Die SOS-Kinderdörfer von 1949 bis heute

Von Imst bis zur weltweiten Entwicklungsorganisation

Von der Gründung des ersten SOS-Kinderdorfs im österreichischen Imst zu einer Entwicklungsorganisation in über 130 Ländern: Hier erfahren Sie mehr über die bewegte Geschichte der SOS-Kinderdörfer und ihre weltweite Arbeit für Kinder in Not.

Pionier in der Kinderbetreuung

Hermann Gmeiner gründete 1949 im österreichischen Imst das erste SOS-Kinderdorf der Welt.

Im Jahr 1949 gründet der Österreicher Hermann Gmeiner den SOS-Kinderdorf-Verein und baut gemeinsam mit seinen Freunden das erste SOS-Kinderdorf in Imst, Österreich. Das erste Haus nennt er "Haus Frieden". Angesichts der Not der Kriegswaisen und der Missstände in den damaligen Heimen war es die Vision Hermann Gmeiners, verlassenen und elternlosen Kindern ein echtes Zuhause zu geben. Er verwirklichte eine einfache, aber bahnbrechende Idee: Jedes Kind braucht eine Mutter und wächst am natürlichsten mit Geschwistern in einem eigenen Haus innerhalb einer Dorf-Gemeinschaft auf. Dieser familienpädagogische Ansatz machte die SOS-Kinderdörfer zu Pionieren der Kinderbetreuung.

 

Mehr als eine symbolische Geste: Hermann Gmeiner erhält von einem koreanischen Jungen Reiskörner.

Im Jahr 1960 gibt es bereits zehn SOS-Kinderdörfer mit rund hundert Familien. Möglich gemacht haben das etwa eine Million Freunde, die die Organisation mit regelmäßigen Spenden unterstützen. Außer in Österreich haben sich in Frankreich, Deutschland, Finnland, Belgien und Luxemburg SOS-Kinderdorf-Vereine gegründet.

Im folgenden Jahrzehnt werden die SOS-Kinderdörfer auch außerhalb Europas aktiv. Mit den Spenden aus der sensationellen "Reiskorn"-Aktion kann im Jahr 1963 das erste nicht-europäische SOS-Kinderdorf in Daegu, Korea, gebaut werden. Andere Länder in Asien folgen, auch Lateinamerika mit den ersten Dörfern in Argentinien, Ecuador und Uruguay. Ende der 60er Jahre wird das zu dieser Zeit größte SOS-Kinderdorf in Go Vap, Vietnam, errichtet. Von den 68 SOS-Kinderdörfern im Jahr 1969 befinden sich 39 in Europa, 15 in Lateinamerika und 14 in Asien.

Mit der Hilfe von vier Millionen Freunden

Bildung ist Zukunft: ein Mädchen in einer SOS-Schule in Gambia - Foto: C. Ladavicius
1970 wird Côte d'Ivoire als erstes afrikanisches Land Mitglied der weltweiten SOS-Familie. Neue Einrichtungen in Ghana, Kenia, Äthiopien und Sierra Leone sind geplant. Während des Internationalen Jahr des Kindes 1979 werden dreißig neue SOS-Kinderdörfer eröffnet. In Hohenau, Paraguay, nimmt die erste Klinik ihren Betrieb auf. Ende der 70er Jahre bestehen 143 SOS-Kinderdörfer in 60 Ländern, über vier Millionen Menschen unterstützen weltweit die SOS-Arbeit.

Hermann Gmeiner hinterlässt ein globales humanitäres Netzwerk

Die Hermann-Gmeiner-Akademie in Innsbruck, Österreich, wird 1982 als Schulungseinrichtung für Mitarbeiter aus der ganzen Welt, als ein internationaler Begegnungsort und als Zentrum für die Entwicklung von SOS-Kinderdorf-Konzepten in der Kinderbetreuung und Pädagogik eingeweiht. Helmut Kutin, bisheriger Repräsentant der SOS-Kinderdörfer in Asien, wird 1985 auf der Generalversammlung zum Präsidenten von SOS-Kinderdorf International gewählt.

Am 26. April 1986 stirbt Hermann Gmeiner. Er hinterlässt ein weltumspannendes Werk von 233 SOS-Kinderdörfern in 86 Ländern. 1987 öffnen die ersten zwei SOS-Kinderdörfer in China ihre Tore. Zwei Jahre später wird in Coconut Creek in Florida, USA, ein Dorf gebaut. In Armenien, damals noch Teil der Sowjetunion, werden die ersten SOS-Familien gebildet. Der Bau des Dorfes wird infolge des Erdbebens von 1988 initiiert.

Auf allen fünf Kontinenten

Das Ende des Kalten Krieges zu Beginn der 90er Jahre ermöglicht es den SOS-Kinderdörfern, ihre Arbeit in Osteuropa fortzusetzen, wie etwa in der Tschechischen Republik, wo bereits 1968 Einrichtungen gebaut worden waren. In Russland und Polen werden SOS-Vereine gegründet, neue Projekte in Bulgarien und Rumänien stehen an. Die SOS-Kinderdörfer sind jetzt in den meisten osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern aktiv, zum Beispiel in der Mongolei, in Usbekistan und Kasachstan.

Im Jahr 1995 wird SOS-Kinderdorf International als Hilfsorganisation "mit beratendem Status (Kategorie II) im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen" eingestuft. Mit der Eröffnung des ersten australischen SOS-Kinderdorfes in Adelaide 1996 ist SOS-Kinderdorf auf allen Kontinenten vertreten.

Das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des ersten SOS-Kinderdorfes in Imst 1999 feiern SOS-Kinder und Mitarbeiter in 400 SOS-Kinderdörfern, 375 Jugendwohneinrichtungen und über 750 sozialen Einrichtungen auf der ganzen Welt.

Blick ins SOS-Kinderdorf in Lhasa, Autonome Provinz Tibet

Im Jahr 2000 werden in Mazedonien, Kambodscha und der Mongolei neue SOS-Kinderdörfer gebaut. Wie auch in den Jahren zuvor organisieren die SOS-Kinderdörfer sowohl größere Nothilfeprogramme, wie zum Beispiel in Gode in Äthiopien, als auch unzählige kleinere, lokale Initiativen.

Mehr als zwanzig neue SOS-Einrichtungen in zahlreichen lateinamerikanischen Ländern werden im Jahr 2001 offiziell eingeweiht. Allein in Lateinamerika gibt es 100 SOS-Kinderdörfer, mehr als 300 soziale Einrichtungen in 21 Ländern sind in Betrieb. Neue SOS-Kinderdörfer werden in Pristina (Kosovo), in Rafah im Gazastreifen (Palästinensische Territorien) und in Lhasa (Autonome Provinz Tibet) gebaut bzw. eröffnet.

Conrad N. Hilton Humanitarian Prize

Im Jahr 2002 wird die weltweit höchste humanitäre Auszeichnung, der "Conrad N. Hilton Humanitarian Prize", für außergewöhnliche Leistungen zur Linderung menschlichen Leidens an SOS-Kinderdorf International verliehen. In Kambodscha, Argentinien, Äthiopien, Tansania, Guinea-Bissau, Guinea, Liberia, Swasiland, Malawi und Mosambik werden neue SOS-Kinderdörfer eröffnet. Zwei große Nothilfeprogramme werden für afghanische Flüchtlinge in Pakistan und für ehemalige Kindersoldaten im nördlichen Uganda gestartet.

2003 erweitern die SOS-Kinderdörfer ihre Programme zur Stärkung bedürftiger Familien, insbesondere auch ihre Hilfe für Familien, die von Aids betroffen sind. Vor allem in Afrika macht Aids Millionen Kinder zu Waisen.

Die Zusammenarbeit mit UN-Organisationen, ECHO und Hilfsorganisationen wird intensiviert. Neue SOS-Einrichtungen werden im Sudan, in Kambodscha, im Kosovo, in Kenia, Guatemala, Nepal und Indien eröffnet. Im liberianischen SOS-Kinderdorf Monrovia suchen im Sommer 2003 während der schweren Kämpfe zwischen Rebellen und Truppen von Präsident Taylor bis zu 8.000 Flüchtlinge wochenlang Schutz und Hilfe.

Mädchen aus Keechukuppam, Indien - Foto: D. Sansoni

Ende 2004 fordert die Tsunami-Katastrophe in Südasien hunderttausende Tote und macht Millionen Menschen obdachlos. Die SOS-Kinderdörfer starten die größte Hilfsaktion ihrer Geschichte. Vom ersten Tag sind SOS-Mitarbeiter in Indien, Indonesien und Sri Lanka sowie in in Thailand im Einsatz, um Überlebenden - vorrangig Kindern und ihren Familien - mit dem Nötigsten zu helfen.

Nach Wochen der Soforthilfe für rund 23.000 Menschen beginnen die SOS-Kinderdörfer umfangreiche Wiederaufbauprojekte. Bau von 2.394 Wohnhäusern für 11.900 Menschen; 18 Gemeindezentren mit Kindergärten, Familienstärkung sowie überschwemmungssicheren Unterkünften; 343 Fischerboote für 1.120 Familien werden übergeben; Bau von sechs neuen SOS-Kinderdörfern mit Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Sozialzentren.

6 Dörfer für 2006

Im Juni 2006 ist der Anpfiff für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 (TM) in Deutschland - und die SOS-Kinderdörfer sind bei dem internationalen Fußballereignis mit dabei! Gemeinsam mit der FIFA startet SOS die offizielle WM-Charity 6 Dörfer für 2006. Das ehrgeizige Ziel: bis zum Schlusspfiff des WM-Finales genügend Spenden zu sammeln, um sechs neue SOS-Kinderdörfer bauen zu können - in Brasilien, Mexiko, Nigeria, Südafrika, Ukraine, Vietnam.

2012: In Tadjourah/Dschibuti entsteht das 519. SOS-Kinderdorf und ein SOS-Kindergarten.

Die SOS-Kinderdörfer leisten im Bürgerkriegsland Syrien Nothilfe für Flüchtlingsfamilien.

Taifun auf Philippinen: Neuanfang für Kinder und Familien

Ein Zuhause für Kriegskinder: Die SOS-Kinderdörfer in Syrien geben elternlosen Mädchen und Jungen eine Familie. Foto: Daniel Etter

2013: Eine neugebaute und vier renovierte Schulen gehen in Haiti in Betrieb.

Nach der verheerenden Taifun-Katastrophe auf den Philippinen starten die SOS-Kinderdörfer ein Nothilfe- und Aufbauprogramm, um Kindern und Familien einen Neuanfang zu ermöglichen.

Im Bürgerkrieg in Syrien unterstützt SOS hunderttausende Flüchtlinge mit Nahrung, Kleidung und speziellen Hilfsgütern für Kinder.

2014: Ebola fordert in Westafrika ca. 10.000 Tote. SOS nimmt Ebola-Waisen auf.

Nepal: Nothilfe für Erdbebenopfer

2015: Nach dem Erdbeben in Nepal leisten die SOS-Kinderdörfer Sofort- und Wiederaufbauhilfe. Mit Nothilfe-Kitas, dem Wiederaufbau von Schulen und Familien-Starthilfen erreicht SOS 15.000 Kinder und deren Angehörige.

Syrien: Neues SOS-Kinderdorf nimmt Kriegswaisen auf

2016: In Syrien öffnet ein neues SOS-Kinderdorf seine Pforten, um traumatisierte Kinder in dem kriegsgeschüttelten Land aufzunehmen.

2018: Nach der Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi leistet ein SOS-Team Nothilfe für Kinder und Familien.

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