Rohingya-Kinder in Bangladesch: "Ein Leben ohne Perspektive"

SOS-Kinderdörfer warnen vor einer verlorenen Generation

25.03.2018 - Rund 900.000 Rohingya sind vor den Gewaltexzessen aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. "Am schlimmsten ist das Leid der Kinder", berichtet Helmut Kutin, Ehrenpräsident der SOS-Kinderdörfer, aus einem der Flüchtlingscamps nahe Cox´s Bazar, in dem die Hilfsorganisation fünf Nothilfezentren betreibt: 500.000 harrten in den Lagern aus, darunter 40.000 unbegleitete Minderjährige. Sexuelle Gewalt, Zwangsverheiratung und Kinderhandel seien an der Tagesordnung. Tausende Kinder litten zudem an Mangelernährung, Krankheiten und Traumata.
Viele der Mädchen und Jungen sind schwer traumatisiert: Rohingya-Kinder in einer SOS-Nothilfe-Kita im Flüchtlingslager in Bangladesch.

"In den Lagern wächst eine verlorene Generation her", sagt Kutin. "Die Kinder leben wie in einem Gefängnis, nur schlimmer, denn sie haben keine Perspektive auf ein Leben danach." Sie seien deprimiert von der dauernden Unsicherheit und traumatisiert von ihren schrecklichen Erlebnissen.

Vor Ort im Flüchtlingscamp in Bangladesch: Helmut Kutin (l.), Ehrenpräsident der SOS-Kinderdörfer, vor einer der SOS-Nothilfe-Kitas.
Vor Ort im Flüchtlingscamp in Bangladesch: Helmut Kutin (l.), Ehrenpräsident der SOS-Kinderdörfer, vor einer der SOS-Nothilfe-Kitas.

"Eltern verheiraten ihre Kinder aus blanker Not, damit sie weniger Esser zu versorgen haben oder damit die Mädchen dauerhaft in Bangladesch bleiben können", so Kutin weiter. "Kleine Mädchen erleben sexuelle Gewalt in der Familie, werden prostituiert oder als billige Hausangestellte abgegeben."

Monsun wird katastrophale Lage verschärfen

Und jetzt droht ihnen eine weitere Katastrophe: "Bald beginnt der Monsun. Er wird Unterkünfte wegschwemmen, Wege unpassierbar machen, das Infektionsrisiko wird ansteigen", sagt Kutin. "Das wird die ohnehin schon katastrophale Lage der Kinder noch verschärfen."

Die SOS-Kinderdörfer erarbeiten Pläne, um ihre Nothilfezentren im Ernstfall rechtzeitig evakuieren zu können. In den Zentren bekommen 300 Kinder regelmäßige Mahlzeiten, psychologische Betreuung, ärztliche Versorgung und können unbeschwert spielen.