Eine Frohnatur

Elfriede Klaus

Reisen war vielleicht die größte Leidenschaft im Leben von Elfriede Klaus. Die handgeschriebene Liste der Orte und Länder, die sie besucht hat, ist lang: Tunesien, Türkei, Mallorca, Großbritannien sowie unzählige Ziele in Deutschland finden sich in ihrer akribisch geführten Aufstellung. Selbst im hohen Alter blieb sie reiselustig und neugierig auf die Welt. Ihren 90. Geburtstag feierte sie noch auf Rhodos. Eine der vielen Gruppenreisen, die sie in ihrem Leben unternommen hat. Einfach los und Neues entdecken – das mochte sie.
Das Paar war auch durch ihre Reiseleidenschaft verbunden. Foto: Despositphotos

Ihre Reiseleidenschaft verband sie auch mit ihrem Ehemann Jean, mit dem sie viel unterwegs war. Das Paar führte eine harmonische Ehe. Beide waren in ihrem hessischen Heimatstädtchen Homberg berufstätig. Jean als Hausmeister und Elfriede als kaufmännische Angestellte in einem Möbelhaus. Als Jean im Jahr 2001 starb, war das ein schwerer Verlust für die damals 77-Jährige, der sie aber nicht resignieren ließ.

Elfriede Klaus. Grafik: Uli Knörzer

Agil bis ins hohe Alter

Elfriede Klaus war ein vielseitig interessierter und offener Mensch. Sie las gerne und verfügte über die Gabe, sich Dinge gut merken und weitergeben zu können. "Sie hatte ein phänomenales Gedächtnis", erzählt ihre Großkusine Cornelia Ried und ergänzt: "Ich habe ihr immer gesagt, sie soll mit ihrem Wissen mal in einer Quizshow teilnehmen." Cornelia Ried erinnert sich an ihre Großtante, die sie Fidi nannte, als Frohnatur mit einer positiven Einstellung zum Leben. "Sie konnte in allem etwas Gutes entdecken."

Fidi besaß viel Disziplin. Dass sie in ihre Wohnung im sechsten Stock mit dem Aufzug fuhr, war eher die Ausnahme. Meist nahm sie die Treppe. "Ich muss doch was tun", hat sie zu ihrer Großkusine gesagt. Und es gab so einiges, das sie tat, um agil zu bleiben. So lernte sie mit fast 80 Jahren noch einmal Autofahren und erfüllte sich in dieser Zeit auch einen alten Wunsch: ihre erste Flugreise.

Alles eigenverantwortlich geregelt

Elfriede Klaus war es gewohnt ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich zu regeln. Das änderte sich auch im hohen Alter nicht. Selbst als sie ihre zunehmend schlechter werdende Gesundheit zwang in ein Altenheim zu gehen. "Noch am Tag vor ihrem Tod haben wir über Dinge gesprochen, die zu erledigen waren", erinnert sich Cornelia Ried.

Schon weit vorher hatte Elfriede Klaus ihren Nachlass geregelt. In ihrem Testament bedachte sie die SOS-Kinderdörfer großzügig. Elfriede Klaus starb mit 91 Jahren am 5. August 2016.

Richard Knoll