SOS-Kinderdorf Bharatpur

Chitwan gehört zu den ärmsten Regionen von Nepal. Zahlreiche Eltern können sich den Schulbesuch ihrer Kinder nicht leisten. Einige Bevölkerungsgruppen werden auch heute noch diskriminiert. Ohne Unterstützung haben Kinder keine Chance, als Erwachsene den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.

Infrastruktur durch Bevölkerungswachstum überlastet


Kleiner Junge meditiert in der Kindertagesstätte (Foto: L. W. Nielsen)
Bharatpur ist die Hauptstadt des Bezirks Chitwan im zentralen Süden von Nepal und hat etwas über 143 000 Einwohner. Im landwirtschaftlich geprägten Chitwan-Tal werden überwiegend Reis und verschiedene Senfsorten angebaut. Bharatpur selbst hatte wie viele andere Städte in Nepal in jüngster Zeit ein rasantes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Große Flächen von Ackerland sind mittlerweile bebaut oder werden für kommerzielle Zwecke genutzt. Landlose Pächter, alleinstehende Frauen in den ländlichen Gebieten und Subsistenzbauern können in Folge der Landreformen und der Grundstückspolitik der Regierung kaum noch für ihren Lebensunterhalt sorgen. Viele ziehen daher in die Stadt. In den vergangenen Jahren lag das Bevölkerungswachstum bei über sieben Prozent. Damit zählt Bharatpur zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt.

Die Infrastruktur ist durch die ständig steigende Zahl der Einwohner völlig überlastet. Obwohl die Gemeindeverwaltung eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der Lebensbedingungen ins Leben gerufen hat, gehen die Fortschritte nur langsam voran. Derzeit haben nur etwa 60 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es herrscht Mangel an sanitären Einrichtungen, Straßen, Abwasserkanälen und allgemeiner Hygiene.

Nach dem starken Erdbeben, das enorme Schäden und Leid verursacht hatte, boten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SOS-Kinderdorf Bharatpur Nothilfe in Form von Nahrung,  Erster Hilfe, Wasser und Unterkunft für die betroffenen Familien vor Ort.

Kinder aus armen Familien haben nur selten Zugang zu Bildung

Unzählige Kinder leiden an den verheerenden Folgen des zehnjährigen Bürgerkrieges, der die jüngste Geschichte des Landes geprägt hatte. Tausende Familien waren aus ihrer Heimatregion vertrieben geworden. Zahlreiche Kinder hatten im Krieg ihre Eltern verloren oder waren bedingt durch soziale oder wirtschaftliche Umstände ohne elterliche Fürsorge zurückgeblieben. Viele Schulen waren geschlossen oder für militärische Zwecke genutzt worden. Bis heute sind vor allem Frauen vom mangelnden Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung betroffen.

Die Kaste der Dalit, der sogenannten „Unberührbaren“, gehört zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Sie galten in der Vergangenheit als „von Geburt an unrein“. Obwohl sie heute einen gewissen rechtlichen Schutz genießen, leben nach wie vor 90 Prozent der Dalit-Frauen unterhalb der Armutsgrenze und werden häufig Opfer von Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierung. Für zahlreiche arme Familien in Nepal ist es so gut wie unmöglich, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Ohne Unterstützung können sie sich die Kosten für die Anmeldung, die monatlichen Schulgebühren, Bücher, Schuluniformen und Unterrichtsmaterial schlichtweg nicht leisten.

Unsere Arbeit in Bharatpur


Geschwister auf dem Balkon ihres Familienhauses (Foto: A. Kumar)
Das SOS-Kinderdorf Bharatpur wurde im Jahr 2003 eröffnet.

Familienstärkung: Unser Sozialzentrum leitet ein Familienstärkungsprogramm für die Menschen aus den umliegenden Gemeinden. Wir versuchen gefährdete Familien zu identifizieren und ihnen bedarfsgerechte Unterstützung zu bieten, damit ihre Kinder sicher und gesund aufwachsen und zur Schule gehen können. Wir vergeben Stipendien, übernehmen die Schulgebühren, kaufen Bücher

Betreuung in SOS-Familien: Kinder aus der Region, die nicht länger bei ihren Eltern leben können, finden in 14 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Bildung: Die Kinder besuchen den SOS-Kindergarten und die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft und sind dadurch gut in ihre Umgebung integriert.

Unterstützung junger Menschen: Wenn junge Menschen ihren SOS-Familien entwachsen, können sie in das SOS-Jugendprogramm wechseln. Mit der Unterstützung qualifizierter Fachkräfte lernen sie Verantwortung zu übernehmen, können Zukunftsperspektiven erarbeiten und zunehmend eigene Entscheidungen treffen.

Nothilfe-Programme: Nach dem starken Erdbeben, das enorme Schäden und Leid verursacht hatte, boten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SOS-Kinderdorf Bharatpur Nothilfe in Form von Nahrung,  Erster Hilfe, Wasser und Unterkunft für die betroffenen Familien vor Ort. Wir haben auch Nothilfe-Kitas eingerichtet – hier bekommen Kinder Mahlzeiten und werden tagesüber betreut.