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SOS-Kinderdörfer Wo wir helfen Hilfsprojekte Tsunami-Hilfe

"Wir sind weiter voll aktiv" 

10.06.05 - Eine Delegation der SOS-Kinderdörfer hat sich kürzlich über den aktuellen Stand des Wideraufsbaus in Sri Lanka informiert. Georg Willeit, Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer weltweit, beantwortet die brennendsten Fragen zur Tsunami-Nothilfe in Sri Lanka.


Damit unsere Hilfe auch ankommt, sind in Sri Lanka zahlreiche Genehmigungen notwendig, die schwer zu bekommen sind. Liegen nun alle Genehmigungen vor?
Willeit: Insgesamt liegen vier Genehmigungen vor: drei teils widersprüchliche von der Zentralregierung und eine von den Rebellen. Wo die Grundstücksfragen geklärt sind, ist SOS-Kinderdorf voll im Zeitplan. Es wäre allerdings sinnlos, unter Zeitdruck Häuser hinzustellen, die in drei Jahren von den Behörden wieder abgerissen werden.

Wurde schon mit dem Wiederaufbau begonnen und wie weit sind die von SOS-Kinderdörfer finanzierten Projekte fortgeschritten?
Willeit: In Kayankerni sowie im benachbarten Iraalodai gab es zunächst Nothilfeprojekte, dann Übergangsquartiere und nun wird nach dem Muster von Komari, wo sich zwei Haustypen durchgesetzt haben, mit dem Bau dauerhafter Häuser begonnen. Wir gehen davon aus, dass für die Umsetzung aller Projekte ein Zeitraum von drei Jahren benötigt wird.

Wie schaut die medizinische, soziale und psychologische Betreuung vor Ort aus?
Willeit: Hier war und ist SOS-Kinderdorf Sri Lanka voll aktiv, weshalb unsere mobilen Betreuungsteams eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung genießen.

Gibt es schon einen Kindergarten? Wie werden die Kinder betreut?
Willeit: Aus den ursprünglichen Child Protection Centers (Kinderschutzzentren) wurden so genannte Children Activity Centers (Kindertagesstätten). Das sind eine Art provisorische Kindergärten mit Vorschul- und Schulbetrieb - je nach Alter der Kinder. Auch Lehrausbildungen werden angeboten. Sie bleiben so lange bestehen, bis die Regel-Einrichtungen wieder in Betrieb gehen können.

Welche Schritte sind als nächstes geplant? Wie sieht der Zeitplan aus?
Willeit: Am 16. Juli 2005 endet die Frist für die Genehmigung der Developmental Plans seitens der lokalen Entwicklungsbehörde, die für Grundstückvergabe und Baugenehmigungen zuständig ist. Ab Oktober regnet es dann ohne Unterlass. Bis dahin muss ein Großteil der dauerhaften Häuser stehen.

Worin sehen Sie derzeit die größte Herausforderung beim Projekt?
Willeit: Die SOS-Kinderdörfer arbeiten im Tamilengebiet. Das bedeutet, dass Zustimmungen und Genehmigungen der Zentralregierungen meist gleichbedeutend mit Ablehnungen der Tamilen-Kommandos sind. Die SOS-Mitarbeiter sind aus beiden Ethnien und können viel ertragen. Oft ist es aber dennoch sehr schwer. Es gab sogar schon Bedrohungen an Leib und Leben. Deshalb mussten wir zunächst Iraalodai verlassen und haben uns auf das unmittelbar benachbarte Kayankerni konzentriert. In Iraalodai wurde auf Druck der Tamil Tigers eine amerikanische Kirche als Hilfsorganisation zugelassen.

In Kayankerni hatten wir recht bald alle Genehmigungen und ein schönes Grundstück für dauerhafte Häuser. Vor zehn Tagen stoppte die Zentralregierung unser Programm jedoch und befand, dass alle Familien, die vor der Katastrophe bereits außerhalb einer 250 m Zone von der Küste gelebt hatten, doch ausschließlich dort anzusiedeln wären auch wenn das an einer Flussmündung war.

Somit werden circa 90 Häuser auf den neuen Grundstücken entstehen, die restlichen circa 160 an den ursprünglichen Bauplätzen der Familien. Dieses ewige Hin-und-Her ist sehr belastend. Die Bevölkerung ist, wie man sich vorstellen kann, nahe am Aufstand.



Was waren bisher die Highlights? Was ist schlecht gelaufen?
Willeit: Ein absolutes Highlight war es, dass die SOS-Nothilfe schon ab 27. Dezember, Tage vor der internationalen Hilfe und vor den internationalen Kamerateams, voll wirksam wurde. Das brachte enorme Sympathie seitens der Bevölkerung. Auch die Übergangshilfe (Rebuilding Lifes) war erfolgreich, wenn auch weitaus komplexer, weil sich die internationalen Hilfsteams buchstäblich auf den Füßen standen. Das Programm zur Schaffung dauerhafter Häuser wird ohne Zweifel umgesetzt, auch ein sechstes SOS-Kinderdorf ist in Planung. Vor richtigen Tiefschlägen blieben wir bisher verschont. SOS-Kinderdorf ist angetreten, in Sri Lanka nachhaltig zu helfen!


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