Krieg und Kälte: Menschen in der Ostukraine brauchen Hilfe

Winter verschärft die Not im Konfliktgebiet

13.12.2018 - Die Bevölkerung in der Ostukraine leidet unter Gewalt, Armut, Hunger und Hoffnungslosigkeit. Jetzt setzt der Winter ein und damit kommt für 200.000 Menschen im Konfliktgebiet ein weiterer Gegner hinzu: die Kälte.
Zerstörte Häuser, Hunger - und jetzt kommt die Kälte: Der Winter verschärft die Not in der ostukrainischen Krisenregion. Foto: Maria Nedilko
Zerstörte Häuser, Hunger - und jetzt kommt die Kälte: Der Winter verschärft die Not in der ostukrainischen Krisenregion. Foto: Maria Nedilko

Während die Weltgemeinschaft sich mit der Frage beschäftigt, ob es zu einem neuen Krieg zwischen der Ukraine und Russland kommt, geht es für viele Menschen in der Ostukraine ums nackte Überleben. "Fast die Hälfte der Menschen auf dem Land und ein Drittel der Stadtbevölkerung sind nicht ausreichend für den Winter vorbereitet", sagt Andrij Chuprikov, Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine. "Vor allem für die Kinder ist das eine Katastrophe! Tausende Jungen und Mädchen im Konfliktgebiet leben mit ihren Familien derzeit in desolaten Häusern, in denen sie kaum vor Nässe und Kälte geschützt sind", so Chuprikov weiter. 40.000 Häuser in der Ostukraine seien durch die Kampfhandlungen beschädigt worden, täglich würden es mehr. "Es zieht durch Fenster und Türen. Um bei Temperaturen bis zu 15 Grad minus nicht zu erfrieren, investieren die Familien ihr ganzes Geld für Holz, Kohle oder Gas, da bleibt nichts mehr für Lebensmittel oder Kleidung übrig – schon jetzt müssen viele Menschen hungern!"

"Familien fristen ein erbärmliches Leben"

Mit Plastikplanen notdürftig geflickte Fenster, Löcher im Dach: Häuser mit Beschussschäden, wie hier in in Stanytsia Luhanska, bieten wenig Schutz vor Nässe und Kälte. Foto: Katerina Ilievska

Aufgrund des bereits viereinhalb Jahre andauernden Konfliktes liege die Wirtschaft in der Region nahezu brach, mit Einbruch des Winters würden zusätzlich viele Beschäftigte in der Landwirtschaft ohne Arbeit und Einkommen dastehen. Zudem lasse die krisenbedingte Inflation die Kaufkraft Löhne schwinden, "viele Familien fristen heute ein erbärmliches Leben", sagt Chuprikov. Und: "Es war auch in den letzten Jahren hart, aber damals hatten viele Menschen noch das Vertrauen, dass der Konflikt ein baldiges Ende nimmt. Jetzt haben die meisten Menschen die Hoffnung verloren."

Erschwerend käme hinzu, dass vor allem die Siedlungen auf dem Land teilweise weit abgelegen und im Winter von jeglicher Versorgung oder Unterstützung abgeschnitten seien. "Nach vier Jahren nicht endender Gewalt, unzureichender Versorgung und ständigem Stress sind sie körperlich wie psychisch stark angeschlagen", sagt Chuprikov.

SOS-Kinderdörfer helfen in Ostukraine

Die SOS-Kinderdörfer haben seit Ausbruch der Konflikte gemeinsam mit anderen Organisationen zahlreiche Häuser in der Krisenregion renoviert und betroffene Familien mit Decken, Kleidung oder Heizkörpern versorgt. Die Hilfsorganisation stellt außerdem sicher, dass Kinder und Familien in abgelegenen Gebieten in Notsituationen Unterstützung bekommen.