SOS-Kinderdorf Estelí

Estelí war das erste SOS-Kinderdorf in Nicaragua. Das Dorf liegt etwa 150 km nördlich der Landeshauptstadt Managua. Unsere Organisation begann ihre Tätigkeit vor Ort in den frühen 1970er Jahren, nachdem ein verheerendes Erdbeben weite Teile des Landes zerstört hatte. Zahlreiche Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, Hunderttausende wurden obdachlos.

Sozioökonomische Situation der Kinder in Estelí

Kinder haben Spaß während einer Feier im SOS-Kinderdorf Estelí (Foto: SOS-Archiv).
Kinder haben Spaß während einer Feier im SOS-Kinderdorf Estelí (Foto: SOS-Archiv).

Estelí liegt im Norden von Nicaragua und ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departements. Mit 129 000 Einwohnern ist Estelí die drittgrößte Stadt Nicaraguas. Durch das verheerende Erdbeben des Jahres 1972 wurde die Landeshauptstadt Managua fast vollständig zerstört. Auch andere Regionen, darunter Estelí, wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zehntausende Menschen kamen ums Leben, viele Kinder verloren ihre Eltern oder wurden von ihnen verlassen. Während des nicaraguanischen Bürgerkriegs der 1980er Jahre war Estelí Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen den revolutionären Kräften der Sandinisten und den Truppen des früheren Diktators Somoza. Kein anderer Landesteil wurde so schwer vom Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen wie der Norden Nicaraguas.

In Estelí und Umgebung müssen zahlreiche Kinder arbeiten, um zum Einkommen ihrer Familien beizutragen. Viele von ihnen gehen nicht zur Schule. Das Leben vieler junger Menschen ist von familiärer Zerrüttung, häuslicher Gewalt und dem Verlust der Eltern geprägt, die auf der Suche nach Arbeit in andere Landesteile ziehen.

Viele Kinder in Estelí leben unter prekären sozioökonomischen Bedingungen

Das SOS-Kinderdorf Estelí wurde angesichts des hohen Armutsniveaus im Norden Nicaraguas errichtet. Aufgrund der wirtschaftlichen Not konnten viele Eltern nicht für ihre Kinder sorgen. Unsere Arbeit in Estelí begann als Nothilfe aufgrund der dramatischen Situation nach dem Erdbeben von 1972 und wurde nach einer weiteren Katastrophe in den 1990er Jahren ausgebaut.

Als Hurrikan Mitch 1998 in Mittelamerika wütete, blieb auch Nicaragua nicht verschont: viele Menschen verloren ihre Bleibe und ihre Arbeit. Obwohl die nicaraguanische Regierung zahlreiche Projekte für notleidende Kinder ins Leben gerufen hat, ist der Bedarf an langfristiger Unterstützung für Kinder und Familien heute noch genauso groß wie zu Beginn unserer Tätigkeit vor über 40 Jahren.

Unsere Arbeit in Estelí

Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern auf.  (Foto: SOS-Archiv)
Kinder in unserer Obhut wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern auf. (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Estelí unterstützt seit 1973 die lokale Bevölkerung. Das SOS-Familienstärkungsprogramm zur Vermeidung der Zerrüttung von Familien bildet das Herzstück unserer Arbeit in der Region. Die Familienstärkungsprogramme werden meist von den SOS-Sozialzentren geleitet. Die Angebote umfassen Tagesbetreuung für Kinder, damit Mütter ihre Kinder in professioneller Obhut lassen können, während sie zur Arbeit gehen, sowie verschiedene Schulungen für Eltern aus der umliegenden Gemeinde.

Kinder ohne elterliche Fürsorge finden in unseren SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. In der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule werden bis zu 1700 SchülerInnen aus der umliegenden Gemeinde in der Primär- und Sekundarstufe unterrichtet. Durch eine gute Bildung steigen ihre zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Berufsfachschule bietet vor allem Kurse in den Bereichen Schneiderei, Buchhaltung, IT, Handel und Büroarbeit an.
 

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