Nicaragua

Wie die SOS-Kinderdörfer in Nicaragua helfen

Im Jahr 1972 zerstörte ein schreckliches Erdbeben große Teile der nicaraguanischen Hauptstadt Managua. Vor diesem Hintergrund beschloss SOS-Kinderdorf, in Nicaragua aktiv zu werden. Kinder, Jugendliche und Familien, die durch das Erdbeben alles verloren hatten, waren die ersten, die durch SOS-Kinderdorf in Nicaragua Unterstützung erhielten.

Eine vielfältige Bevölkerung

Kinder im SOS-Kinderdorf Estelí (Foto: M. Vado)
Kinder im SOS-Kinderdorf Estelí (Foto: M. Vado)

Nicaragua ist das größte Land Mittelamerikas.
Die Gesamtbevölkerung beträgt ca. sechs Millionen, davon leben ungefähr 2,4 Millionen in der Hauptstadt Managua, die somit nach Guatemala-Stadt die zweitgrößte Hauptstadt in Mittelamerika ist.

In Nicaragua gibt es verschiedene indigene Bevölkerungsgruppen, unter anderem die Miskito, die hauptsächlich an der Karibikküste leben, sowie die Rama und Sumo. Die offizielle Landessprache ist spanisch; dennoch werden auch Miskito, kreolisch, Sumo und Rama häufig von den entsprechenden ethnischen Minderheiten in verschiedenen Landesteilen gesprochen. Aufgrund seiner geographischen Lage wird Nicaragua häufig von verheerenden Hurrikanen und Erdbeben heimgesucht.

Diktaturen, Bürgerkrieg und Naturkatastrophen

SOS Kinderdorf nahm seine Tätigkeit in Nicaragua nur ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in der Hauptstadt Managua auf, das fast 20 000 Nicaraguanern das Leben kostete und weitere 280 000 Menschen obdachlos machte. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1978, brach der Bürgerkrieg aus, der die fünf Jahrzehnte lang andauernde brutale Diktatur des Somoza-Familienclans beendete. Dieser Bürgerkrieg, viele Jahre der Diktatur und der verheerende Schaden, den Hurrikan Mitch im Jahr 1998 anrichtete, brachten das Land in eine äußerst schwierige wirtschaftliche Notlage.

Mit über 29 Prozent der Gesamtbevölkerung, die in Armut leben, zählt Nicaragua heute zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Die Nahrungsmittelknappheit ist weiterhin ein großes Problem; 17 Prozent der Bevölkerung leiden unter Mangelernährung. Vor allem in ländlichen Gegenden ist die Armut überall spürbar; viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen.

Kinder brauchen Unterstützung und Schutz

Kinder in unserer Obhut wachsen in einer SOS-Familie mit ihren Brüdern und Schwestern auf (Foto: SOS-Archiv).
Kinder in unserer Obhut wachsen in einer SOS-Familie mit ihren Brüdern und Schwestern auf (Foto: SOS-Archiv).

Die Regierung Nicaraguas hat im Jahr 1990 die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, die Schulpflicht besteht bis zum 12. Lebensjahr, und der Schulbesuch ist kostenlos. Obwohl nach nationalem Arbeitsrecht die elterliche Zustimmung erteilt werden muss, bevor Kinder unter 15 Jahren rechtmäßig arbeiten dürfen, und die Regierung ihre Bemühungen erhöhte, gegen Kinderarbeit zu kämpfen, sieht die Realität in Nicaragua ganz anders aus. Jüngsten Studien zufolge müssen in Nicaragua ungefähr 219 000 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren Kinderarbeit verrichten. Drei von fünf nicaraguanischen Kindern arbeiten in der Landwirtschaft, hauptsächlich auf Bananen-, Baumwoll- oder Tabakplantagen.

Andere ziehen durch die Straßen von Managua, verkaufen Kleinwaren oder waschen für ein paar Pesos Windschutzscheiben. Tausende obdachloser Kinder streifen ohne Nahrung, Bildungsmöglichkeiten oder familiäre Unterstützung durch die Straßen der Stadt. Die meisten von ihnen schnüffeln Klebstoffe, damit sie ihr tägliches Leid vergessen.

SOS-Kinderdorf in Nicaragua

SOS-Kinderdorf ist in Nicaragua seit den frühen 1970er Jahren tätig.

Familien stärken: Wir arbeiten mit lokalen Behörden zusammen, um Familien zu unterstützen, die vom Auseinanderbrechen bedroht sind. Unsere Unterstützung umfasst Tagesbetreuung für Kleinkinder, materielle Hilfe und Beratung für Eltern und Kinder.

Betreuung in Familien: Wenn, trotz aller Unterstützung, Kinder nicht mit ihren Familien leben können, finden sie in einer SOS-Kinderdorf Familie ein neues Zuhause, wo sie von ihren SOS Eltern betreut werden.

Bildung: Es ist unser Ziel, dass alle Kinder in unseren Programme zur Schule gehen. In Esteli leiten wir auch eine Grund- und Sekundarschule.

Unterstützung für junge Menschen: Wir bieten jungen Menschen Unterstützung und Fortbildung, bis sie fähig sind, selbständig zu leben.
 

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