Die drei Geschwister vom neuen Kinderdorf in Syrien

Sham, Nur und Muhanad bekommen endlich ein Zuhause

80 Mädchen und Jungen werden jetzt ein dauerhaftes Zuhause im neuen SOS-Kinderdorf Saboura bei Damaskus finden. So auch die drei Geschwister Sham, Nur und Muhanad.
Drei Geschwister mit ihrer SOS-Mutter im SOS-Übergangsheim. Fotos: Wolfgang Kehl
Die Geschwister Sham (11), Muhanad (7) und Nur (9) mit ihrer SOS-Mutter Tagreed Darweesh im SOS-Übergangsheim. Fotos: Wolfgang Kehl

Die SOS-Übergangsheime in Syrien sind an den Grenzen ihrer Kapazitäten angekommen – und so ist die Freude groß, dass vielen Kinder nun endlich eine langfristige Betreuung in Saboura bevorsteht. Drei dieser Kinder sind die Schwestern Sham  (11), Nur (9) und ihr Bruder Muhanad (7). Die drei stammen aus der Region Daraja südlich von Damaskus, ein lange umkämpftes Gebiet. Vor dem Krieg muss es dort schön gewesen sein, Sham erzählt gerne davon. Als der Krieg begann, war sie fünf, also noch nicht mal in der Schule. Sham berichtet von einem freundlichen älteren Herrn in der Nachbarschaft, der damals immer mit ihnen gespielt hat. Die Kinder mussten mit ansehen, wie der Nachbar mit einer Kugel im Bauch starb.

Das Ende ihrer Familie

Und dann kam das Ende der Familie: Die Mutter der Drei starb ebenfalls durch Schüsse. Der Vater war damals schon schwer krank, er konnte sich nicht um die Kinder kümmern. Also wurden sie auf Verwandte verteilt, aber das war der nächste Albtraum: Es kam zu Misshandlungen, deren Spuren heute noch zu sehen sind. Dass SOS auf die Kinder aufmerksam wurde, hat ihnen das Leben gerettet.

Nun sind sie im Übergangsheim. Geblieben sind vom alten Leben nur zwei vergilbte Fotos – eines von der ganzen Familie, ein zweites vom Papa, der inzwischen so krank ist, dass er die Kinder nicht besuchen kann. Geblieben sind Erinnerungen, manchmal verbunden mit Schmerz und Trauer, manchmal mit Sehnsucht und dem Gefühl, trotzdem weiter zu machen.

Mehr als nur Betreuer

Die SOS-Mitarbeiter helfen dabei, die schlimmen Erinnerungen zu verarbeiten. Der Arzt Bassam hat in seiner gefassten Art immer ein offenes Ohr und ist ein ruhender Pol, der Psychologe Wassim spricht mit den Kindern, die Lehrerin Fadwa sorgt dafür, dass die Schulleistungen der drei ihnen Mut und Selbstvertrauen geben. Und dann ist da noch Tagreed. Sie ist die Betreuerin der drei – oder besser gesagt: die SOS-Kinderdorf-Mutter. Soweit sie sich an ihre leibliche Mutter erinnern, werden die drei sie niemals vergessen. Sham träumt manchmal davon, die Mutter käme zurück. Sie kommt nicht. Aber Tagreed ist da.

Syrische Kriegswaise

Kinder in Syrien brauchen Begleiter!

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Tagreed ist der Mensch zum Festhalten, zum Ausweinen, zum Lachen, zum Lernen und zu allem, was die Nähe eines Menschen nur ausmachen kann. Sie gibt den drei Geschwistern inmitten der vielen anderen Kinder das Gefühl: Ich bin für Euch da.

Im Übergangsheim erteilt die Lehrerin Fadwa zusätzlichen Unterricht. Viele Kinder konnten in den Kriegswirren die Schule nicht besuchen– hier gilt es, die Lücken zu schließen.

Sham, Nur und Muhanad haben hier im SOS-Übergangsheim einen geregelten Tagesablauf, der Halt und Orientierung gibt. Frühstück, Zimmer aufräumen, Unterricht, Bastelstunden, Freizeitaktivitäten wie kleine Ausflüge. Und sie gehen zur Schule: Dort wissen die Lehrer, wo die Kinder derzeit leben und welche Geschichte sie haben. Es ist eine Geschichte, die die drei Geschwister mit vielen anderen Kindern in Syrien gemeinsam haben.

Endlich ein richtiges Zuhause!

Im Oktober werden die Kinder die Schule von einem neuen Zuhause aus besuchen. Denn das neue SOS-Kinderdorf Saboura ist fast fertig. Im neuen Dorf wird es ruhiger zugehen als im Übergangsheim, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.

Auf die Frage, warum in Syrien die Menschen aufeinander schießen, werden die drei auch in ihrem neuen Zuhause keine Antwort finden – es gibt sie nicht. Die Kinder werden auch dort immer wieder zurückdenken, wo sie herkommen und dass davon nichts mehr da ist. Aber dafür liegt auch vor ihnen etwas: ein liebevolles Zuhause, an dem die Kinder zur Ruhe kommen und neuen Lebensmut schöpfen können.

Video: Erlebnisbericht von SOS-Mitarbeiter Wolfgang Kehl