Dascha findet ins Leben zurück

Eine Tragöde hatte das Leben des Mädchens zerrissen. Mit Hilfe der SOS-Kinderdörfer konnte die Familie wieder nach vorne blicken – doch die Corona-Pandemie bedeutet für sie die nächste Katastrophe.

November 2019: Dascha lebt in der Ostukraine, einem Kriegsgebiet. Das baufällige alte Haus, in dem ihre Familie wohnt, besitzt kein fließendes Wasser, keinen Kühlschrank und die Toilette ist im Hof. Und doch waren es weder der Krieg noch die Armut, die Daschas Welt aus den Angeln gehoben hatten: Bei einer Familientragödie starben eine ihrer beiden Schwestern und ihre Großmutter; ein naher Verwandter sitzt deswegen im Gefängnis. Von einem Tag auf den anderen hatte Dascha drei geliebte Menschen verloren. Und hörte auf zu sprechen.

Leben im Ausnahmezustand

Die Menschen in Daschas Heimat leben seit Anfang 2014 im Ausnahmezustand, denn so lange dauert der bewaffnete Konflikt rund um die Provinzhauptstadt Lugansk schon an. Angst und Unsicherheit werden von den Eltern auf die Kinder übertragen. Umso wichtiger ist es, den Familien vor Ort beizustehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SOS-Kinderdörfer-Sozialzentrums Stanyzia Luhanska betreuen rund 800 Kinder und ihre Angehörigen.

Das Zuhause von Dascha ist baufällig. Die Familie hat keinen Kühlschrank, kein fließendes Wasser. Foto: Katerina Ilievska

„Angstzustände, Verhaltensauffälligkeiten und Sprachstörungen sind die häufigsten Krankheitsbilder, die wir bei Kindern sehen“, erzählt Irina Medvedeva, Psychologin der SOS-Kinderdörfer. Doch es macht auch immer wieder Hoffnung, wenn Kinder sich langsam erholen und ihre Fortschritte deutlich sichtbar werden.

Viele kleine Fortschritte

Das Therapieprogramm für Dascha und ihre Familie ist umfassend: Anfangs wurden Mutter und Töchter erst einmal mit Nahrungsmitteln versorgt, da alle drei unterernährt waren. Doch weitaus schlimmer waren die seelischen Verletzungen. In vielen Therapiesitzungen lernten die Schwestern einander und ihrer Mutter wieder zu vertrauen. Sie begannen zu sprechen und sich für andere Kinder zu interessieren. Heute können Dascha und ihre Schwester endlich gemeinsam spielen, Dascha besucht einen Kindergarten und findet auch dort langsam Freunde.

Das Mädchen spricht nicht viel. Aber sie lacht wieder und hat eine innige Beziehung zu ihrer Mutter aufgebaut. Sie liebt ihre Katze Tina und beginnt auch langsam, sich ihrer siebenjährigen Schwester anzunähern. Das sind riesige Fortschritte in dem einen Jahr, seit das Team der SOS-Kinderdörfer auf Dascha aufmerksam wurde.

Dascha hat noch einen langen Weg vor sich, aber sie nimmt jetzt wieder Anteil am Leben und freut sich riesig auf Weihnachten! Ihr größter Wunsch ist ein Tretroller für sich und ihre Schwester, außerdem Bunt- und Filzstifte und Knetmasse. Und dass ihre Mutter und ihre Schwester immer lachen und glücklich sind.

Lichtblick für Familien in Not

Ein Ort, an dem sich Kinder wohlfühlen. Das SOS-Kinderdörfer-Sozialzentrum Stanyzia Luhanska bietet Spiel- und Therapieangebote für Kinder und Familien. Foto: Katerina Ilievska

Die Angebote des SOS-Kinderdörfer-Sozialzentrums Stanyzia Luhanska sind für viele Familien ein Lichtblick. Die Armut in der Region ist groß und viele der Eltern finden keine Arbeit und sind auf Lebensmittel- und Sachspenden angewiesen. Stundenlange Wege zum nächsten Arzt gehören zum Alltag.

Da es in der Region so gut wie keine Angebote für Kinder mehr gibt, geben die Aktivitäten des Sozialzentrums den Kindern Struktur und die Möglichkeit zum lernen, spielen und Neues auszuprobieren. Mit psychologischer Hilfe können Kinder und ihre Eltern traumatische Erlebnisse durch Flucht, Bombadierungen und Verlust aufarbeiten. 

"Ich gehe gemeinsam mit Dascha in die Therapiesitzungen im Sozialzentrum der SOS-Kinderdörfer. So lerne auch ich, wie ich mit Dascha zu Hause das Sprechen üben kann. Wir machen das alle gemeinsam", erzählt Daschas Mutter Olga.

UPDATE: Wie geht es Dascha ein Jahr später?

Dezemer 2020: Heute – ein Jahr später – werden Daschas große Fortschritte deutlich: Sie hat sich mithilfe der Therapie sprachlich so gut entwickelt, dass sie im Sommer die Schule starten konnte – noch vor ihrem sechsten Geburtstag im November. Damit ist sie die Jüngste in ihrer Klasse. Stolz trägt Dascha jeden Morgen ihren pinken Schulranzen zum Schulbus und freut sich darauf, mit ihren neuen Freunden zu lernen.

Dank Ihrer Unterstützung kann Dascha heute zur Schule gehen.

Auch im Haus von Daschas Familie konnten wir mit Ihrer Hilfe viel verbessern. Das Kinderzimmer, das sich Dascha mit ihrer Schwester teilt, wurde renoviert. Jetzt haben sie einen Platz zum Spielen und Lernen. Auch das Problem mit der Wasserversorgung gibt es nicht mehr: Dascha und ihre Familie haben nun fließendes Wasser im Haus.

Corona – eine finanzielle Katastrophe

Trotz dieser Lichtblicke ist Daschas Mutter Olga erneut verzweifelt. Denn wie viele andere Familien in der Ostukraine hat die Pandemie auch ihre Familie hart getroffen. Kurz vor Ausbruch der Pandemie bereitete Olga sich darauf vor, als Malerin am Bahnhof zu arbeiten. Sie musste lediglich noch die Dokumente ausfüllen. Doch mit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen wurde die Maler-Stelle gestrichen. Normalerweise arbeitet Olga saisonal in der Forstwirtschaft – seit Winterausbruch fällt auch dieser geringe Verdienst komplett weg.

Ohne Einnahmen kann sich Daschas Familie selbst viele lebensnotwendige Dinge nicht leisten. Sie brauchen dringend Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente, Kleidung und Schuhe für Dascha und ihre ältere Schwester. Außerdem fehlt ihnen Schulmaterial und Brennholz, um ihr Haus zu heizen.

Ein ganz besonderer Weihnachtswunsch

Im vergangenen Jahr wünschte Dascha sich einen Tretroller vom Weihnachtsmann – ein Wunsch, der mithilfe unserer Spender:innen erfüllt werden konnte. Was wohl in diesem Jahr ganz oben auf Daschas Wunschzettel steht? Wie viele Kinder in unseren Programmen wünscht sie sich sicher, dass die Corona-Pandemie endlich ein Ende findet.

Danke, dass Sie den SOS-Kinderdörfern und Familien weltweit auch in dieser schweren Zeit zur Seite stehen!

 

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