Syrien: Eine Zuflucht für Kriegswaisen

SOS eröffnet neues Kinderdorf bei Damaskus

25.10.2017 - Die SOS-Kinderdörfer haben ein neues Kinderdorf in Syrien eröffnet. Zwölf Kriegswaisen im Alter von zwei bis 13 Jahren haben bereits ihr neues Zuhause am Stadtrand von Damaskus bezogen, weitere 70 sollen in den nächsten Wochen folgen. Damit baut SOS die Hilfe für schwer traumatisierte Kinder im Bürgerkriegsland massiv aus.

"Diese Kinder haben eines gemeinsam: Sie sind ohne Schutz und ohne Bildung, zwischen Elend und Krieg aufgewachsen, ständige Gewalt und Angst haben tiefe Spuren in ihren Seelen hinterlassen", sagt Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer in München. Die Folgen seien für die Kinder verheerend: "Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass diese Kinder noch Jahrzehnte an den psychologischen Folgen von Terror, Gewalt und Verlust leiden werden, wenn ihnen nicht verlässlich und langfristig geholfen wird", so Vyslozil weiter.

"Wir bleiben im Land, unsere Hilfe ist langfristig"

Ankunft im neuen SOS-Kinderdorf bei Damaskus. Foto: Fares Hajibrahem

Das neue Kinderdorf sei ein Zeichen der Hoffnung und ein Signal für die Menschen in Syrien: "Wir werden der Gewalt nicht weichen, wir bleiben im Land, unsere Hilfe ist langfristig, wir investieren in die syrischen Kinder – und damit in die Zukunft des Landes." Die Kinder erhalten nun eine familiennahe Betreuung in SOS-Familien, Sicherheit sowie psychologische Hilfe, damit sie mit den erlittenen Traumata umgehen können. Andernfalls drohe einer ganzen Generation, ihr Leben lang zu leiden, und anfällig für Depressionen, Radikalisierung und neue Gewalt zu sein, so Vyslozil.

"Die Kinder erleben die Gewalt, die sie erlebt haben oder mitansehen mussten, jeden Tag aufs Neue", sagt Vyslozil. "Die Langzeitfolgen lassen sich nur schwer beseitigen. Wir wollen mit dem neuen Kinderdorf dafür sorgen, dass diese Kinder lernen, dass die Welt ein guter Ort ist, an dem sie sich sicher fühlen können."

Liebevolle Betreuung in einer SOS-Familie

Kinder auf dem Spielplatz des neuen SOS-Kinderdorfs bei Damaskus
Einfach Kind sein: Die Mädchen und Jungen erkunden den Spielplatz. Foto: Fares Hajibrahem

Bis zu ihrem Einzug ins neue Kinderdorf sind die Kinder in Übergangsheimen der SOS-Kinderdörfer für unbegleitete Flüchtlingskinder und Bürgerkriegswaisen betreut worden. Die Organisation betreibt derzeit zwei therapeutische Wohngruppen bei Damaskus, in denen rund 190 Mädchen und Jungen bis zu zwei Jahre lang untergebracht sind. "Zuerst suchen unsere Mitarbeiter nach den Angehörigen der Kinder, damit sie wieder mit ihren Familien vereint werden können", sagt Vyslozil. Doch für viele Kinder verlaufe die Suche ergebnislos. Diese verbleiben in Obhut der SOS-Kinderdörfer und einige von ihnen konnten nun gemeinsam mit ihren SOS-Müttern ihr endgültiges Zuhause beziehen. Vyslozil: "Ich freue mich sehr, dass wir diesen Kindern eine langfristige, liebevolle Betreuung in einer SOS-Familie bieten können."

"Es war eine sehr glückliche Fügung, dass wir dieses Objekt gefunden haben", sagt Vyslozil. In der Nähe von Damaskus wurde eine ehemals private Ferienanlage gekauft und umfassend für die Bedürfnisse der Kinder umgebaut. Das Grundstück ist rund 10.000 Quadratmeter groß und bietet Wohnungen für die Kinderdorf-Familien, dazu Gruppen- und Therapieräume sowie ausreichend Spiel- und Bewegungsflächen auch im Grünen. Die Gegend gilt als sicher. Bisher ist es dort zu keinen Kampfhandlungen gekommen.

Die SOS-Kinderdörfer in Syrien sind seit über 30 Jahren im Land aktiv. Zwei SOS-Kinderdörfer, Jugendeinrichtungen und Sozialprogramme bilden die Basis, um im Bürgerkriegsland direkt vor Ort schnell und effizient Nothilfe zu leisten. Die SOS-Nothilfe hat bislang über 300.000 Kinder und Erwachsene erreicht. Aktuelle Einsatzgebiete sind das zerstörte Aleppo, die Hafenstadt Tartous sowie Damaskus und Umgebung.