Analphabetismus ist "vererbbar"

8.9. ist Weltalphabetisierungstag / 750 Mio. Menschen können nicht lesen und schreiben

07.09.2018 - Während sich in Bayern und Baden-Württemberg die letzten Kinder auf den Beginn der Schule vorbereiten oder in den übrigen Bundesländern schon wieder die Schulbank drücken, ist es vielen Millionen Kindern verwehrt, in die Schule zu gehen. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer weltweit zum Welttag der Alphabetisierung (8. September, auch: Weltbildungstag) hin.
Recht auf Bildung: Kinder in der SOS-Schule in Ondangwa, Namibia. Foto: Anne Kahura
Recht auf Bildung: Kinder in der SOS-Schule in Ondangwa, Namibia. Foto: Anne Kahura

60 Millionen Kinder weltweit können nicht einmal die Grundschule besuchen. Zusätzlich können rund 200 Millionen Kinder nicht auf eine weiterführende Schule gehen. Grund dafür ist meist extreme Armut. "In vielen Ländern der Erde kostet Bildung Geld", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit in München. "Viele Eltern können sich die Schulgebühren nicht leisten. Oder sie leben sehr weit weg von einer Schule und können den Bus zur Schule nicht bezahlen."

Bildung bleibt ein Privileg

Insgesamt 750 Millionen Menschen können weltweit weder lesen noch schreiben. Etwa die Hälfte aller Analphabeten lebt in Südasien, 27 Prozent in Afrika südlich der Sahara. Nach Auskunft der Hilfsorganisation ist die Analphabetismus-Rate in Niger weltweit am höchsten. Dort könnten fast 80 Prozent der Erwachsenen nicht lesen und schreiben. Es folgen Burkina Faso (71 Prozent) und Sierra Leone (70 Prozent).

Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer ist Analphabetismus "vererbbar". "Wenn schon die Eltern nicht in einer Schule Lesen und Schreiben lernen konnten, haben ihre Kinder oft auch nicht die Möglichkeit dazu." Somit folge Generation auf Generation ohne Bildung, ohne Perspektive, meist in großer Armut. Betroffen seien zu zwei Dritteln Frauen.

Den Kreislauf des Analphabetismus durchbrechen

"Wenn man diesen Kreislauf durchbricht, hat man sehr schnell eine Generation, die aufgrund ihrer Ausbildung eine wirtschaftliche Perspektive hat und auch weniger Kinder bekommt." Somit werde mit Bildung sowohl eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung angestoßen, als auch die Geburtenraten reduziert. "Überall, wo wir extrem armen Kindern Bildung ermöglicht haben, konnten wir das über die Jahre beobachten", erklärt Yassin.

Die SOS-Kinderdörfer ermöglichen weltweit hunderttausenden Kindern eine individuell passgerechte Ausbildung sowie Fortbildungen für junge Erwachsene und Eltern.