Genug Ideen für drei Leben

Manfred Kiesant war Clown, Märchenerzähler, Autor, Sammler und vieles vieles mehr

Was Manfred Kiesant in ein einziges
Leben gepackt hat, hätte
auch locker für zwei, drei Leben
gereicht.
Geboren am 8. Mai 1949 als einziges Kind
einer Hausfrau und eines Konditors,
wuchs er in dem kleinen Hatzfeld in Hessen
auf. Er ging zur Schule, machte Abitur,
studierte Geschichte und Germanistik
– und dann legte er los: Er eröffnete
eine kleine „Musikkneipe“
und gab eine eigene Zeitung heraus.
Der Ton war satirisch, manchmal
surreal – dieser Stil sollte typisch
für ihn werden. Als ein Zirkus
durch den Ort zog, entschied
sich Manfred Kiesant mitzureisen.
Er fotografierte die Künstler und
trat selbst in der Manege als Clown
Floppone sowie mit Pantomime-
Vorführungen auf.
Das war der Beginn seiner künstlerischen
Laufbahn, die im Laufe seines Lebens immer
wieder neue Facetten dazugewinnen
sollte. Im Gespräch mit seinem Freund
Helmut Irle geht es deshalb bald vor allem
darum, nichts von all dem Vielen zu vergessen.
Nehmen wir das Theater: Während er sein
Geld als Webdesigner verdiente, suchte
Manfred Kiesant in seiner Freizeit immer
neue Ausdrucksformen der darstellenden
Kunst. Er schnitzte eigene Marionetten
und trat mit ihnen auf, mal spielte er Märchen
vor, mal imitierte er die Originale seines
Dorfes, sprach im ortsüblichen Dialekt.
Für Kinder gab er den mittelalterlichen
„Graf Kauzenstein“.
Oder nehmen wir seine Sammlungen:
Er sammelte Eulenfiguren, Mineralien,
Bierdeckel, Comics. „Selbst kleinen Plastikfiguren
vermochte er etwas Schönes abzugewinnen“,
erinnert sich Helmut Irle.
Oder Knöpfe, davon hatte er tausende,
aufgenäht, in Klarsichtfolie oder hinter
Glas – denn es mag voll gewesen sein in
Manfred Kiesants Haus, aber keineswegs
chaotisch.
Manfred Kiesant widmete sich der
digitalen Fotografie, schrieb, zeichnete,
malte, unterstützte immer
wieder neue künstlerische Projekte.
Was vergessen? Ganz sicher.
Als Manfred Kiesant an Krebs erkrankte,
ging er offen und gefasst damit
um. Seinen Freunden sagte er, dass es
schnell gehen könnte. Und er machte sein
Testament zugunsten der SOS-Kinderdörfer.
Er selbst hatte keine Kinder, aber Kinder
lagen ihm am Herzen.
Manfred Kiesant starb im Alter von 66 Jahren,
viel zu früh, um all seine Pläne zu
Ende zu führen. Aber das wäre es vermutlich
immer gewesen.
Simone Kosog

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