Monsun: 100.000 Rohingya-Kinder in Lebensgefahr

Fluten bedrohen Flüchtlingscamps in Bangladesch

11.07.2018 - Rohingya-Kindern in Bangladesch steht die nächste Katastrophe bevor, warnen die SOS-Kinderdörfer weltweit. Mehr als 100.000 Kinder befänden sich wegen des Monsuns in Lebensgefahr.
Lehmige, unbefestigte Hänge: Bei starkem Regen drohen in den überfüllten Camps verheerende Erdrutsche. Foto: F. B. Manik Shah Mazumder

Die schweren Regenfälle haben bereits erste Todesopfer gefordert: Bereits drei Menschen sind nach Angaben der SOS-Kinderdörfer durch Erdrutsche und eingestürzte Gebäude gestorben, unter ihnen ein Kleinkind. Es sei zu befürchten, dass die Situation in den nächsten Tagen und Wochen noch deutlich eskaliere, da Monsun und Wirbelstürme im Juli und August am stärksten seien.

Erdrutsche und Überschwemmungen

Fast eine Million Rohingya leben in Flüchtlingslagern im Distrikt Cox’s Bazar in improvisierten Hütten an lehmigen, unbefestigten Hängen. "200.000 von ihnen befinden sich in akuter Lebensgefahr, über die Hälfte davon Kinder", sagt Nusrat Jahan Nusrat, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Bangladesch. "Ihnen drohen Verletzungen, Trennungen von Angehörigen oder gar der Tod durch Erdrutsche und Überschwemmungen. Auch Krankheiten und der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung, sanitären Anlagen oder sauberem Wasser bringt sie ihn Gefahr", sagt Nusrat. Die größte Angst vieler Eltern sei, dass ihre Kinder in einer Katastrophensituation in Gefahr geraten oder verloren gehen.

"Höchste Zeit, Katastrophe zu verhindern"

"In den letzten Monaten hat man wenig vom Leid der Rohingyas gehört – jetzt ist es höchste Zeit, wieder hinzuschauen und eine weitere Katastrophe für Tausende Kinder zu verhindern", sagt Nusrat. Der Regen, der bereits im Juni einsetzte, habe bereits schwere Schäden angerichtet. "140 Lernzentren, zahlreiche Wasserstellen und sanitäre Anlagen, drei Essensausgaben und 1048 Behausungen sind komplett zerstört worden, 12 medizinische Einrichtungen wurden schwer beschädigt und mussten für einige Tage den Betrieb aussetzen", berichtet Nusrat.

Zwar habe die Regierung damit begonnen, Menschen umzusiedeln sowie mit zusätzlichen Baumaterialien auszustatten, aber die Größe der Lager mache es nahezu unmöglich, allen zu helfen. Hilfsorganisationen haben zudem immer wieder mit bürokratischen Hürden zu kämpfen.

Hilfe für Rohingya-Kinder

Die SOS-Kinderdörfer haben eine Betreuungsstelle eingerichtet, in der verlorene Kinder Zuflucht finden und von ihren Eltern wieder gefunden werden können. Die Menschen im Lager sind informiert. Insgesamt betreibt SOS fünf Nothilfe-Kitas, in denen Jungen und Mädchen spielen und lernen können, psychologisch betreut und medizinisch versorgt werden. Weitere Kinderschutzzentren sollen folgen.