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Ein kleines Wunder 

18.01.05 - Baby Nuwan ist 9 Monate alt. Das Trauma, das der Junge durch die Flutkatastrophe erlitten hat, erahnt man in seinem ständigen Weinen. Nuwan wacht mehrmals in der Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen, bis jemand kommt und ihn in den Arm nimmt. Er will seine Mutter und weint nach ihr. Aber sie wird nicht mehr kommen. Sie hat die Flut nicht überlebt.



Nuwan befand sich mit seiner Mutter im Haus, als die erste Tsunami-Welle die Küsten von Hikkaduwa/Sri Lanka erreichte. Seine Großmutter hilft der kleinen Familie, so oft sie kann. Auch am besagten Tag war die Großmutter auf Besuch. Bevor sie ging, wiegte sie Nuwan in ihren Armen und legte ihn dann in sein Bettchen, wo er glücklich vor sich hinbrabbelte.

Die Großmutter entkam der Flut nur knapp. Sobald die Wassermassen wieder ins Meer zurückflossen, fing die Großmutter an, Nuwan und seine Mutter fieberhaft zu suchen. Sie war verzweifelt, denn all ihre drei Söhne im Alter von 14, 11 und 7 Jahren hatten die Flutwelle nicht überlebt und lagen nun leblos am Strand. Sie suchte viele Stunden lang, aber als sie beim Haus ihrer Tochter ankam, fand sie nur Trümmer vor.

Sie brach zusammen und konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren. Dorfbewohner versuchten ihr zu helfen, doch sie wehrte ab und bat, sie dort in Ruhe trauern zu lassen. Allein als ihr ein junger Mann berichtete, dass im Notcamp, das von den SOS-Kinderdörfern unterstützt wird, ein Baby gefunden worden war, das auf die Beschreibung von Nuwan passte, stand sie sofort auf und rannte zum Notcamp im Tempel von Hikkaduwa, wo alle Überlebenden versammelt waren.

Man kann sich die übergroße Freude vorstellen, die die Großmutter empfand, als sie ihren Enkel in ein Handtuch eingewickelt und in Obhut einer jungen Frau wiedersah. Wie der Kleine die Katastrophe überlebt hat, weiß keiner. Nach der Flut wurde er in einem Busch verheddert weit weg von seinem Zuhause entdeckt. Nuwan schrie, war verängstigt und unterkühlt, aber außer ein paar Abschürfungen und Prellungen hatte er nichts davongetragen.

Nuwans Großmutter weiß, dass sie es nicht schaffen wird, ganz allein für das Kind zu sorgen. Sie will Nuwan aber nicht hergeben, da er ja das einzige ist, was ihr noch geblieben ist. Im Notcamp wird sie mit Milch und anderen Sachen, die das Baby braucht, versorgt. Das wird aber nicht immer so sein. Daher ist sie froh darüber, dass sie in Zukunft die lebensnotwendige Hilfe von SOS-Kinderdörfer in Anspruch nehmen kann.


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