Mädchen stark machen!

Das fordert Ulla Sensburg, Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit. Und in den SOS-Kinderdörfern kennt sie eine Menge Vorbilder.
Ulla Sensburg, Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit, hier in einer SOS-Schule in Kathmandu
 

Auch in Deutschland gibt es noch die Ungleichheit der Geschlechter: Bei Aufstiegschancen im Job oder auch beim Gehalt existieren nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Doch in vielen anderen Ländern sind die Missstände noch weitaus gravierender.

Ich habe Länder besucht, in denen ich den Eindruck hatte, dass die Stellung der Frau noch überhaupt kein Thema ist. Mädchen werden in weiten Teilen Afrikas oder auch in Asien nach wie vor verkauft oder zwangsverheiratet und zwar schon in sehr jungem Alter. Sie müssen mithelfen, die Familie zu versorgen und gehen oftmals nicht zur Schule.

Siebzig Prozent der Kinder, die keinen Zugang zur Bildung haben, sind Mädchen. Und zwei Drittel der weltweiten Analphabeten sind nach wie vor Frauen. Und Frauen finden Sie auch ganz oft in den Niedriglohnsektoren dieser Länder.

In den SOS-Kinderdörfern ist Gleichberechtigung ein großes Thema – schon allein, weil in Asien und weiten Teilen Afrikas weitaus mehr Mädchen als Jungen in den SOS-Kinderdörfern zuhause sind. Der Grund: Wenn eine Familie zerbricht oder die Eltern wegfallen, werden die Jungen noch eher in der erweiterten Familie aufgenommen, die Mädchen aber weggegeben.

SOS-Girls-Club

Deshalb wohnen in den SOS-Kinderdörfern sehr viel mehr Mädchen, denen wir natürlich jede Möglichkeit eröffnen und Zugang zur Bildung verschaffen. Zum Beispiel gibt es in Bangladesch in jedem Kinderdorf einen „SOS-Girls-Club“, wo wir die Mädchen ganz konkret schulen - hinsichtlich Rhetorik, Selbstverteidigung, Stärkung des Selbstwertgefühls und zum Beispiel auch Vernetzung.

Unsere Kinderdörfer und Hilfsprogramme befinden sich in sehr armen Ländern, in denen Frauen, die zum Beispiel Witwen sind oder alleinerziehend, an den Rand der Gesellschaft rutschen. Wir unterstützen diese Frauen. Sei es, dass sie eine Ausbildung zur SOS-Mutter bekommen oder im Rahmen der SOS-Familienhilfe. Das hilft ihnen, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden und so beeinflussen sie die nächste Generation. Schritt für Schritt nähern wir uns so einer Gleichberechtigung an.