Berufliche Perspektiven für bosnische Jugendliche

Globale Partnerschaft mit BorgWarner gibt jungen Menschen Chancen auf dem Arbeitsmarkt

22.10.2018 - Ein Studium in der Tasche – aber trotzdem keinen Job? Für viele Jugendliche in Bosnien ist das harte Realität. Die Arbeitslosenquote im Land liegt bei 50%, zusätzlich ist die politische und soziale Situation schwierig. BorgWarner Turbo Systems, ein führender Anbieter von innovativen Aufladesystemen für die Automobilindustrie, will die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt fördern und ermöglicht u.a. Praktika in der Unternehmenszentrale in Deutschland. Ziel der globalen Partnerschaft mit den SOS-Kinderdörfern ist es, Jugendlichen Einblicke in die Arbeitswelt zu gewähren, ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern sowie praktische Kenntnisse zu vermitteln.
Diana und Emina bei ihrem Besuch im Münchner SOS-Büro. Foto: Andrea Seifert

Diana Duskaj und Emina Kuloglija, beide 22 Jahre alt, sind Stundentinnen der Wirtschaftsinformatik an der School of Economics and Business in Sarajevo. Daneben engagieren sich beide in verschiedenen SOS-Jugendförderprogrammen ("Nautilus" und "Yes-Center") und helfen mit, Kinder verschiedener Ethnien und Religionen in Bosnien zusammen zu bringen.

Hier erzählen Sie von ihren Erfahrungen und Eindrücken als Praktikantinnen bei BorgWarner Turbo Systems:

Ihr seid beide als Nachkriegskinder im Bosnien der 90er-Jahre aufgewachsen, wie habt ihr das Zusammenleben der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen empfunden?

"Sarajevo ist noch immer eine geteilte Stadt: Es gibt auch ohne offizielle Grenze eine Bosnische und eine Serbische Seite und die verschiedenen Glaubensrichtungen spalten die Gesellschaft weiter. Die Christen werden zumeist mit Kroatien in Verbindung gebracht, die Muslime mit Bosnien und die Orthodoxen mit Serbien. Gerade gegen die Orthodoxen gibt es viele Vorbehalte, da die Serben im Krieg in Sarajevo sehr viel Schaden angerichtet haben."

"Deshalb arbeiten wir auch für SOS und bei Nautilus als Freiwillige: Hier werden Menschen nicht vor ihrem ethnischen oder religiösen Hintergrund betrachtet und das möchten wir weitertragen. Denn eigentlich könnten wir gut miteinander auskommen. Aber es gibt Politiker, die den Konflikt verschärfen, um von den tatsächlichen Problemen des Landes abzulenken: In Bosnien liegt die Arbeitslosenrate nämlich bei rund 50 Prozent und die politische und soziale Situation ist schwierig. Dazu kommt, dass alles immer teurer wird, die Gehälter aber nicht steigen. Überhaupt Arbeit zu finden ist eine Herausforderung. Besonders als junger Mensch ohne Erfahrungen oder den erforderlichen Fähigkeiten."

Wolltet ihr deshalb ein Praktikum in Deutschland machen?

"Ja, unser Studium hat zwar einen sehr ausführlichen und umfassenden theoretischen Teil aber der Praxisbezug fehlt. Deshalb war uns ein Praktikum so wichtig, wir wollten unsere beruflichen Perspektiven verbessern und die Arbeitswelt kennenlernen."

"Wenn wir zurückkommen, haben wir außerdem einen großen Vorteil in unserem Land. Ein Praktikum in Deutschland in einem globalen Unternehmen ist sozusagen eine Jobgarantie. Deutschland ist das 'gelobte Land' für uns."

Und wie seid ihr auf BorgWarner Turbo Systems aufmerksam geworden?

Engagierte Mitarbeiter von BorgWarner schulen Jugendliche aus den SOS-Projekten in Sarajevo, Bosnien. Foto: BorgWarner Turbo Systems

"Wir haben an einem Jugendworkshop teilgenommen, den das Unternehmen im vergangenen Jahr in Sarajevo ausgerichtet hat. Die persönlichen Geschichten der Mitarbeiter haben uns Hoffnung gegeben und zugleich ermutigt, nicht aufzugeben. Ihre Erfolge haben uns gezeigt, dass man alles im Leben erreichen kann, was man möchte – auch wenn einem manchmal Steine in den Weg gelegt werden. Einige Zeit später haben wir dann von SOS erfahren, dass BorgWarner Praktikumsplätze in Deutschland zur Verfügung stellt. Wir haben uns direkt beworben und waren überglücklich, als wir zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden sind, und eine Zusage erhalten haben."

Erzählt uns gerne über euer Praktikum bei BorgWarner Turbo Systems.

"Das Praktikum dauerte 7 Wochen und wir waren der Abteilung „Integrierte Unternehmensplanung“ zugeteilt. Wir konnten unsere Kenntnisse im Projektmanagement und im IT-Bereich einbringen. Wir haben die Kollegen bei der Recherche und Bewertung einer neuen Software unterstützt, die Systeme und Prozesse innerhalb des Unternehmens effizienter und schneller gestalten soll. Daneben haben wir bei der Aufbereitung von Unterlagen geholfen und Einblicke in innovative Projektmanagementtechniken erlangt."

"Wir durften auch an Team-Meetings teilnehmen und konnten dadurch besser verstehen, wie die Abteilung funktioniert und in die Unternehmensstruktur integriert ist. Außerdem haben uns die Kollegen in Entscheidungsprozesse einbezogen und darauf geachtet, dass wir Neues lernen und Einblicke in den realen Geschäftsbetrieb erlangen. Sie haben uns ganz nach dem Motto „Learning by doing“ eigenständig arbeiten lassen. Wir durften z.B. Kollegen aus anderen Zweigstellen auf der ganzen Welt kontaktieren und sie unterstützen, wo immer möglich."

Was hat euch am besten an dem Praktikum bei BorgWarner Turbo Systems gefallen?

"Wir waren total begeistert davon, wie viel Zeit und Mühe unsere Betreuer extra für uns investiert haben. Die Abteilung selbst war ja noch relativ neu, wir waren ihre ersten Praktikanten. Wir durften schnell eigenständig an Projekten mitarbeiten. Unsere Kollegen haben sogar aus eigener Initiative heraus gesonderte Trainings für uns arrangiert und uns persönlich im Bereich Excel und auch in anderen Software-Programmen geschult. Wir alle haben also letztendlich viel Neues gelernt und konnten von der gemeinsamen Zeit profitieren."

Welche weiteren Fähigkeiten konntet ihr denn durch das Praktikum erlernen?

"Das Team vor Ort hat uns sehr geholfen unser Selbstbewusstsein zu stärken. Sie haben uns immer wieder ermutigt und waren auch an unseren Ideen und Anregungen interessiert. Außerhalb des Büros mussten wir lernen, eigenständig in einem fremden Land zu leben, unseren Haushalt führen und alle Pflichten, die dazu gehören, selbst erledigen. Insgesamt haben wir gelernt, Neuem offen zu begegnen und Hürden zu überwinden."

Und was habt ihr geplant, wenn ihr zurück nach Bosnien kommt?

"Wir wollen Workshops für Gleichaltrige organisieren und ihnen von unseren Erfahrungen bei BorgWarner Turbo Systems berichten. Wir möchten sie inspirieren, die selben Schritte wie wir zu ergreifen, also Berufspraxis zu sammeln, zu lernen und sich weiterzuentwickeln – persönlich sowie beruflich. Mit diesem Hintergrund und einer solchen Einstellung werden nämlich auch entsprechende Chancen kommen - und sich Perspektiven für die Zukunft ergeben."