Der lange Weg in eine bessere Zukunft

Die Geschichte von Sharon und ihren Schwestern aus Kenia

Vor zwei Jahren änderte sich die Welt der damals 20-jährigen Sharon aus Kenia schlagartig: Ihre Mutter starb und ihr Vater verließ die Familie. Ganz auf sich alleine gestellt, musste sie ihre Schwestern Nimu* und Mona* aufziehen, die damals acht Jahre und zwei Wochen alt waren. Durch die Unterstützung der SOS-Kinderdörfer hat Sharon einen Weg gefunden, ihre Ausbildung fortzusetzen und für ihre Geschwister da zu sein.

Sharon befand sich gerade im letzten Jahr der High-School und war sehr fleißig, um ihre Mutter stolz zu machen. Ihr Plan war es, an der Universität Jura zu studieren. Auf einmal die Rolle der Mutter zu übernehmen, war schwierig für sie.

"Ich dachte, das wäre mein Ende. Ich musste auf meine Träume und meinen Spaß im Leben verzichten, um für meine Familie da zu sein", berichtet Sharon. "Ich war nicht darauf vorbereitet, aber mithilfe der Kraft Gottes sagte ich mir, würde ich wie meine Mutter hart arbeiten und mich um meine Geschwister kümmern. Ich würde meiner Familie zur Seite stehen und die Älteste, Schwester und alles andere sein", erzählt sie.

Sharons Leben stürzte ein wie ein Kartenhaus 

Sharon kümmert sich liebevoll um ihre Schwestern. Foto: Jakob Fuhr

Kaum zwei Wochen nach dem Tod ihrer Mutter, wurden die Mädchen von ihrem Vermieter aus ihrem Haus in einer informellen Siedlung am Rande Nairobis, vertrieben. Eine mitfühlende Nachbarin erlaubte ihnen, auf ihrem Sofa zu schlafen, und erklärte sich bereit, tagsüber auf die Kinder aufzupassen, während Sharon zur Schule ging.

Als Sharon mit der High-School fertig war, zog sie mit Unterstützung ihrer Kirchengemeinde mit ihren Schwestern alleine in ein Zimmer. "Das Baby war noch so klein. Ich musste es immer auf dem Arm tragen. Ich musste es beruhigen, damit es aß, Milch trank und schlafen konnte. Manchmal weinte es die ganze Nacht, und wir hatten schlaflose Nächte", erinnert sich Sharon, während ihr Tränen über das Gesicht laufen.

"Ich habe ein paar Mal daran gedacht, mir das Leben zu nehmen, um den Schmerz loszuwerden. Dann wurde mir klar, dass sich niemand um meine Schwestern kümmern würde, wenn ich sterben würde. Also beschloss ich, neuen Mut zu fassen.

SHARON

Sharon berichtet, sie habe ihre Schwestern mit Hilfe ihrer Nachbarn ernährt. "Diejenigen, die meine Geschichte kannten, gaben mir Essen, Kleidung, Milch oder ermutigten mich mit ihren weisen Worten.” Doch die Lebensmittel waren knapp, also brauchte sie Arbeit.

Ein Job, der neue Hoffnung schenkt

Ihre Kirchengemeinde finanzierte Sharon im Januar 2020 einen dreimonatigen Kurs als Friseurin und Kosmetikerin. Die erworbenen Fähigkeiten sollten ihr dabei helfen, eine Arbeit zu finden und Geld zu verdienen, um so besser für ihre Geschwister sorgen zu können.

Zwei Monate nach Beginn, musste Sharon die Ausbildung abbrechen, da COVID-19 auch vor Kenia keinen Halt machte. Ihre großzügigen Nachbarn bekamen die Auswirkungen der Pandemie ebenfalls stark zu spüren und mussten ihre Unterstützung einschränken. “Ich fühlte mich ganz allein auf der Welt. Ich musste mich ablenken, um negative Gedanken zu vermeiden," berichtet Sharon.

Sharon bei ihrer Arbeit im Friseursalon. Foto: Jakob Fuhr

Die Kompetenzen, die Sharon in ihrer Ausbildung erworben hatte, halfen ihr dabei, einen Job in einem kleinen Friseursalon in der Nähe ihres Hauses zu finden, wo sie Haare wusch und föhnte. Für jeden Kunden, den sie bediente, erhielt sie eine Provision von 20 Schilling (16 Cent). Doch das reichte nur für eine kleine Portion Reis oder Mehl. Eine ausgewogene Ernährung für ihre Schwestern konnte sie sich nicht leisten. "Mona liebt es, viel Milch zu trinken, aber wenn ich diese mit den 20 Schilling kaufe, die ich im Salon verdiene, dann reicht das Geld nicht mehr für Windeln oder das Abendessen", erzählt Sharon.

Wir können gerade so überleben. (…) Es ist in jeder Hinsicht ein Kampf."

Sharon

Die Familie braucht mehr Hilfe

Die SOS-Kinderdörfer erfuhren von Sharons Situation durch Judith, eine Freiwillige aus der Gemeinde. Das Programm zur Stärkung von Familien, an dem sie mitarbeitet, verhindert die Trennung von Familien dadurch, dass die betreuende Person ausgebildet wird. Sharon erhält dort Unterstützung, um ihre Ausbildung fortzusetzen und finanziell stabil zu werden.

“Ich würde gerne zur Schule gehen und eine Ausbildung zur Kindergärtnerin machen, denn ich habe das Gefühl, eine große Leidenschaft für Kinder zu haben”, erzählt Sharon. 

Sharons Schwestern finden ein neues Zuhause im SOS-Kinderdorf: Foto  Jakob Fuhr

Ihre zwei Schwestern erhalten in der Zwischenzeit ein neues Zuhause im SOS-Kinderdorf: "Ich kümmere mich um die jungen Mädchen, damit sie nicht unbeaufsichtigt bleiben, wenn Sharon in der Schule ist", erklärt Brigitte, eine Mutter aus dem SOS-Kinderdorf. "Nimu und Mona leben in der gleichen SOS-Familie. (…) Wir sorgen dafür, dass die Verbindung nicht abreißt. Und wenn sie finanziell stabil ist, können wir sie wieder zusammenbringen, damit sie weiterhin eine Familie sein können", sagt sie.

Sharon sieht ihre Schwestern in den Schulferien oder besucht sie im SOS-Kinderdorf, um weiterhin die enge Beziehung zu ihnen aufrechtzuerhalten. "Das ist eine gute Vereinbarung, und ich habe das Gefühl, dass unsere Familienbande nicht abreißen wird", sagt Sharon.  

 

"Wir werden mit der Liebe einer Familie zusammenwachsen. Ich weiß, dass ich eines Tages meine Mutter stolz machen werde.” 

Sharon

Sharon hat nun endlich Zeit, über ihre Zukunft nachzudenken und über den Weg, den sie einschlagen wird, um ihren Geschwistern zu helfen, wenn diese die Familie der SOS-Kinderdörfer verlassen. 

Im Video berichtet Sharon von ihrer Geschichte, wie sie die Herausforderungen in ihrem Leben gemeistert hat und welche Träume sie für die Zukunft hat:

Durch die Unterstützung der SOS-Kinderdörfern in Kenia hat Sharon einen Weg gefunden, ihre Ausbildung fortzusetzen, während ihre beiden Schwestern gut versorgt sind.

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