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      Mehr über die Tsunami-Hilfe der SOS-Kinderdörfer

SOS-Kinderdörfer Wo wir helfen Hilfsprojekte Tsunami-Hilfe

"Die Menschen sind unendlich dankbar" 

22.12.06 - Vor zwei Jahren brach die Tsunami-Flut über die Menschen in Südasien herein. Die SOS-Kinderdörfer konnten den Opfern seitdem nachhaltig helfen. Siddhartha Kaul, Asien-Verantwortlicher der SOS-Kinderdörfer, zieht im Interview eine Bilanz zur SOS-Nothilfe in Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand.  


Siddhartha Kaul - Foto: S. Posingis
Siddhartha Kaul - Foto: S. Posingis
Die SOS-Kinderdörfer leisten seit zwei Jahren Not- und Wiederaufbauhilfe in den Tsunami-Gebieten. Wie hat SOS den Menschen dort geholfen?
Siddhartha Kaul: Die SOS-Kinderdörfer kümmerten sich zuerst um die Errichtung von Notcamps und Medizinischen Zentren. Wir boten psychologische Betreuung für Erwachsene und Kinder an, organisierten Lebensmittellieferungen und stellten den Opfern finanzielle Mittel als Starthilfe zur Verfügung. Unser Ziel war und ist "Hilfe zur Selbsthilfe". Mit den Geldmitteln sollten die Betroffenen von Anfang an ihr Leben wieder eigenverantwortlich in die Hand nehmen können. Fischer verwendeten das Geld für den Erwerb von Booten, Taxifahrer für Tuk-Tuks. Nachdem wir alle rechtlichen Aspekte mit den Regierungen abgeklärt hatten - Sie dürfen nicht vergessen, dass alle Aktivitäten der Hilfsorganisationen von den Regierungen bewilligt werden mussten und die Projekte von den Regierungen zugeteilt wurden - starteten wir mit dem Wiederaufbau von zerstörten Dörfern in Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand: insgesamt mehr als 2.300 Familienhäuser.

Die SOS-Hilfe geht weiter: ein Mädchen in Akkampettai, Indien - Foto: D. Sansoni
Die SOS-Hilfe geht weiter: ein Mädchen in Akkampettai, Indien - Foto: D. Sansoni
Worin unterscheidet sich die SOS-Nothilfe von vielen anderen Hilfsprojekten?
Ein wesentlicher Aspekt ist sicherlich, dass unsere Projektteams vor Ort ausschließlich aus Einheimischen bestehen. Sie kennen das Land, die Leute und die Abläufe. Das ist ein großer Vorteil. Worauf ich wirklich stolz bin: Wir haben, abgesehen von wenigen Ausnahmen, unsere Hilfsprojekte - von der Errichtung der Notcamps über den Wiederaufbau der Dörfer bis hin zur Übersiedlung von den Notcamps in die neuen Häuser - in der geplanten Zeitspanne abschließen konnten.

Ist nach dem Wiederaufbau Ihre Mission in den Krisengebieten erfüllt?
Nein, ganz im Gegenteil. Wir betreuen die Gemeinden weiter. Unsere Hilfsprogramme in Asien laufen im Schnitt zwischen drei bis fünf Jahren: wir sorgen zum Beispiel für eine Schulausbildung der Jugendlichen und arbeiten eng mit lokalen Handwerkern und Gewerbetreibenden zusammen, die jungen Menschen eine Fachausbildung ermöglichen.

Hilfe im Krisengebiet: Hausbau in Komari, Sri Lanka - Foto: S. Posingis
Hilfe im Krisengebiet: Hausbau in Komari, Sri Lanka - Foto: S. Posingis
Was waren die größten Herausforderungen für die SOS-Kinderdörfer in den Tsunami-Krisengebieten?
In Sri Lanka war und ist die Frage der Sicherheit das alles beherrschende Thema. Die andauernden Konflikte zwischen der Zentralregierung und der LTTE an der Ostküste erschweren unsere Aktivitäten massiv. Es war äußerst schwierig, von der Westküste benötigte singhalesische Fachkräfte für unsere Projekte im ehemaligen und aktuell wieder "neuen" Bürgerkriegsgebiet an der Ostküste zu finden. Mittlerweile steht zwar der Großteil der Häuser in den von SOS-Kinderdorf betreuten Dörfer in Kayankerni und Komari schon, doch aufgrund der wieder aufgeflammten Kämpfe vor einigen Wochen mussten wir unsere Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen vorübergehend abziehen. Nichtsdestotrotz werden wir unsere Projekte auf Sri Lanka weiter verfolgen und sind aufgrund unserer guten Beziehungen sowohl zur Zentralregierung als auch zu den Tamil Tigers zuversichtlich, den Wiederaufbau der beiden Dörfer bis April 2007 fertig stellen zu können.

Das Leben ist zurückgekehrt: Banda Aceh, Indonesien - Foto: E. Purnomo
Das Leben ist zurückgekehrt: Banda Aceh, Indonesien - Foto: E. Purnomo

Mit welchen Schwierigkeiten hatte die SOS-Hilfe in Indonesien zu kämpfen?
In Indonesien waren wir kurzfristig mit einer Gesetzesänderung konfrontiert. Die Regierung führte spezielle, die Arbeit der Hilfsorganisationen massiv erschwerende Genehmigungsverfahren für Hilfsprojekte ein. Darüber hinaus war die katastrophale Infrastruktur eine echte Herausforderung. Banda Aceh war beispielsweise lange Zeit nur über den Luftweg erreichbar.

Ihr Resümee?
Unsere Tsunami-Hilfe war nur dank der Großzügigkeit unserer Spender möglich. Ich bedanke mich herzlich bei allen Unterstützern, bei Privatleuten, Unternehmen sowie Organisationen und deren Mitarbeitern. Sie alle haben das Leben der Tsunami-Opfer enorm verändert und das, obwohl sie diese Menschen gar nicht kennen. Die Menschen in Indien, Indonesien und Sri Lanka sind sich dessen bewusst und Ihnen allen unendlich dankbar.

Interview: Sandra Bauer




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