Selbstständig und unabhängig

Helga Robes

Erst einmal ein Kreuzworträtsel lösen.
Das gehörte für die wissbegierige
Helga Robes zu einem guten
Start in den Tag. Mit den Rätseln
lernte sie spielerisch und hielt ihren
Geist wach. Lernen konnte sie auch
auf ihren Reisen nach Ägypten,
Frankreich und Nordamerika,
die sie zu einer weltoffenen
Frau machten.
Dass sie diese Länder einmal
bereisen würde, hätte sie sich
als Kind nicht träumen lassen.
1932 geboren, erlebte sie die
Wirren des Zweiten Weltkrieges
nur allzu bewusst in ihrem Zuhause
nahe Kassel. Während der
Vater die russische Kriegsgefangenschaft
durchlitt, musste die Mutter alleine
für sie und ihren Zwillingsbruder Horst
sorgen.
Mit zwanzig Jahren verließ die junge Frau
ihr Elternhaus und zog nach Frankfurt am
Main, um Sekretärin zu werden. Der erste
große Schritt in ein eigenständiges Leben.
Ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit
blieben ihr immer wichtig. Deshalb
kam wohl auch eine Heirat für sie nie in
Frage. „Obwohl es da einmal jemanden
gab“, erinnert sich ihre Freundin Monika
Hoffmann-Rothe (im Bild rechts). Doch sie
war es gewohnt, ihr Leben selbst zu gestalten
und wollte sich nicht gerne von einem
Ehemann dreinreden lassen.
Dass sie nicht geheiratet und keine Kinder
hatte, ließ sie keineswegs verbittern.
„Helga hatte eine positive Einstellung zum
Leben und war eine offene Frau“, meint
Monika Hoffmann-Rothe.
Lange lebten sie und ihre Familie Tür an
Tür mit ihr. „Sie war ein bisschen wie eine
Oma für uns, vor allem mit meiner Tochter
Liz war der Kontakt eng.“
Ihre Arbeit als Chefsekretärin war für
Helga Robes eine Berufung. Nachdem sie
in Rente ging, zog sie sich mehr in ihre
Wohnung zurück. Nach ihren beiden
Hüftoperationen wurde der Weg
nach draußen für sie zunehmend
beschwerlicher. Doch ihrer
Neugier auf die Welt tat dies
keinen Abbruch. „Sie war
immer an allem interessiert.
Vor allem was Computer
so alles können,
begeisterte sie jedes Mal
aufs Neue.“
Ihr Geist blieb bis zu ihrem
Lebensende wach. Gesundheitliche
Probleme zwangen sie im Juli
2014 ins Krankenhaus, wo sie mit 81
Jahren starb.
Wie alles in ihrem Leben hat Helga Robes
auch ihren Nachlass klar und vorausschauend
geregelt. Die SOS-Kinderdörfer
bedachte sie in ihrem Testament großzügig.
Was sie dazu veranlasste, hat sie ihrer
Freundin mit einfachen Worten gesagt:
„Die machen gute Sachen.“
Richard Knoll

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