Peru

Wie die SOS-Kinderdörfer in Peru helfen

Die Idee Hermann Gmeiners wurde erstmals im Jahr 1972 in Peru bekannt. Seit der Eröffnung des ersten SOS-Kinderdorfs im Jahr 1975 hat die Organisationen ihre Aktivitäten im Land kontinuierlich ausgebaut. Nach dem schweren Erdbeben von 2007 startete SOS-Kinderdorf ein umfassendes Nothilfeprogramm, um Tausende von peruanischen Kindern mit Wasser, Nahrung und Kleidung zu versorgen.

Einige Fakten über Peru


Teilnehmer des Familienstärkungsprogramms (Foto: S. Preisch)

Die Republik Peru liegt im westlichen Südamerika und grenzt im Norden an Kolumbien und Ecuador, im Westen an den Pazifischen Ozean, im Osten an Brasilien und Bolivien sowie im Süden an Chile. Das antike Peru war der Sitz einiger wichtiger Hochkulturen in den Anden, allen voran der Inka. Das Reich der Inka wurde durch die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert weitgehend zerstört.

Die Unabhängigkeit Perus wurde 1821 vom argentinischen General José de San Martín erklärt. Lima ist heute die Hauptstadt und zugleich die größte Stadt des Landes. Mit ca. neun Millionen Einwohnern ist Lima auch einer der am dichtesten besiedelten und am schnellsten wachsenden Städte in Lateinamerika. Die Gesamtbevölkerung Perus umfasst ca. 30 Millionen.

Im "Pazifikkrieg" von 1879 wurden Peru und Bolivien vom benachbarten Chile besiegt. Der Krieg hinterließ sowohl in der peruanischen als auch in der bolivianischen Bevölkerung traumatische Verletzungen, da beide Länder große Teile ihrer Territorien an Chile abgeben mussten. Nach langen Jahren militärischer Herrschaft und interner Guerillakämpfe ist Peru mittlerweile zu einer der stabilsten Demokratien in der Region geworden. Das historische Erbe des Landes, die große kulturelle und biologische Vielfalt und natürlich der Machu Picchu ziehen jedes Jahr Tausende von Touristen nach Peru. Im Jahr 2007 wurde Peru von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,9 auf der Richterskala erschüttert. Knapp 40 000 Menschen wurden durch die wohl schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes obdachlos.

Armut trotz Wirtschaftswachstum

Peru ist von anhaltenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten gekennzeichnet. In einem Vielvölkerstaat wie Peru haben Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe und sozialer Hintergrund häufig prägende Auswirkungen auf die Zukunft eines Kindes. Die indigene Bevölkerung Perus ist nach wie vor weitgehend von Wohlstand und politischer Macht ausgeschlossen, was die Hauptursache dafür ist, dass sie den größten Teil der armen Bevölkerung ausmacht. In den vergangenen Jahren gab es in Peru ein konstantes Wirtschaftswachstum. Die peruanische Wirtschaft zählt sogar zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaften in ganz Südamerika, und die Inflationsrate ist vergleichsweise niedrig.

Nichtsdestotrotz haben viele Peruaner nicht vom wirtschaftlichen Fortschritt des Landes profitiert. Trotz der Tatsache, dass der Wirtschaftsaufschwung deutliche Auswirkungen auf die nationalen Armutszahlen hatte, leben nach wie vor viele Peruaner in erdrückender Armut. Ganze 25 Prozent der Peruaner müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag, darunter sind auch viele Kinder. In einem Land, das extrem reich an natürlichen Ressourcen ist, können ca. 15 Prozent der Bevölkerung ihren täglichen Mindestbedarf an Nahrung nicht abdecken und gelten daher als unterernährt.

Die Lage der Kinder in Peru


Lächelnde Gesichter (Foto: SOS-Archiv)

Zirka 40 Prozent der Bewohner Perus sind jünger als 18 Jahre, Kinder und Jugendliche stellen somit das größte Bevölkerungssegment dar. In den letzten Jahren hat sich die Lage der Kinder in Peru deutlich gebessert.

Die Säuglingssterblichkeit und die Kindersterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren wurden drastisch gesenkt, was hauptsächlich einer verbesserten medizinischen Infrastruktur, pränatalen Untersuchungen und Bemühungen im Bildungssektor zu verdanken ist, die darauf abzielen, die Zahl der Teenager-Schwangerschaften zu senken.

Dennoch bleibt das weit verbreitete Phänomen der Kinderarbeit in der peruanischen Gesellschaft ein schwerwiegendes Problem. Die Quote der Kinderarbeit ist mit ca. 19 Prozent immer noch sehr hoch. In der Hauptstadt Lima sind Zehnjährige, die als Schuhputzer arbeiten oder in den Straßen der Stadt Kleinwaren verkaufen, kein seltener Anblick. Viele dieser Kinder stammen aus unterprivilegierten Familien, die auf der Suche nach einem besseren Leben aus den ländlichen Regionen nach Lima gezogen sind.

Eine der deutlichsten Langzeitfolgen der Kinderarbeit ist die Tatsache, dass Kinder, die arbeiten müssen, den Schulbesuch zeitweise oder gänzlich abbrechen. Folglich sind die Kinder schlecht ausgebildet, wodurch es für sie noch schwerer wird, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. Die Analphabetenrate in Peru ist von 10,1 Prozent im Jahr 2000 auf 7 Prozent im Jahr 2010 deutlich gesenkt worden. In abgelegenen Regionen ist der Zugang zum Bildungssystem dennoch sehr schwierig. Aufgrund der geographischen Entfernungen ist der Schulweg oft sehr lang und die regelmäßige Teilnahme am Unterricht nicht immer möglich. Viele Grundschulkinder im ländlichen Peru können nach zwei Schuljahren weder lesen noch schreiben.

Ungefähr 550 000 peruanische Kinder wachsen ohne elterliche Fürsorge auf. Sie sind entweder Waisen oder kommen aus zerrütteten Familien, in denen sie schon sehr früh vernachlässigt wurden. Es ist für Kinder nicht ungewöhnlich, ihre Familien zu verlassen, in denen sie schweren körperlichen Missbräuchen ausgesetzt waren. Die häusliche Gewalt stellt in Peru zunehmend ein Problem dar. Viele Kinder leiden stillschweigend, weil sie Angst vor Vergeltung oder Bestrafung durch andere Familienmitglieder haben.

SOS-Kinderdorf in Peru

In Peru sind viele Familien durch die Wirtschaftskrise der 80er Jahre mittellos geworden. Das soziale Elend der schwächsten Glieder der Gesellschaft, der Kinder in Not, hat sich seither weiter verschlimmert. Derzeit unterstützt SOS-Kinderdorf peruanische Kinder und Jugendliche durch Kindertagesstätten, Schulen, Berufsbildungszentren und medizinischen Zentren an zehn verschiedenen Standorten.

Die Organisation führt ebenfalls ein Familienstärkungsprogramm durch, um vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern die Möglichkeit zu geben, in einer liebevollen familiären Umgebung aufzuwachsen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Peru
(verfügbar auf Spanisch)

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