Das SOS-Kinderdorf im Wandel

Was mit dem ersten SOS-Kinderdorf in Imst/Österreich 1949 begann, hat sich zu einem weltweiten Netz, das Kinder in Not auffängt, entwickelt. Mehr als 2.450 SOS-Kinderdorf-Einrichtungen sind bis heute entstanden, davon allein 560 SOS-Kinderdörfer. Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt. Veränderungen machen auch vor den SOS-Kinderdörfern nicht Halt.
Schon Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer, stellte fest: "Ein weltweites Hilfswerk wie SOS-Kinderdorf kann nur lebendig und dynamisch bleiben, wenn es ständig bemüht ist, auf sich verändernde Bedingungen in der Gesellschaft einzugehen und zum Wohl der Kinder neue Herausforderungen anzunehmen. Aufgrund seiner beständigen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen sozialen Gegebenheiten in der Welt wird SOS-Kinderdorf seine Einrichtungen und Dienstleistungen weiterhin bedarfsgerecht anbieten und weiterentwickeln."

Das "integrierte" SOS-Kinderdorf als Alternative zum "klassischen" SOS-Kinderdorf


In Rustenburg/Südafrika entstand bereits 2006 ein integriertes SOS-Dorf. Die Familienhäuser des Dorfes liegen verstreut in einer Wohnsiedlung, der Kontakt zu den Nachbarn ist sehr gut. Foto: Emmay Mah
Um Veränderungen der Gesellschaft gerecht zu werden, hat sich neben dem klassischen SOS-Kinderdorf das sogenannte integrierte SOS-Kinderdorf entwickelt. Häuser oder Wohnungen werden in bestehenden Stadtvierteln angekauft oder angemietet. Das "Dorf" in unserem Namen steht nicht mehr nur für das SOS-Kinderdorf, sondern auch für die Gemeinde, in der die SOS-Familien wohnen. Mit diesen integrierten Kinderdörfern kann SOS dort, wo es sinnvoll ist, noch besser auf die Gegebenheiten des Landes eingehen, die sich wandelnde Kinder- und Jugendgesetzgebung  berücksichtigen und vor allem und zu allererst weiterhin auf das Wohl des Kindes achten.

 

Geänderte Gesetzgebung als Beispiel für integrierte SOS-Kinderdörfer

Neue Sozialgesetze z.B. im südamerikanischen Ecuador sollen sicherstellen, dass Kinder möglichst bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. In Krisenzeiten sollen sie maximal zwei Jahre fremdbetreut werden, und das in räumlicher Nähe zu dem Ort, an dem sie bislang gelebt haben. Parallel sollen die betroffenen Familien so weit gestärkt werden, dass die Eltern ihre Kinder anschließend wieder selbst versorgen können. Dort, wo dies nicht gelingt, bleibt das SOS-Kinderdorf eine Alternative für ein langfristiges Zuhause für Kinder. Das heißt aber ein Umdenken für SOS in Ecuador – ein großes regionales SOS-Kinderdorf kann in Zukunft nicht mehr das Ziel sein. Hier ist das integrierte lokale SOS-Kinderdorf die Lösung, das bei Bedarf an Häusern oder Wohnungen wachsen kann.

Beispiele zur Umsiedlung oder Schließung von SOS-Kinderdörfern


Die SOS-Familien in Mexico-City konnten 2010 in ihre neu errichteten Familienhäuser umziehen. Mit Spannung hatten die KInder die Bauarbeiten mitverfolgt. Die neuen Häuser sind erdbebensicher.
Viele SOS-Kinderdörfer sind in die Jahre gekommen - parallel dazu laufen an manchen Standorten Grundstücksnutzungsverträge aus. Hier schauen wir genau hin, ob eine Renovierung oder ein Neubau am Standort Sinn macht. Oft ist es von der Infrastruktur her effektiver, die einzelnen SOS-Familien in Häusern in der Gemeinde zu integrieren und die Gebäude des SOS-Kinderdorfes anderweitig zu nutzen oder - wenn sinnvoll - zu veräußern. Oder die Umgebung eines Kinderdorfes hat sich mit den Jahren so negativ entwickelt, dass es besser ist, die SOS-Familien zum Schutze der Kinder umzusiedeln. Und es gibt Fälle, in denen wir machtlos gegen eine Schließung sind, z.B. bei Enteignung durch die Kommune oder den Staat – sei es aus politischen oder städtebaulichen Gründen.
Kommt es zu Neustrukturierungen, Schließungen oder Umsiedlungen von Kinderdörfern, nehmen wir die größte Rücksicht auf die betreuten Kinder. SOS-Kinderdörfer schließen erst ihre Pforten, wenn jedes Kind seinen Platz gefunden hat. Der Grundsatz der SOS-Kinderdörfer ändert sich nicht: Jedem Kind ein liebevolles Zuhause! Er hat sich erweitert und ist zukunftsfähiger denn je.

Ein SOS-Kinderdorf zieht in die Stadt - Herausforderung und Chance 

Das SOS-Kinderdorf Battonya in Ungarn war 30 Jahre lang das Zuhause für bis zu 13 SOS-Familien. Allerdings war die isolierte Lage der gleichnamigen Kleinstadt an der rumänischen Grenze für die Kinder und Jugendlichen und deren (Schul-)Ausbildung und Arbeitsplatzsuche nicht ideal. So entschloss sich SOS-Ungarn das Kinderdorf in die nächstgelegene Stadt Orosháza umzusiedeln. Die SOS-Familien wurden sorgfältig auf den Umzug vorbereitet, damit sie diesen Einschnitt in ihrem Leben nicht als Verlust, sondern als Herausforderung und Chance erleben konnten. Die Familien leben heute verstreut in der Stadt, integriert in ihre jeweilige Nachbarschaft und sind trotzdem durch gemeinsame Aktivitäten verbunden.


Das SOS-Kinderdorf Mombasa wurde in den vergangene Jahren umfassend renoviert und mit vielen energiesparenden Maßnahmen auf den neuesten Stand gebracht. Foto: Mariantonietta Peru

Folgende SOS-Kinderdörfer wurden im Laufe der Jahre geschlossen, umgesiedelt bzw. an andere Träger übergeben:

SOS-Kinderdorf Americana/Brasilien
SOS-Kinderdorf Croix-des-Bouquets/Haiti
SOS-Kinderdorf Moín/Costa Rica
SOS-Kinderdorf Pedra Bonita/Brasilien
SOS-Kinderdorf Malakal/Südsudan
SOS-Kinderdorf Seaford Rise/Australien
SOS-Kinderdorf Dren/Bulgarien
SOS-Kinderdorf Valle de los Ángeles/Honduras
SOS-Kinderdorf Panambí/Paraguay
SOS-Kinderdorf Bolluca/Türkei
SOS-Kinderdorf Port Glaud/Seychellen
SOS-Kinderdorf Asmara/Eritrea
SOS-Kinderdorf Battonya/Ungarn
SOS-Kinderdorf Margaretville/Kanada
SOS-Kinderdorf Bhakatpara/Indien
SOS-Kinderdorf Petite Place Cazeau/Haiti
SOS-Kinderdorf Hampolol/Mexiko
SOS-Kinderdorf Punta de Tralca/Chile
SOS-Kinderdorf Novi Sad/Serbien
SOS-Kinderdorf San Pedro Sula/Honduras
SOS-Kinderdorf Paramaribo/Surinam
SOS-Kinderdorf Dornbirn/Österreich
SOS-Kinderdorf Oprovi/Buenos Aires/Argentinien


Bei konkreten Fragen zu einem SOS-Kinderdorf-Standort:
SOS-Kinderdörfer weltweit
Ridlerstraße 55
80339 München
Telefon: 089/17914-224
E-Mail: adelheid.miller@sos-kd.org