Die andere Seite der Idylle

Hilfe zur Selbsthilfe: SOS bietet Erwachsenenbildung für Slumbewohner in der Dominikanischen Republik

Jenseits der Traumstände und Hotelanlagen herrscht in der Dominikanischen Republik bittere Armut: So hat Reina nie eine Schule besucht. Erst als Erwachsene lernte sie lesen, schreiben, rechnen. Und zwar abends. Denn tagsüber arbeitet Reina jetzt als Erzieherin in einer SOS-Kita.
Reina und Kinder aus dem SOS-Kindergarten Santiago
Reina und Kinder aus dem SOS-Kindergarten Santiago
Reina Martinez hatte keinen guten Start ins Leben: Sie wuchs in einem Slum von Santiago de los Caballeros in der Dominikanischen Republik auf – in einer brüchigen Baracke ohne eigenes Bad oder Toilette. Über 30 Prozent der Bevölkerung dieser beliebten Urlaubsinsel leben unter dem absoluten Existenzminimum von rund zwei Dollar pro Tag. Reina hatte immerhin insoweit Glück, dass sie liebevolle Eltern hatte, die sie großzogen. Ein Schulbesuch war ihr jedoch nicht vergönnt.

„Ich lasse die Kinder nie alleine“

Reina heiratete bald. Auch hier hatte sie Glück: Sie fand einen netten Mann, der Arbeit hatte, nicht viel, aber immerhin genug zum Überleben. Das Paar bekam drei Kinder, Ifraim ist heute 12 Jahre alt, Isaac elf und José Antonio acht. Als José Antonio im Kindergartenalter war, hörte Reina von den SOS-Kinderdörfern, die in ihrer Community einen Kindergarten eröffnen wollten. Zudem wurden Erzieherinnen gesucht. Reina bewarb sich.
„Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt die 36-Jährige heute. Da sie einen sehr engagierten Eindruck machte, erhielt sie von SOS eine Ausbildung zur Erzieherin und wurde eingestellt. Seither arbeitet Reina von 9 bis 17 Uhr im SOS-Kindergarten. 15 Kinder nimmt sie jeden Abend noch bis 19 Uhr mit zu sich nach Hause. „Manche Eltern müssen um 17 Uhr noch arbeiten. Ich kann die Kinder doch nicht alleinlassen“, sagt sie dazu.

Geburtsurkunde mit 32 Jahren

Wie für alle Familien, die an SOS-Programmen teilnehmen, entwarfen die SOS-Sozialarbeiter auch für Reinas Familie einen Familienplan: Was kann ich? Wo habe ich Bildungs- oder Fortbildungsbedarf? Was möchten wir als Familie erreichen? Dabei stellte sich heraus, dass Reina keine Geburtsurkunde hat. Die Verwaltung in der Dominikanischen Republik verweigert armen Menschen oft dieses Papier. Da man in dem Land aber ohne Geburtsurkunde nicht zur Schule gehen kann, hatte Reina auch keinerlei Ausbildung. Also besorgte SOS einen Anwalt und Reina bekam mit 32 Jahren endlich eine Geburtsurkunde. Seither geht sie zur Schule. Jeden Abend ab 19 Uhr. „Ich bin jetzt in der 4. Klasse“, sagt sie stolz.

Noch ein Kindergarten!

Und sie setzt sich für ihre Gemeinschaft ein: Sie hat einen Beirat für den SOS-Kindergarten gegründet, der sich um alles kümmert: Wo kaufen wir die Nahrung für das tägliche Mittagessen der Kinder? Wann putzt wer? Welche Behördengänge müssen übernommen werden? Außerdem hat sie schon einen zweiten Kindergarten-Beirat gegründet. Es soll ein zweiter SOS-Kindergarten im Nachbarslum entstehen, damit auch dort Kinder gut betreut werden, während die Eltern arbeiten gehen. Ein Grundstück hat Reina schon ausfindig gemacht.

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