Jede kleine Spende zählt mehrfach!

Diese Botschaft haben Sie schon oft von uns gehört. Aber stimmt sie auch? Tsering Dolkar Kartsang, SOS-Mitarbeiterin aus Indien, erlebt jeden Tag, dass kleine Beträge eine große Wirkung haben.
Eine Spende sagt: "Du bist nicht allein!" Foto: dpa, Frank May

 

"Jede Spende, auch die ganz kleine, zählt!" Diese Botschaft haben Sie sicher schon von uns gehört. Aber: Stimmt das denn? Wie unterstützend sind denn die drei Euro, die ein Azubi  von seinem geringen Salär spendet? Was können die zehn Euro bewirken, die ein Rentner von seinem ohnehin knapp bemessenen Budget abzwackt? Meine kurze Antwort: Sehr viel!

Die längere: Die SOS-Kinderdörfer sind ja auf Basis vieler kleiner Spenden überhaupt erst entstanden: Hermann Gmeiner hatte die Menschen damals um einen Schilling gebeten, um das erste Kinderdorf zu bauen. Die Menschen verstanden; viele kleine Beträge kamen, so dass Schritt für Schritt das erste Haus und später weitere errichtet werden konnten. Gleichzeitig wuchs die Gemeinschaft der Begeisterten, die die Idee weitertrugen.

Momente der Freude

Und heute? In einem Land wie Indien kann sich eine vierköpfige Familie mit drei Euro einen ganzen Tag ernähren. Selbst zwei Euro vermögen viel: Wir können einem Kind damit eine Schultasche finanzieren. Solche Momente, wo ein Mädchen seine Hefte aus der alten Plastiktüte nimmt und in eine echte – seine eigene  Schultasche steckt, sind kaum zu beschreiben. Wenn die Freude und der Stolz das ganze Kind erfassen. Und um was geht es denn sonst, als um das einzelne Kind, um solche Momente?

Mit den zwei Euro verbunden ist ja auch die Geste der Unterstützung, die dem Mädchen sagt: Du bist nicht allein! Ich glaube an dich! Wahrscheinlich werden wir beide uns nie begegnen, aber es ist mir nicht egal, wie es dir und anderen Kinder geht.

Mensch sein

Mich wundert es nicht, dass viele unserer Jungen und Mädchen, die in einem Kinderdorf aufwachsen, später selbst das Bedürfnis haben, helfen zu wollen. Dann sind sie diejenigen, die sich kümmern. Das ist für mich eine ganz natürliche Solidargemeinschaft.

Tsering Dolkar Kartsang von den SOS-Kinderdörfern in Indien
 

In diesem Sinne ist jede Spende, die ich gebe, auch ein Geschenk an mich selbst: Sie erinnert mich daran, dass ich nicht losgelöst von dem Rest der Menschheit lebe, sie gibt mir die Möglichkeit, aktiv zu werden, mich für das einzusetzen, was ich für richtig und wichtig halte. Sie erinnert mich daran, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Tsering Dolkar Kartsang arbeitet für die SOS-Kinderdörfer Indien. Sie schreibt im Wechsel mit SOS-Kolleginnen das Weblog Zuhause in der Welt.