Immer das große Ziel vor Augen

Pao-Mai (20) aus dem SOS-Kinderdorf in Thailand sammelt erste Berufserfahrung als Schmuckdesigner

Seit seiner Kindheit nennen ihn alle "Pao-Mai" – auf Thai bedeutet "Ziel": Seinen Spitznamen hat Wachirawut Song-chai-j-reon (20), so sein richtiger Name, im SOS-Kinderdorf in Thailand bekommen, wo er aufgewachsen ist. Dort fiel er früh durch seine außergewöhnliche Zielstrebigkeit auf – und durch Kreativität. Heute studiert er Schmuckdesign und absolviert gerade ein Praktikum in der Manufaktur des Edelsteinschmuckanbieters Juwelo. Hier erzählt er von seinen Zielen und von seinem größten Traum.
Praktikum bei Juwelo: Pao-Mai mit einem Mitarbeiter. Foto: Juwelo
"Ich kann den gesamtem Prozess der Schmuckherstellung vom Design bis zum fertigen Schmuckstück live miterleben": Pao-Mai (r.) bei seinem Praktikum bei Juwelo. Foto: Juwelo

Was bedeutet es für dich, im SOS-Kinderdorf aufgewachsen zu sein?
Ich bin mit acht Jahren ins SOS-Kinderdorf gekommen. Ich hatte dort eine schöne Kindheit, mit meiner Mutter, meinen Brüdern und Schwestern. Meine SOS-Familie bedeutet für mich unbeschreiblich viel. Ich bin in einer förderlichen und unterstützenden Umgebung aufgewachsen und das hat mir geholfen, ein Gefühl der Liebe und Sicherheit zu entwickeln. Das gibt mir Halt. Es fällt mir nie schwer, mich in einer neuen Umfeld zurechtzufinden und ich bin fest entschlossen, meine Zukunft voranzutreiben.

Wurde dein kreatives Talent im SOS-Kinderdorf erkannt und gefördert?

SOS-Familie in Thailand vor dem Haus. Foto: Michael Kaiser
"Meine SOS-Familie bedeutet für mich unbeschreiblich viel": Mit acht Jahren kam Pao-Mai ins SOS-Kinderdorf.

Ja, mein Interesse an Malerei und Kunst ist in mir seit meiner Kindheit gewachsen. Und ich denke, ich bin ganz gut darin geworden. Ich selbst konzentriere mich jetzt auf mein Studium und werde vom SOS-Kinderdorf dabei gut unterstützt.

Was studierst du?
Ich bin Student an der Rajamangala University of Technology in Rattanakosin. Ich studiere Metallverarbeitung und Schmuckdesign am Fine Art-Programm, und es wird noch zwei Jahre bis zu meinem Abschluss dauern. Ich lerne alles rund um die Veredlung von Metallen, wie diese geschmolzen und legiert werden, und wie das Metall geformt und gegossen werden kann. Auch das Skizzieren, Zeichnen und Designen gehört zu meinem Studiengang. Wie werden Schmuckstücke entwickelt, worauf kommt es bei der Fertigung im Detail an? Auch das Schleifen von Edelsteinen erlerne ich in den Grundzügen. Ich lerne einfach alles rund um die Bereiche Metalle und Edelsteine und der Fertigung von Schmuckstücken im Ganzen.

Eine große Bandbreite – was gefällt dir besonders?

"Das Praktikum bei Juwelo wird definitiv meine Jobaussichten nach dem Abschluss verbessern", sagt Pao-Maai (r.) 

Am meisten mag ich das Designen und das Entwickeln von Schmuckstücken, da liegt wirklich mein absolutes Hauptinteresse. Denn hier kann sich meine Fantasie voll entfalten und ich kann wunderschöne Schmuckstücke entstehen lassen, wenn die einzelnen Elemente zusammenfinden und zu einem Ganzen werden. Aber auch am Computer arbeite ich gern.

Die Arbeitslosigkeit ist in Thailand sehr niedrig, doch viele Berufsanfänger haben Startschwierigkeiten. Welche Chance bietet dir das Praktikum bei Juwelo?
Junge Menschen in Thailand tun sich schwer, einen Praktikumsplatz zu finden. Es gibt nicht viele Unternehmen, die hier die Türen öffnen. Als ich von der Möglichkeit eines Praktikums bei Juwelo gehört habe, war ich total begeistert. Dieses Praktikum wird definitiv meine Jobaussichten nach dem Abschluss verbessern.

Bei Juwelo sammelst du erste Berufserfahrung, was lernst du vor allem?

"Ich lerne, wie man Designs zum Leben erweckt": Pao-Mai bei Juwelo. Foto: Juwelo
"Ich lerne, wie man Designs zum Leben erweckt": Pao-Mai bei Juwelo. Foto: Juwelo 

Ich kann den gesamten Prozess der Schmuckherstellung vom Design bis zum fertigen Schmuckstück im Arbeitsalltag miterleben. Den größten Vorteil des Praktikums sehe ich darin, dass ich oft nach meinem Geschmack Designs erstelle, aber dann gar nicht recht weiß, ob mein Design auch tragbar ist und als Schmuckstück funktionieren kann. Aufgrund des Praktikums kann ich nun die echte Welt sehen und lernen, was geht und was vielleicht nicht. Ich kann definitiv meine Fähigkeiten verbessern, gute und tragbare Designs zu kreieren und diese auch zum Leben zu erwecken. Ich möchte hier als Praktikant sehr hart arbeiten - und vielleicht wird aus einem meiner Designs später sogar ein Schmuckstück geschaffen. Natürlich hoffe ich sehr, dass Sie es dann auch in Deutschland tragen werden. Das würde mich wirklich sehr freuen!

Was sind deine beruflichen Ziele für die Zukunft?
Mein allergrößter Wunsch ist es, einmal eine eigene Schmuck-Kollektion zu kreieren! Mein Spitzname ist ja "Ziel" – und das ist wirklich mein größtes Ziel!

Und was ist dein größter Traum?
Ich will mit meiner Arbeit als Schmuckdesigner meine leiblichen Eltern und meine Familie unterstützen - und besonders auch für meine kleine Schwester sorgen. Das ist mein größter Traum.