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      SOS-Kinderdorf in Sri Lanka
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SOS-Kinderdörfer Wo wir helfen Hilfsprojekte Tsunami-Hilfe

"Wir hätten nie gedacht, dass wir so schnell so viele Menschen erreichen" 

20.12.05 - Der Tsunami hat Sri Lanka vor einem Jahr schwer getroffen. Cedric de Silva, Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer, über Herausforderungen und Erfolge der SOS-Nothilfe:


Im Camp: SOS-Direktor Cedric de Silva spricht mit zwei Kindern - Foto: Dominic Sansoni
Im Camp: SOS-Direktor Cedric de Silva spricht mit zwei Kindern - Foto: Dominic Sansoni
Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr Tsunami-Nothilfe der SOS-Kinderdörferr in Sri Lanka?
Nie hätten wir gedacht, dass wir so schnell so viele Menschen erreichen können. Durch unsere Arbeit konnten wir beträchtlich an Ansehen gewinnen, besonders für den Aufbau der Häuser ernten wir viel Anerkennung. Die SOS-Kinderdörfer sind eine der wenigen Hilfsorganisationen, die bis heute in den betroffenen Gebieten im Osten präsent ist - das wird von den Leuten respektiert.

Wie haben die SOS-Kinderdörfer in der ersten Phase nach der Katastrophe reagiert?
SOS-Kinderdorf ist sehr früh aktiv geworden. Dies war möglich, weil wir an der Ostküste bereits einen Standort hatten - das Sozialzentrum in Morakkatanchenai nördlich von Batticaloa. Die SOS-Kinderdörfer waren die erste Hilfsorganisation, die nach dem Tsunami in dem Gebiet aktiv wurde. Nach der Verwüstung durch die Flutwellen verursachten Regenfälle und Überschwemmungen noch zusätzliche Schäden, und viele Leute mussten ihre Häuser verlassen. Um diese Menschen unterzubringen, nutzten wir den Kindergarten in Morakkatanchenai als Flüchtlingszentrum.

Von da ab konzentrierten wir uns hauptsächlich auf den Osten. Obwohl es zu dieser Zeit in der Gegend keinen SOS-Koordinator gab, gelang es den ausgebildeten Lehrern vom Kindergarten und einem einheimischen Priester, Freiwillige zu mobilisieren und von den bestehenden Einrichtungen aus Hilfsaktionen zu organisieren. Wir haben auch mit einem Team von koreanischen Ärzten zusammengearbeitet, haben ein Zelt aufgestellt, wo die Menschen aus den umliegenden Dörfern medizinische Hilfe bekommen konnten.

Die kleine Stadt Komari südlich von Batticaloa hatten wir schon vor dem Tsunami als Standort für ein weiteres Sozialzentrum ausgewählt. Deshalb war es auch logisch, dass sich die SOS-Kinderdörfer dort besonders engagieren. Wir haben Flüchtlingscamps aufgebaut und Hilfsgüter verteilt, auch in der Umgebung von Komari.

Eine Vorschule, die SOS errichtet hat - Foto: Sebastian Posingis
Eine Vorschule, die SOS errichtet hat - Foto: Sebastian Posingis
Wie ging es weiter?
Nach der unmittelbaren Nothilfe haben wir Startgelder an die Tsunami-Opfer ausgegeben, auch in den anderen Gegenden, wo die SOS-Kinderdörfer gearbeitet haben. Ärzte und Fahrzeuge haben vom SOS-Kinderdorf Piliyandala aus unzugängliche Gebiete im Süden unterstützt.

Als Reaktion auf den Tsunami hat die Regierung von Sri Lanka ein Gesetz erlassen, das die Schaffung von Pufferzonen vorsieht, was bedeutet, dass im Osten 200 Meter und im Süden 100 Meter vom Meer entfernt kein Wiederaufbau vorgenommen werden darf. Alle Bewohner, die innerhalb dieser Pufferzone gelebt hatten, mussten deshalb umgesiedelt werden. Leider hat es einige Zeit gedauert, bis die Behörden alternative Grundstücke für den Wiederaufbau zugewiesen haben. Deshalb haben sich die SOS-Kinderdörf darauf konzentriert, die Häuser von jenen Menschen aufzubauen, die bereits außerhalb dieser Pufferzone gewohnt hatten.

Es konnten schon 20 Häuser errichtet werden (innerhalb von 100 Tagen), und 16 oder 17 konnten saniert und an die Bewohner übergeben werden. Die neuen Häuser bestehen aus Fertigteilen - der Rohbau, quasi die Außenhaut, wird auf das Fundament gesetzt und mit Beton ausgegossen. Steht die Betonschale, kann das Dach darauf gesetzt werden - das Aufstellen eines Hauses braucht nur ein paar Tage. Inzwischen konnte auch auf den neu zugeteilten Grundstücken mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Auf welche Schwierigkeiten stieß die SOS-Nothilfe unmittelbar nach der Flut?
Überraschenderweise war es nicht die Logistik, die uns Probleme machte. Einige Straßen sind weggeschwemmt worden, aber es gab immer Ausweichrouten, die wir benutzen konnten. Die größten Probleme bereitete uns die Bürokratie. Alles brauchte ziemlich lang, aber wir waren insgesamt in einer besseren Position als andere, weil wir mit der Sozialministerin in engem Kontakt stehen und sie uns wann und wo immer möglich unterstützt hat.

Die SOS-Kinderdörfer konnte als erste Hilfsorganisation mit der Regierung ein Abkommen für den Aufbau eines Dorfes, nämlich für Komari, unterzeichnen. Wir haben auch gute Kontakte zum Minister für muslimische Angelegenheiten, was uns unsere Arbeit im Osten sehr erleichtert hat. Auch mit der Rebellenorganisation LTTE (Liberation Tigers of Timal Eelam) hatten wir keine echten Probleme.

Wiederaufbau in Komari - Foto: Sebastian Posingis
Wiederaufbau in Komari - Foto: Sebastian Posingis
Wie haben es die SOS-Kinderdörfer geschafft, mit der enormen Arbeitslast fertig zu werden?
Mit Hilfe von Freiwilligen, die selbst aus den betroffenen Gemeinden kommen und in den Camps leben. Sie haben einen Mittelschulabschluss oder sind Studenten oder Lehrer. Die Kindertagesstätten werden ebenfalls von Freiwilligen geführt, wobei junge Frauen im Rahmen der Familienförderprogramme eine sechsmonatige Ausbildung zur Kindergärtnerin absolvieren können. Die Zahl der Freiwilligen betrug durchschnittlich 20, es waren aber auch bis zu 30 Leute, die für SOS-Kinderdorf im Einsatz gestanden sind. Für die gesamte Abwicklung der Wiederaufbauarbeit wurden ein Koordinator und zwei Assistenten angestellt. Die Baulogistik wurde an eine Managementfirma ausgelagert, die wiederum die Bautätigkeit zahlreicher Bauunternehmen koordiniert und beaufsichtigt.

Wissen Sie, wie viele Kinder durch den Tsunami zu Waisen geworden sind?
Leider nein. Genaue Zahlen über Waisen gibt es einfach nicht. Die Regierung von Sri Lanka ist der Richtlinie gefolgt, nach der Waisen möglichst im erweiterten Familienkreis betreut werden sollen. Ich versuchte sowohl Behörden zu erklären, dass die SOS-Kinderdörfer eine familiennahe Betreuung bieten, aber es nützte nichts. Stattdessen geben sie den Familien monatlich 500 Rupie, ungefähr fünf US-Dollar, für die Erziehung des Kindes. Das ist nichts. Viele Verwandte werden dieses Geld einfach verschwenden. In vielen Fällen werden die Kinder vernachlässigt und missbraucht werden.

Wie lange wird es dauern, bis der Wiederaufbau abgeschlossen ist? 
Im Laufe des nächsten Jahres sollte es möglich sein, dass die Menschen wieder ihren Lebensunterhalt bestreiten und sie wieder in ihren Häusern wohnen können. Heute sind die meisten Menschen zu ihrem 'normalen' Leben zurückgekehrt, aber sie führen es in Zelten. 

Die Folgen der Flutwellen sind immer noch offensichtlich und es gab eine Reihe von Fehlalarmen, allein in Komari vier- fünfmal. Jeder flüchtete und suchte einen sicheren Platz. Aber insgesamt haben die Leute ihre Angst vor dem Meer überwunden und können wieder fischen gehen, so, wie sie es vorher getan haben. Das ist ja für viele Bewohner der Küstengebiete die wichtigste Einnahmenquelle.

'Viele Tsunami-Waisen werden vernachlässigt und missbraucht werden', sagt Cedric de Silva - Foto: Angelika Schwaiger
"Viele Tsunami-Waisen werden vernachlässigt und missbraucht werden", sagt Cedric de Silva - Foto: Angelika Schwaiger
Wie werden die Menschen von den neuen Gemeindezentren und den SOS-Sozialzentren profitieren?
Die neuen Zentren sollen auch als Tsunami-Schutz dienen. Sie werden auf Säulen gebaut, damit liegt der Hauptteil des Gebäudes im ersten Stock, das Erdgeschoss ist ein offener Raum. Sollte wieder einmal ein Tsunami kommen, könnte das Wasser also ungehindert durch das Gebäude fließen, das auf diese Weise nicht einstürzen kann. An der Außenseite werden außerdem Sprossen montiert, über die die Menschen sicher in den ersten Stock gelangen können. Das offene Erdgeschoß kann als Klassenraum oder für Treffen genutzt werden, und der andere Gebäudeteil wird unter anderem als medizinisches Zentrum genutzt. Familienförderprogramme werden ebenfalls in diesen neuen Zentren angeboten werden.

Wir hätten uns nie träumen lassen, dass wir mit unserer Arbeit so viel erreichen können. An der Südküste werden zwei neue SOS-Sozialzentren gebaut. Eines ist etwas landeinwärts geplant, wir stehen bereits kurz vor Baubeginn. Das andere ist in Planung. Geeignete Grundstücke für vier Zentren an der Ostküste konnten gefunden werden, mit den Eigentümern sind wir in der letzten Verhandlungsphase. Insgesamt sind zehn Mehrzweckzentren und Sozialzentren geplant.

Wo soll das neue SOS-Kinderdorf entstehen?
Nicht in Batticaloa. Keine Chance! Batticaloa befindet sich mitten in einer Konfliktzone, und ich möchte die Kinder, Mütter und Mitarbeiter keinem Risiko aussetzen. Ein Kinderdorf könnte jederzeit von der Armee oder den Tamil Tigers besetzt werden. Ich versuche für das SOS-Kinderdorf ein Stück Land weiter südlich von Batticaloa finden, aber politisch und geografisch ist das ziemlich schwierig. Politisch, weil der Konflikt zwischen Regierung und LTTE immer noch andauert, und geografisch wegen der Pufferzone und den Lagunen und Wasserläufen im Hinterland, nur wenige Kilometer von der Küste landeinwärts.


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