Rekordzeit: 1100 Kilometer mit dem Rad für Kinder in Liberia

Norbert Vohn ist mit seinem Rennrad das "Race across Germany" von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen in einer unglaublichen Zeit gefahren. Dabei trat er für den guten Zweck in die Pedale: Mit seiner parallel laufenden Spendenaktion sammelte er Geld für die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in Liberia.
Spendenaktion: Norbert Vohn geht beim "Race across Germany" zugunsten der SOS-Kinderdörfer an den Start.

Wer mit dem Auto von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen möchte, ist für die etwa 1.100 Kilometer gute zehn Stunden unterwegs. Mit dem Fahrrad dauerte es laut Navigationssoftware schon ein ganzes Stück länger, nämlich nonstop rund 55 Stunden. Und jetzt kommt's: Norbert Vohn hat am letzten Juniwochenende mit seinem Rennrad eine "längere" Pause von 15 Minuten gemacht und ist die Strecke in 39 Stunden und vier Minuten gefahren! Wie das geht? Die Frage ist mehr als berechtigt.

Als Norbert Vohn nach intensiver Vorbereitung am Freitag, den 29. Juni 2018, an den Start ging, war ihm eines klar. "Den Rest des Jahres werde ich wohl eher kürzere Einheiten und Radrennen fahren", meint der 51-Jährige. Kein Wunder, wenn man bedenkt, was für eine Strapaze ihm bevorstand. Die ersten Kilometer durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen liefen für ihn sehr flott. Glücklicherweise kam der Wind entweder von hinten oder von der Seite. Nach 245 Kilometer ging es am Nachmittag schon über die Elbe. "Zu dieser Zeit hatte ich bereits den einen oder anderen 'Verfahrer' hinter mir. Die Sonne stand für mein Navi-Display ungünstig. So konnte ich die Richtung manchmal nur erraten."

Das Knie beginnt zu schmerzen

Von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen: Norbert Vohn fährt 1100 Kilometer nonstop.

Auch die Nacht über saß Norbert Vohn fest und sicher im Sattel. "Es war lediglich zweimal Wildwechsel vor mir, aber in sicherer Entfernung." Weiter ging es dann über viele Hügel bis in die Region um das schwäbische Mauren. Bis hierhin hatte er bereits 918 Kilometer bewältigt. Er schaffte es dort am Samstagnachmittag zeitweise sogar an die Spitze des Rennens. Leider begann zu dieser Zeit langsam sein Knie zu schmerzen. "Da fürchtete ich schon, dass ich das ganze Unterfangen abbrechen muss." Rund 75 Kilometer weiter vermehrten sich seine Befürchtungen. "Es ging plötzlich nichts mehr. Ich hielt an und stieg vom Rad. Ich wollte aufhören und nicht mehr weiterfahren", gesteht Norbert Vohn.

Team und Spendenaktion spornen ihn an

Aber es kam anders! "Mein Team hat mich wieder motiviert. Sie zeigten mir die ganzen SMS, WhatsApp-Messages und E-Mails, die laufend von Leuten eintrafen, die mein Rennen verfolgten." Ebenso spornte ihn die Spendenaktion für die SOS-Kinderdörfer an, die er vor seiner Fahrt auf der Website meine-spendenaktion.de anlässlich seines Rennens ins Leben gerufen hatte. "Das hat mich bereits bei der Vorbereitung motiviert, schon da kamen viele Unterstützer und Geld für die wichtige SOS-Arbeit in Liberia zusammen."

Erster in der Altersklasse über 50!

Also ging es nach einem Energydrink und einer Hand voll Gummibärchen weiter. Aufgeben war jetzt keine Alternative mehr. Garmisch-Partenkirchen zog sich dann für  Norbert Vohn wie Kaugummi. "Das Ortsschild war schon gefühlte 20 Kilometer vorbei und das Knie schmerzte höllisch." Aber gegen 23 Uhr konnte Norbert Vohn ins Ziel, das Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen, einbiegen. Als Zweiter in der Gesamtwertung und als Erster in der Altersklasse über 50! "Ich war total kaputt und überglücklich."

Sein Knie hat sich nach den Strapazen wieder erholt. Die erste weitere Tour mit der "eher kürzeren" Einheit von mehr als 125 Kilometern hat Norbert Vohn schon wieder hinter sich.