Schillernde Geschichten aus der Welt

Brigitte Spinelli reiste, erzählte und genoss das Leben.

Brigitte Spinelli konnte Geschichten erzählen – mit viel Phantasie, feiner Sprache und all den Details, die eine gute Geschichte ausmachen. Vielleicht war sie so gut darin, weil sie selbst so gerne Geschichten mochte und bis zuletzt eine kindliche Freude gerade auch an den kleinen Dingen des Lebens hatte.
Brigitte Spinelli

1942 wurde sie in Berlin geboren und obwohl sie damals noch so jung war, blieb aus dieser Zeit die Erinnerung an die Bombennächte und eine große Lärmempfindlichkeit.

Kurz nach dem Krieg zog sie mit ihrer Familie nach Rettenbach am Inn. Dünn und unterernährt wie sie war, war sie fortan das Berliner "Krischperl". Leicht war es nicht, in diesem ganz anderen Umfeld Fuß zu fassen. Aber zum Glück war da ihre "Omi", die immer ein offenes Ohr für sie hatte.

Brigitte Spinelli wurde Reisejournalistin. In einer Zeit, als das Reisen noch längst nicht so selbstverständlich und mühelos war, zog es sie hinaus: nach Italien. Sie lebte für einige Jahre im malerischen Portofino an der ligurischen Küste. Und in die Karibik, wo sie 1992 einen Artikel über die Gründung des ersten SOS-Kinderdorfs auf Mauritius schrieb. Darin hieß es: "Gerade in Regionen, wo der Wohlstand noch nicht zum Alltag gehört, ist die Notwendigkeit solcher Einrichtungen besonders groß."

Brigitte Spinelli liebte die Freiheit, die ihr das Reisen gab.

Ihr großer Gerechtigkeitssinn wollte es nicht zulassen, dass nicht jedes Kind eine faire Chance bekam. Brigitte Spinelli liebte die Freiheit, die ihr das Reisen gab. Daher war es eine große Einschränkung für sie, als sie vor einigen Jahren einen Augeninfarkt erlitt und aufgrund dessen nicht mehr fliegen durfte. Sie hat das Beste daraus gemacht: Freunde getroffen, ihr Fitness- Training absolviert und weiterhin ihre schillernden Geschichten erzählt.

Bis zu dem Tag, an dem sie plötzlich, mitten aus dem Leben heraus, mit 74 Jahren starb. Sie hatte sich eine Seebestattung gewünscht und so wurde die Ostsee ihre letzte Ruhe- oder besser ihre letzte Reisestätte.

In ihrem Bericht über das SOS-Kinderdorf auf Mauritius hatte Brigitte Spinelli die Menschen aufgefordert zu spenden und auch mal, "warum nicht", die SOS-Kinderdörfer mit einem Vermächtnis zu bedenken. Nun ist sie ihrem eigenen Ratschlag gefolgt.

Simone Kosog