Albanien: Auf uns kommt es an!

SOS-Jugendliche erkämpfen ein neues Gesetz für Waisen

28.03.2017 - Angefangen hatte alles mit einer Studie, die die Zukunftschancen von Jugendlichen ohne elterliche Fürsorge in Albanien aufzeigte. Die Ergebnisse waren niederschmetternd. Ehemalige SOS-Kinder handelten und änderten sogar ein Gesetz.

 

Kinder, die in einer staatlichen Einrichtung in Albanien groß werden, hatten bisher wenig Chancen: Schon mit 15 mussten sie das Heim verlassen und wurden häufig in maroden Sammelunterkünften untergebracht, in denen das Wasser von den Wänden lief. Gefragt wurden sie nicht. Sie wurden kaum auf die Selbständigkeit vorbereitet, wussten nicht, welche Voraussetzungen nötig waren, um einen bestimmten Beruf zu ergreifen oder zu studieren. Sie bekamen keine weitere finanzielle oder psychologische Unterstützung, wussten nicht, wo sie sich Hilfe holen konnten. Häufig wurden sie Opfer von Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung.

"Es gibt nichts, auf das ich so stolz bin wie auf diese Kampagne!": Alkida Karcanay, eine der engagierten Jugendlichen.

Dies waren die Ergebnisse einer Studie der SOS-Kinderdörfer zusammen mit dem "Albanischen Zentrum für soziale Studien". Schon die Studie selbst machte bereits ernst mit der Mitbestimmung: Zwei Wissenschaftlerinnen arbeiteten von Beginn an eng mit Jugendlichen der SOS-Kinderdörfer und anderen Institutionen zusammen. Gemeinsam entwarf man die Fragen und es waren die Jugendlichen, nicht die Erwachsenen, die die Interviews mit den Betroffenen führten. Die Forscherinnen setzten darauf, dass die Befragten gegenüber Gleichaltrigen freier sprechen würden – und behielten Recht.

Aus dem Schock über die Zustände wuchs das Engagement der Jugendlichen. Sie setzten sich in einer Kampagne dafür ein, dass ihre Leidensgenossen länger von staatlichen Institutionen betreut würden.

Die SOS-Jugendlichen überzeugten Experten und Politiker

Sie präsentierten die Ergebnisse der Studie auf Workshops und Kongressen, vor den Ministern ihres Landes, vor der UN-Kinderechtskommission in Genf. Die landesweiten Medien berichteten über die Kampagne, parallel dazu schulten die Jugendlichen weitere Gleichaltrige, die bald ebenfalls mitmachten, sodass die Kampagne immer weitere Kreise zog. Eine beispiellose Leistung!

"Trotzdem war es nicht einfach", erzählt Flutura Brakaj, die derzeit in einem SOS-Jugendhaus lebt. Vor allem die Minister seien nicht leicht zu überzeugen gewesen. Aber die jungen Menschen hatten gute Argumente und waren zäh. Erjon Veliaj, damaliger Arbeits-und Sozialminister, sagt: "Sie haben unglaublich viel Arbeit in ihre Kampagne gesteckt und kamen mit enormen Wissen daher." Damit erreichten sie ihn schließlich: Der Minister sagte zu, die Gesetze zu ändern.

Nach den neuen Gesetzen müssen Jugendliche, die in staatlichen Institutionen aufwachsen, diese erst mit 18 Jahren verlassen. Sie sollen besser auf den Wechsel vorbereitet werden, mehr Mitspracherechte bekommen und auch nach ihrem Auszug weiterhin unterstützt werden.

Alkida Karcanay, eine der engagierten Jugendlichen sagt: "Es gibt nichts, auf das ich so stolz bin wie auf diese Kampagne!"