Generationswechsel in der SOS-Chefetage

Jascha Mähler (19) war "Chef für 1 Tag" bei den SOS-Kinderdörfern weltweit

15.11.2018 - Mit 19 Jahren hat er bereits Luft in der Chefetage geschnuppert: Jascha Mähler war "Chef für 1 Tag" bei den SOS-Kinderdörfern weltweit. Wie er den Tag erlebt hat, darüber spricht der Schüler im Interview. Und wir von SOS hören bei seinen Botschaften gut zu!
"Super cool": Jascha Mähler als "Chef für 1 Tag" mit Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit. Foto: Andrea Seifert
"Super cool": Jascha Mähler als "Chef für 1 Tag" mit Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit. Foto: Andrea Seifert

Wie hast du deinen Tag als Chef bei den SOS-Kinderdörfern weltweit erlebt?
Das war eine super coole Erfahrung für mich. Der Tag war für mich unglaublich lehrreich und hat echt Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Ich habe viel Neues erlebt und Menschen getroffen, die mich beeindruckt haben. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, konnte sehr offen mit den Mitarbeitern reden und auch produktiv sein. Gerade auch die Gespräche mit Herrn Dr. Wilfried Vyslozil, dem Vorstandsvorsitzenden, waren für mich sehr interessant.

Worum ging es bei deinen Gesprächen mit dem SOS-Chef?
Da ging es um Fragen wie: Welche Aufgaben hat man als Chef? Was ist der Unterschied Leadership und Management? Der Manager fragt: Was ist zu tun, was steht als nächstes an? Bei Leadership geht es um die Frage: Wie setzen wir etwas am besten um? Ich muss sagen, mich interessiert vor allem das Wie. Ich habe sehr viel mitgenommen und mich ein Stück besser kennengelernt.

Du hast bei den SOS-Kinderdörfern einen Workshop zum Thema Jugendkommunikation geleitet. Konntest du Impulse und Ideen einbringen?
Auf jeden Fall, die Atmosphäre war sehr offen und konstruktiv. Meine Ideen sind mit eingeflossen, aber die Ergebnisse haben wir gemeinsam als Team erarbeitet. Ich hoffe, dass ich so etwas zurückgeben konnte.

Was können die SOS-Kinderdörfer besser machen, um junge Menschen zu erreichen? Wie muss eine junge Kommunikation deiner Meinung nach aussehen?
Viele junge Leute kennen die SOS-Kinderdörfer, sie haben davon gehört - aber mehr auch nicht. Viele wissen also nicht, was die SOS-Kinderdörfer genau tun und was sie besonders macht. Bei mir war das ähnlich. Im Social-Media-Bereich, auf Facebook oder Instagram, ist, denke ich, noch einiges möglich: mit coolen Storys, indem man dokumentiert, was SOS macht und was Mitarbeiter erleben, die viel herumkommen. Aber auch die Arbeit im Büro ist dort spannend. Das zu zeigen, finde ich mega cool.

Wie sieht es sonst in der deutschen Wirtschaft aus: Würdest du sagen, hier gibt es eher Nachholbedarf, wenn es um junge Zielgruppen, Berufseinsteiger oder das Alter der Führungskräfte geht?
Das kommt drauf an, wo man hinschaut. Bei Startups sieht es natürlich anders aus - da will ich auch hin, weil ich den Spirit dort cool finde. Aber was viel aussagt: Wer was in Deutschland draufhat, wird oft von amerikanischen Unternehmen angeworben und geht in die USA. Das liegt gar nicht mal nur am Gehalt. Es geht auch darum, dass man den Mitarbeitern Freiheit und Perspektiven gibt: Da kann ich auch mal was anderes machen und herumkommen, statt immer nur Nine-to-five. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Das größte Problem ist aber die Gleichstellung von Männern und Frauen im Beruf, die ist in deutschen Unternehmen oft nicht gegeben, das muss sich dringend ändern.

Damit kommen wir auch zu Gesellschaft und Politik: Müssen junge Menschen mehr Mitsprache erhalten?
In Deutschland ist der Altersdurchschnitt in der Politik relativ hoch. Wenn es angebracht ist, sollte jungen Menschen mehr Verantwortung übertragen werden. Ich will es nicht schlechter machen, als es ist. Aber wenn man eine Politik für Rentner macht, dann spricht das junge Menschen nicht an, mich interessieren Themen wie Digitalisierung, Bildung, Umweltschutz und eben Gleichstellung.

Kannst du dir vorstellen, später bei einer Kinderhilfsorganisation oder einer anderen NGO zu arbeiten?
Bei den SOS-Kinderdörfern sieht man, dass die Mitarbeiter mit Spaß und Herz dabei sind. Nicht jeder will in den sozialen Bereich, aber wenn man Kindern helfen will, dann sind die SOS-Kinderdörfer ein unglaublich toller Arbeitgeber. Ich möchte auf jeden Fall auch ein Praktikum bei einer NGO machen, um den Bereich besser kennen zu lernen. Ob ich dann später beruflich in diese Richtung gehe oder mich neben dem Beruf dort engagiere, wird sich zeigen.

Welches Fazit ziehst Du nach deiner Teilnahme am bundesweiten Schülerwettbewerb und als "Chef für 1 Tag" bei den SOS-Kinderdörfern weltweit?
"Chef für 1 Tag" ist eine ziemlich coole Sache, auch schon vorher der Wettbewerb, bei dem man sich bewirbt. Die Arbeit und die Zeit, die man da reinsteckt, lohnen sich auf jeden Fall, weil man sehr viel zurückbekommt. Mit am besten fand ich hier die Einzelinterviews mit den Personalexperten und zu erfahren, wie es ist, ein Assessment zu durchlaufen. Dass ich dann bei den SOS-Kinderdörfern war, hat das Ganze noch einmal getoppt.

Die bundesweite Schüleraktion "Chef für 1 Tag" ist ein jährlich stattfindender Wettbewerb des Wirtschaftsmagazins Focus-Money.