Südsudan: Hunderttausenden Kindern droht der Tod

SOS-Kinderdörfer verstärken ihre Hilfe für Familien in Juba

19.05.2017 - Die Hungersnot im Südsudan breitet sich immer weiter aus. Bereits jetzt leiden 4,9 Millionen Menschen Hunger. Das sind mehr als 40 Prozent der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes. Vor allem für die Kinder wird ohne verstärkte Hilfe die Mangelernährung tödliche Folgen haben. Die SOS-Kinderdörfer schätzen, dass im Südsudan mehr als eine Million Kinder akut vom Hunger bedroht sind, über 250.000 seien bereits jetzt schwer unterernährt. Die SOS-Kinderdörfer verstärken ihre Hilfe für Familien.
Die Lebensmittelpreise explodieren, immer mehr Menschen hungern im Südsudan. Foto: Ashley Hamer

"Das Horrorszenario eines Massensterbens könnte Wirklichkeit werden", warnt Alberto Fait, Projekt-Koordinator der SOS-Kinderdörfer im Südsudan. Das Land ist eigentlich sehr fruchtbar. Doch auch im Südsudan wird im seit 2013 herrschenden Bürgerkrieg Hunger als Waffe eingesetzt. Anbauflächen wurden verwüstet, Bauern vertrieben. Hinzu kommt die anhaltende Dürre. Im Südsudan leben 90 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft. "Wenn die Gewalt nicht abebbt, wird bald die Hälfte der Bevölkerung vom Hungertod bedroht sein, das sind 5,5 Millionen Menschen!", warnt Fait.

Hungernde Kinder an jeder Straßenecke

"Die Hungerkrise erreicht jetzt sogar die Hauptstadt Juba", sagt Fait. "Die Menschen können sich durch die extrem hohe Inflation und die gestiegenen Nahrungsmittelpreise keine Lebensmittel mehr leisten." Im ganzen Land habe der Bürgerkrieg die Nahrungsmittelproduktion zum Erliegen gebracht. "Akut unterernährte Kinder sieht man inzwischen an jeder Straßenecke – und die Situation verschlimmert sich täglich", sagt Fait.

SOS-Hilfe in Juba

Die SOS-Kinderdörfer im Südsudan verstärken ihre Hilfe, um hungernden Kindern und Familien in der Region von Juba beizustehen:

  • SOS lässt Brunnen bohren, um bis zu 10.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Zusammen mit der Verteilung von Hygieneartikel dient dies auch der Cholera-Prävention.
  • Hungernde Familien werden mit Nahrungsmitteln versorgt.
  • Mangelernährte Kinder erhalten medizinische Hilfe.
  • Eltern werden geschult, um bei ihren Kindern erste Anzeichen von Mangelernährung zu erkennen. Schwangere und stillende Mütter erhalten Ernährungsberatung.

Kita für traumatisierte Kinder

SOS begann mit der Nothilfe, nachdem in der Hauptstadt Juba im Juli 2016 heftige Kämpfe aufgeflammt waren. SOS-Mitarbeiter betreuen in einer Nothilfe-Kita 120 Mädchen und Jungen, die durch Flucht und Gewalt traumatisiert sind. Weiteren 140 Kindern ermöglicht SOS den Schulbesuch, indem ihre Familien bei den Kosten für Schulgebühren und Schulmaterialien unterstützt werden.

Lehmhütten-Kinderdorf

Diese humanitäre Soforthilfe soll später in ein langfristiges Familienhilfe-Programm übergeben. Ausgangspunkt der SOS-Hilfe ist das Lehmhütten-Kinderdorf in Juba. Dort haben die SOS-Familien im Südsudan eine neue Bleibe gefunden, nachdem das SOS-Kinderdorf in der umkämpften Stadt Malakal im März 2014 evakuiert werden musste.