in einem familiennahen Umfeld konzentrieren kann.

Im Kinderdorf arbeitet ein multidisziplinäres Team, das sich aus einem Arzt, einem Physiotherapeut, einem Ergo- und Sprachtherapeut, einem pädagogischen Experten und einem Berater zusammensetzt. Gemeinsam sorgen sie für die ganzheitliche Betreuung und Rehabilitation der Kinder und Jugendlichen.

Bis zu 72 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, finden in neun SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut. Darüber hinaus gibt es eine Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, die als SOS-Hermann-Gmeiner-Schule ins Leben gerufen worden war und mittlerweile von den lokalen Behörden verwaltet wird. 

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