"Ein Armutszeugnis für unsere Welt"

Die Rechte elternloser Kinder werden missachtet

Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit, über die Rechte der Jüngsten und die traurige Tatsache, dass jedes zehnte Kind ohne elterliche Betreuung aufwächst.

Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit | Foto: Andreas Friedle

Vor 30 Jahren hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Seither hat sich vieles für Kinder verbessert: Zum Beispiel ist die Kindersterblichkeit deutlich gesunken, und mehr Kinder denn je gehen zur Schule. Auch das Bewusstsein für Kinderrechte wächst – nicht zuletzt, weil es Organisationen wie die SOS-Kinderdörfer gibt.

Doch trotz der Erfolge ist die Mission der SOS-Kinderdörfer bis heute genauso dringlich wie zur Zeit ihrer Gründung vor 70 Jahren, als Hermann Gmeiner das Schicksal der vielen Kriegswaisen ändern wollte. Denn vor allem Mädchen und Jungen, die keine Familie haben oder die Gefahr laufen, aufgrund von extremer Armut, Krieg, Katastrophen und Flucht diese zu verlieren, sind bis heute von diesen Fortschritten ausgeschlossen.

Mehr als 220 Millionen Kinder weltweit wachsen ohne Eltern auf

Aktuelle Zahlen offenbaren Dramatisches: Mehr als 220 Millionen Kinder wachsen weltweit immer noch ohne ausreichende elterliche Fürsorge auf. Das ist jedes zehnte Kind. Ohne Schutz werden sie geschlagen, versklavt, missbraucht. Diese Kinder haben zwar theoretisch Rechte, doch niemand kümmert sich um sie. Dabei ist gerade das Recht auf Familie in vielerlei Hinsicht zentral für das Aufwachsen eines Kindes und bildet erst die Basis dafür, dass auch andere Rechte eingelöst werden können: In der Familie werden die Bedürfnisse der Jungen und Mädchen nach Nahrung, Gesundheit, Schutz und Liebe erfüllt. Ohne die physische sowie emotionale Sicherheit der Familie geraten Kinder in eine umfassende und schicksalsschwere Mangelsituation: Viele hungern, manche landen auf der Straße, andere werden unter menschenverachtenden Bedingungen in Heimen untergebracht.

SOS-Kinderdörfer fordern Erweiterung der Kinderrechtskonvention

Zahlreiche dieser jungen Menschen haben keinen Zugang zu Bildung und keinerlei Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens. Sie sind in ihrer persönlichen Entwicklung blockiert. Da ihnen häufig offizielle Papiere fehlen, sind sie auch von sämtlichen Sozialleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten ihrer Länder ausgeschlossen. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Welt. Die Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der UN-Kinderrechtskonvention und deren Verwirklichung ist erschreckend. Die SOS-Kinderdörfer setzen sich deshalb seit 2009 gemeinsam mit anderen Organisationen dafür ein, dass die Vereinten Nationen den besonderen Schutz von Kindern ohne elterliche Fürsorge zur Kinderrechtskonvention hinzufügen.

Wir wollen, dass diese Kinder mehr Aufmerksamkeit bekommen und ihre Rechte zu einer Kernaufgabe der Politik werden. Und wir wollen, dass die Mitgliedsstaaten mehr Daten und Informationen über elternlose Kinder sowie bereits existierende Hilfsangebote sammeln. Dass familienbasierte Betreuungsmöglichkeiten weiterentwickelt und neu installiert sowie Kontrollmechanismen der Betreuung elternloser Kinder etabliert werden. Außerdem sollen die Staaten sich dazu verpflichten, unnötige Trennungen von Kindern von ihren Eltern zu verhindern.

Um die Details der Bestimmung wird in den UN-Gremien noch immer gerungen. Am 20. November erwarten wir das Ergebnis.

 

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