Der Hilfe ein Gesicht geben

Franz Rosen unterstützt die SOS-Kinderdörfer seit über 30 Jahren - ein Interview über eine ganz besondere Freundschaft

Franz Rosen, Lehrer aus Emsbüren, gründete 1977 die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer. Mit den Spendengeldern aus diesem Verein wurden bisher 52 Häuser gebaut - in den SOS-Kinderdörfern auf der ganzen Welt. Für sein herausragende Engagement wurde ihm 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Franz Rosen (Mitte) bei einer Scheckübergabe für ein SOS-Familienhaus in Mosambik. Foto: privat
Franz Rosen (Mitte) bei einer Scheckübergabe für ein SOS-Familienhaus in Mosambik. Foto: privat
Herr Rosen, Sie haben in den letzten 30 Jahren eine enorme Summe gesammelt: 2.608.307,78 Euro – was ist das für ein Gefühl?
Mittlerweile sind es sogar 3,1 Millionen! Ich fühle vor allem Dankbarkeit, weil uns so viele Menschen unterstützen. Wir konnten diesen Betrag nur erreichen durch den persönlichen Einsatz Vieler. Angefangen hat es 1977 mit ein paar Schülern, die von der SOS-Kinderdörfer-Idee begeistert waren. Dann kam das Kollegium dazu und schließlich die Eltern und so wurden es immer mehr Leute, die sich engagieren wollten und uns ihr Vertrauen schenkten. Mittlerweile ist die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer eine feste Einrichtung in unserem Bundesland.

Was treibt Sie an, sich für die SOS-Kinderdörfer zu engagieren?
Zunächst hat mich die Begeisterung der Schüler beeindruckt – und dann der Besuch von Hermann Gmeiner. Es heißt: Wer Hermann Gmeiner in die Hände fällt, den lässt er nicht wieder los. So war es auch bei mir. Wir hatten sofort eine persönliche Verbindung und mir imponierte sein großes Vertrauen zu uns. Ich hatte vor, eine Million Mark zu sammeln, um in Puerto Varas in Chile ein Kinderdorf zu errichten. Das war allerdings ein ziemlicher Stress. Ich war viel unterwegs, hielt eine Menge Vorträge und irgendwann sagte meine Frau: "Wenn du so weitermachst, dann wirst du nicht alt." Was mich vor allem motiviert, ist Dankbarkeit: Ich bin seit 36 Jahren glücklich verheiratet und habe vier gesunde Kinder. Schon aus christlicher Nächstenliebe fühlte ich mich verpflichtet, Kindern, denen es nicht so gut geht wie unseren, zu helfen.

Was hat Sie bei Ihren Besuchen in den SOS-Kinderdörfern am meisten bewegt?
Am meisten hat mich die Gastfreundschaft beeindruckt. Ich schäme mich fast, wenn ich sehe, wie wir in Europa jammern, wenn wir mal ein bisschen weniger haben. In Afrika haben die Menschen fast nichts und geben, was sie können ihren Gästen. Und dann natürlich die Kinder. Ich dachte: Was wäre aus diesen Kindern geworden, wenn sie nicht in ein SOS-Kinderdorf gekommen wären?

Warum SOS? Was fasziniert Sie an dieser Idee?
Bei den SOS-Kinderdörfern hat die Hilfe ein Gesicht: Wenn die Menschen für uns spenden, kann ich ihnen Fotos zeigen von dem Haus, das wir mit ihrem Geld gebaut haben und die lachenden Kinder, die davor spielen. Die SOS-Kinderdörfer haben eine einfache Idee und ein einfaches Konzept, das man in vier Sätzen erklären kann und das überall auf der Welt gilt.

Gibt es etwas, das Ihnen in den 30 Jahren besonders viel Freude gemacht hat?
Ja, es waren die Begegnungen mit den Freunden und Helfern. Zum Beispiel Gertrud Brörmann, eine einfache Bäuerin, deren Tochter an Krebs gestorben war. Um sich vom Schmerz und der Trauer abzulenken, flocht sie Kränze und Gestecke. Irgendwann hatte sie so viele davon, dass sie begann, sie zu verschenken – schließlich besaßen alle ihre Freunde und Verwandten Kränze und Gestecke und so beschloss sie, sie für einen kleinen Betrag zu verkaufen und den Erlös unserer Aktion zu spenden. Irgendwann kam so viel zusammen, dass wir zwei Familienhäuser von dem Geld bauen konnten. Jetzt hält sie sogar Spendenvorträge über die Niedersachsenaktion und die SOS-Kinderdörfer beim Rotary Club.

Die Niedersachsenaktion: Ihre Gesichter und Geschichten

Gertrud Brörmann: Seit 14 Jahren fertigt Gertrud Brörmann Kränze und Gestecke, um den Verkaufserlös zu spenden. Mehr >>

Grete und Werner Brink: Das Hausmeister-Ehepaar kümmerte sich jahrelang um 50 SOS-Spendenhäuschen. Mehr >>

Reimund Breding: In seinem niedersächsischen Heimatstädtchen Dinklage wird Reimund Berding gerne auch mal "Mister SOS" genannt. Das ist kein Wunder, denn der 63-Jährige engagiert sich an allen Ecken und Enden für die SOS-Kinderdörfer. Mehr >>