Ukraine: Tausende Kinder leiden unter toxischem Stress

10.01.2019 - Der andauernde Konflikt mit Russland hat weitreichende Folgen für die psychische Gesundheit der Kinder in der Ukraine. "Der lange Zeitraum von vier Jahren, in dem Kinder permanentem Stress, äußerster Angst und Unsicherheit ausgesetzt sind, hat fatale Auswirkungen auf ihre soziale und emotionale Entwicklung", sagt Andrij Chuprikov, Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine.
Viele Kinder und ihre Eltern in der Ukraine sind durch den Konflikt stark psychisch belastet. Foto: Katerina Ilievska
Viele Kinder und ihre Eltern in der Ukraine sind durch den Konflikt stark psychisch belastet. Foto: Katerina Ilievska

"Wenn ein Kind ständiger Bedrohung ausgesetzt ist, dazu zählen Gefechte, aber auch die Angst, von Landminen auf Schulwegen und im Umfeld der Siedlungen getötet zu werden, kann das zu schweren Traumata führen", so Chuprikov weiter. 200.000 Jungen und Mädchen in der Ostukraine seien betroffen.

Vor allem Kinder, die unmittelbar an der Demarkationslinie lebten, litten unter toxischem Stress: "Wir beobachten bei ihnen vermehrt Symptome wie Bettnässen, selbstzerstörerisches Verhalten, Aggression oder Abschottung. Im schlimmsten Fall Kinder entwickeln Kinder unter solchen Lebensumständen Störungen, die zum Suizid führen", sagt Chuprikov.

Viele Familie halten den Belastungen nicht mehr stand

Fatal sei auch eine weitere Begleiterscheinung des Konflikts: "Wir sind äußerst besorgt, weil immer mehr Familien den andauernden Belastungen nicht standhalten", sagt Chuprikov. Sprachlosigkeit und häusliche Gewalt seien auf dem Vormarsch. "Dabei ist die Grundlage für eine halbwegs stabile, gesunde Kindheit, dass Kinder starke persönliche Beziehungen zu ihren Angehörigen haben. Sie brauchen Stabilität, Routine, Sicherheit, Ruhe zum Spielen", sagt Chuprikov. Genau das aber könnten viele Eltern ihren Kindern nicht mehr geben, hätten viele von ihnen doch selbst denn Halt verloren.

Kinder und ihre Eltern brauchen dringend Unterstützung

Die psychologische Betreuung durch Fachkräfte der SOS-Kinderdörfer hilft Kindern in der Region von Lugansk, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und wieder Freude am Leben zu gewinnen. Foto: Katerina Ilievska

Es herrsche ein dringender Bedarf an Angeboten zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung, "nicht nur für die Jungen und Mädchen, sondern auch für ihre Eltern. Nur, wenn wir die Eltern einigermaßen stabil sind, können sie ihren Kindern Halt geben."

Die SOS-Kinderdörfer in der Ukraine unterstützen Kinder und Eltern in der Lugansk-Region bei der Verarbeitung ihrer Traumata. Mobile psychologische Teams besuchen die Familien in abgelegenen Orten, in den SOS-Sozialzentren werden traumatisierte Familien betreut.