Zentralafrikanische Republik: Gewalt und Not abseits der Öffentlichkeit

Fast jeder zweite Einwohner abhängig von Hilfe

31.08.2017 - Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit nimmt die Krise in der Zentralafrikanischen Republik immer dramatischere Ausmaße an. Aufgrund der seit Anfang des Jahres zunehmenden Gefechte zwischen christlichen und muslimischen Gruppierungen sind in der Zentralafrikanischen Republik inzwischen über eine Million Menschen auf der Flucht, die Hälfte davon Kinder. 2,4 Millionen Menschen sind abhängig von humanitärer Hilfe – fast jeder zweite Einwohner. 40.000 Kinder sowie 70.000 schwangere Frauen und stillende Mütter sind unterernährt, die Säuglingssterblichkeit ist eine der höchsten der Welt.
40.000 Kinder in der Zentralafrikanischen Republik sind vom Hunger bedroht. Foto: SOS Medizinisches Zentrum Bangui / Sylvain Cherkaoui

"Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird", betont Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. Die UN warne sogar vor einem drohenden Genozid. Umso dramatischer ist die Tatsache, dass aktuell erst 25 Prozent der in diesem Jahr benötigten Gelder zusammengekommen sind. "Überall im Land wurden Hilfsprogramme eingeschränkt oder geschlossen, dringend benötigte Lebensmittelrationen wurden auf die Hälfte reduziert. Das kostet täglich Menschenleben", sagt Yassin.

Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

Die SOS-Kinderdörfer sind eine der wenigen im Land verbliebenen Hilfsorganisationen. Sie sind seit 1990 in der Zentralafrikanischen Republik aktiv. Aktuell unterstützt die Organisation zehntausende Kinder und Familien unter anderem mit Nahrungsmitteln, psychologischer und medizinischer Hilfe. SOS setzt sich für Bildung ein und hilft Jungen und Mädchen, die in den gewalttätigen Auseinandersetzungen ihre Eltern verloren haben, ihre Familie wiederzufinden.

Yassin warnt davor, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. "Wir dürfen nicht zuschauen, sondern müssen jetzt das Schlimmste verhindern. Langfristig müssen wir die eigentlichen Ursachen des Konflikts bekämpfen: Armut und soziale Ungleichheit. Aus all den Krisen weltweit wissen wir, dass es eine schnelle Lösung nicht gibt."