Terror in Somalia: Gewalt behindert Arbeit der SOS-Kinderdörfer

20.10.2017 - Die erneute Gewalteskalation in Somalia erschwert die Arbeit von Hilfsorganisationen. Beim verheerendsten Anschlag in Somalias jüngster Geschichte sind 275 Menschen getötet worden, mehr als 300 wurden schwer verletzt, darunter auch ein Praktikant der SOS-Kinderdörfer.
Kreislauf aus Gewalt, Flucht und Hunger: Ein SOS-Mitarbeiter untersucht mangelernährte Kinder bei Afgooye in Somalia. Foto: Abduljalil Abdillahi

SOS-Mitarbeiter Hassan Liban, erlebte die Explosion im SOS-Büro, nur 400 Meter vom Anschlagsort entfernt: "Es war eine gewaltige Detonation! Fenster zerbarsten, Türen wurden aus den Angeln gerissen, Tische und Stühle flogen durch die Luft. Unser Praktikant wurde durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Zum Glück besteht keine Lebensgefahr, er steht aber immer noch unter Schock."

Helfer geraten in die Schusslinie

Die gewaltige Druckwelle drückte die Scheiben ein: Schäden im Büro der SOS-Kinderdörfer in Somalia.
"Fenster zerbarsten, Türen wurden aus den Angeln gerissen": Das Büro der SOS-Kinderdörfer in Somalia war rund 400 Meter vom Anschlagsort entfernt.

Seit Ausbruch des Bürgerkriegs 1991 ist die Gewalt in Somalia so extrem wie in kaum einem anderen Land. Auf dem Weltfriedensindex steht der Krisenstaat am Horn von Afrika seit Beginn der Messungen 2007 auf einem der fünf letzten Plätze. "Die unsichere Lage erschwert uns die Arbeit. Helfer geraten in die Schusslinie oder werden selbst zum Angriffsziel", sagt Ahmed Mohamed, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Somalia. In der Vergangenheit wurden mehrere SOS-Helfer erschossen, entführt oder kamen bei Bombenangriffen ums Leben. "Viele Hilfsorganisationen haben bereits aufgrund der angespannten Sicherheitslage das Land verlassen. Wir arbeiten hier seit 30 Jahren ununterbrochen und werden bleiben, um diejenigen zu erreichen, die Hilfe am dringendsten benötigen."

"Die Kinder brauchen unsere Hilfe dringender denn je!"

Der Kreislauf aus Gewalt, Flucht und Hunger, trifft die Kinder besonders hart: Von 1000 werden 137 keine fünf Jahre alt, nach Schätzungen der Hilfsorganisation geht nur jedes dritte Kind zur Schule. Hinzu kommt die aktuelle Hungerkrise: Somalia leidet seit Monaten unter einer schweren Dürre, 800.000 Menschen sind vom Hungertod bedroht, rund 87.000 Kinder sind bereits so ausgezehrt, dass nur eine sofortige Behandlung ihr Leben retten kann.

"Die Kinder brauchen unsere Hilfe dringender denn je!", sagt Mohamed. Weltweit werde Somalia als gescheiterter Staat bezeichnet. "Diese Haltung können wir nicht akzeptieren! Das hieße, auch die Kinder aufzugeben. Aber jedes Kind hat ein Recht auf Leben."