Himmlische Wohngemeinschaft

Wie sollte man von Margarete Ganseforth erzählen, ohne auch Frieda Knecht ausführlich Platz einzuräumen? Die beiden gehörten einfach zusammen.

 

Eine Frau, die sich durchsetzen konnte: Margarete Ganseforth in jüngeren Jahren.

Schwungvoll war schon ihr Kennenlernen: Margarete Ganseforth war zur Kur im Allgäu. Frieda Knecht arbeitete dort in der Klinik und lieh der Patientin ihr Fahrrad aus – heimlich und verbotenerweise. Prompt stürzte Magarete Ganseforth. Sie demolierte zum Glück nicht sich, sondern nur das Fahrrad, aber mit den Radtouren war es vorbei!

Die beiden Frauen machten daraufhin Ausflüge mit dem Auto. Ihre Freundschaft vertiefte sich, als Margarete Ganseforth zwei Jahre später erneut zur Kur kam. Am Ende fragte sie ihre Bekannte: "Warum kommst du nicht mit nach Berlin?" Und Frieda Knecht antwortete: "Wenn du einen Job für mich findest …"

Das tat Margarete. Sie entdeckte eine vakante Stelle als Buchhalterin. "Das kann ich nicht!", sagte Frieda. "Natürlich kannst du das!", sagte Margarete. Frieda bekam den Job und nahm sich eine Wohnung in Berlin.

 

"Wir haben viel unternommen", sagt Frieda Knecht über die gemeinsame Zeit mit ihrer Mitbewohnerin.

Als sie sich wenig später ein Bein brach, zog sie vorübergehend zu ihrer Freundin. Damals beschlossen die beiden zusammenzuziehen. Frieda Knecht hatte da schon eine Ehe und die Scheidung hinter sich, ihre Tochter stand auf eigenen Füßen. Margarete Ganseforth hatte nicht die Absicht, Familie zu gründen. Zwar liebte sie Kinder, aber sie erklärte stets, dass sie nicht die Nerven habe für all die Hausarbeit. Lieber engagierte sie sich in ihrem Beruf als Vorschullehrerin für Jungen und Mädchen und spendete außerdem für die SOS-Kinderdörfer, die sie später auch in ihrem Testament bedachte.

Die WG der beiden Frauen sah so aus: Margarete war katholisch, ordentlich, konnte nähen, aber nicht kochen. Frieda war evangelisch, ließ schon mal etwas liegen, konnte kochen, aber nicht nähen. Beiden gemeinsam waren ihre soziale Einstellung, ihre Lebensfreude und Toleranz. Ein Fundament, das über 40 Jahre trug. Als Margarete kurz nach ihrem 90. Geburtstag schwer krank wurde und in ein Heim kam, besuchte Frieda sie täglich. Wenige Wochen später starb sie. Am Grab sprach der Pfarrer mit warmen, menschlichen Worten. Ein Satz gefiel Frieda besonders: "Wenn Sie auch mal dort oben ankommen, Frau Knecht, wird die Wohngemeinschaft weitergeführt!"

Simone Kosog

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