Kinderschutz bei den SOS-Kinderdörfern

Hier informieren wir Sie über die aktuelle Entwicklung

Für die SOS-Kinderdörfer steht der Schutz von Kindern an oberster Stelle. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, für jedes Kind, das wir in unseren weltweit rund 3.000 Programmen erreichen, eine fürsorgliche und schützende Umgebung zu schaffen. Verletzungen gegen den Kinderschutz gilt es schonungslos aufzuklären und transparent zu machen. Dazu haben die SOS-Kinderdörfer einen weitreichenden Kinderschutz-Aktionsplan ins Leben gerufen. Denn: Kinderrechte sind nicht verhandelbar!

SOS-Kinderdorf-Vereine in 137 Ländern sind seit ihrer Gründung dem Kinderschutz weltweit verpflichtet und arbeiten kontinuierlich daran, den Kinderschutz konsequent zu verbessern. Insbesondere seit 2009 gelten international verbindliche Kinderschutzrichtlinien, die unter anderem ein Meldesystem enthalten, über das Betroffene oder Mitarbeitende Verdachtsfälle und Vorwürfe weitergeben können, auch historisch zurückliegende.

Bereits 2016 war die unabhängige Kinderschutzorganisation "Keeping Children Safe" in London von den SOS-Kinderdörfern damit beauftragt worden, solchen Verdachtsfällen nachzugehen und vergangene Kinderschutzverletzungen aufzuarbeiten. Die Untersuchung förderte in einzelnen Ländern teils massive Verstöße gegen den Kinderschutz zutage, über die wir die Öffentlichkeit informiert haben. Der Abschlussbericht ist hier einsehbar.

Auch in Deutschland gab es in einer Einrichtung des SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. in Bayern Vorwurfsfälle, die der Verein von einem unabhängigen Experten untersuchen ließ. Den Abschlussbericht der Untersuchung veröffentlichte der Verein im Oktober 2021. Dieser zeigt auf, dass in der Zeit von den frühen 2000er Jahren bis etwa 2015 wiederholt kindeswohlgefährdende Grenzverletzungen und pädagogische Fehlhandlungen durch zwei ehemalige Mitarbeiterinnen stattgefunden haben.

Wir sind erschüttert und tief betroffen, dass es innerhalb unserer Organisation zu solchen Vergehen kommen konnte.  Trotz breiter Präventions-Trainings und strenger Verhaltensregeln sind Verstöße gegen unsere grundlegenden Werte und Normen geschehen. Die schonungslose und transparente Aufarbeitung solcher Vorfälle ist nun ein schmerzhafter, aber absolut notwendiger Prozess.

Experten-Kommissionen haben ihre Arbeit aufgenommen   

Zentrales Instrument dieser Aufarbeitung ist die Beauftragung unabhängiger Experten-Kommissionen. Diese sollen sicherstellen, dass alle Verstöße gegen den Kinderschutz, die in unseren nationalen SOS-Kinderdorf-Vereinen bekannt wurden, lückenlos und mit der nötigen Expertise aufgearbeitet werden. Es geht darum, geschehenes Leid anzuerkennen, Betroffene zu unterstützen, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und den Kinderschutz in allen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen weltweit durchgängig zu verbessern.

Wir haben uns verpflichtet, die Empfehlungen der Kommissionen für die Verbesserung des Kinderschutzes umzusetzen.

Folgende Kommissionen wurden mit den Untersuchungen beauftragt:   

Der Dachverband SOS-Kinderdorf International hat eine internationale Expertenkommission unter der Leitung des ehemaligen kenianischen obersten Richters Willy Mutunga ins Leben gerufen. Die "Independent Special Commission" untersucht alle vorliegenden Meldungen über Fehlverhalten aus den Mitgliedsländern der SOS-Kinderdorf-Föderation und leitet bei Bedarf weitere Untersuchungen ein. Die Kommission wird feststellen, ob und welche Vorwürfe zutreffen, und auf Basis ihrer Untersuchungen dem Internationalen Senat von SOS-Kinderdorf International entsprechende Maßnahmen vorschlagen.

Sie wird eng mit der sogenannten Klasnic-Kommission zusammenarbeiten, die in Österreich unter der Leitung der ehemaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic gegründet wurde.  Sie prüft Vorwürfe von Fehlverhalten in einigen internationalen Betreuungsangeboten von SOS-Kinderdorf. DieKommission legte bereits zwei Zwischenberichte vor. Vorfälle in verschiedenen Ländern wurden intensiv untersucht und es wurden mehrere konkrete Empfehlungen ausgesprochen, die umzusetzen die Geschäftsführung von SOS-Kinderdorf Österreich zugesagt hat.

Darüber hinaus hat der für die deutschen Einrichtungen zuständige SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. die "Unabhängige Kommission zur Anerkennung und Aufarbeitung erlittenen Unrechts"  ins Leben gerufen, die am 10. März 2022 ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Kommission fokussiert sich auf Deutschland und ist damit beauftragt, alle Maßnahmen von SOS-Kinderdorf im Umgang mit pädagogischem Fehlverhalten in Vergangenheit und Gegenwart zu bewerten und aufzuarbeiten. Dabei werden die Interessen und die Sichtweise der Betroffenen stets im Mittelpunkt stehen.

Aktionsplan für den Kinderschutz

Die Beauftragung der Kommissionen ist eingebettet in einen umfassenden weltweiten Aktionsplan von Kinderschutz-Maßnahmen, den die SOS-Kinderdörfer seit Mai 2021 auf den Weg brachten.

Wichtiger Ansatzpunkt ist hierbei das Meldesystem ("Whistleblower System") – hier wird jedem Verdachtsfall von dafür eigens geschulten Fachleuten nachgegangen, Betroffene erhalten Unterstützung, die Öffentlichkeit wird informiert.

Zu den aktuellen Verbesserungsmaßnahmen, mit deren Umsetzung begonnen wurde, gehört die Etablierung eines globalen Netzes von Ombudspersonen. 

Ombudspersonen sind unabhängige Anlaufstellen, an die Kinder, Jugendliche und andere sich mit ihren Anliegen wenden können. Ihre Aufgabe ist es, den Betroffenen zuzuhören, ihr Anliegen ernst zu nehmen und sicherzustellen, dass etwaigen Vorwürfen nachgegangen wird, bis diese abschließend geklärt sind und entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden.  

Um dies zu erreichen, sind junge Menschen an der Umsetzung beteiligt und es wird eng mit einer globalen Kinderschutz-Beratung zusammengearbeitet. Das Projekt startet mit ersten Piloten in drei Ländern, 2022 sollen auf internationaler Ebene sowie in insgesamt 20 Ländern Ombudspersonen ihre Arbeit aufnehmen. In den Folgejahren wird das Projekt kontinuierlich ausgeweitet. 

Darüber hinaus stehen Soforthilfen für von Kindesschutzverletzungen betroffene Personen bereit, Opfer erhalten Entschädigung und Unterstützung, unter anderem Therapieangebote oder Hilfe bei der Ausbildung.

Maßnahmenplan für Deutschland

Speziell für die deutschen Einrichtungen hat der SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. darüber hinaus einen Maßnahmenplan ins Leben gerufen. Dieser definiert die Schritte, die der Verein ergreift, um aktuellen Defiziten bei der Umsetzung des Kinderschutzes in der Praxis umgehend zu begegnen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Zukunft im Kinderschutz innovativ zu gestalten. Dazu gehören neben der erwähnten Kommission auch die Bereitstellung eines Kinderschutzfonds für die Etablierung von personellen Ressourcen und die Verbesserung des praktischen Kinderschutzes in den Einrichtungen vor Ort, sowie die Etablierung einer Stabsstelle für Kinderschutz direkt beim Vorstand des SOS-Kinderdorf e.V.

Auf unserer Website www.sos-kinderdoerfer.de werden wir kontinuierlich über weitere Fortschritte und insbesondere über die Ergebnisse der Internationalen Kommissionen berichten, sobald diese vorliegen.

Bereits jetzt finden Sie dort den detaillierten Maßnahmenplan zum Kinderschutz.

Auf der Website www.sos-kinderdorf.de können die nationalen Maßnahmen für Deutschland verfolgt werden.


Wenn Sie sich Sorgen um die Sicherheit eines Kindes in einem Programm der SOS-Kinderdörfer machen: Hier können Sie Kinderschutzvorfälle melden.
 

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