Indien: Diskriminierung kostet zwei Millionen Mädchen jährlich das Leben

Neu-Delhi - Abgetrieben, ermordet, tödlich vernachlässigt: In Indien sterben jedes Jahr zwei Millionen Mädchen. „Weibliche Föten werden gezielt abgetrieben, Mädchen als Babys getötet oder so schlecht versorgt, dass sie nicht überleben“, sagt Shubha Murthi, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Asien. Aufgrund dieser Praxis fehlten dem Land 63 Millionen Frauen, um zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis zu kommen.

"Frauen werden von vielen Indern quer durch alle Bevölkerungsschichten als minderwertig betrachtet. Die brutale Diskriminierung ist in Kultur und Religion verankert: Söhne sind die Stammhalter, Mädchen erfordern eine hohe Mitgift“, sagt Murthi.

Die moderne Pränataldiagnostik habe die Zahl der Abtreibungen sogar noch erhöht, sagt Murthi. „Obwohl es in Indien verboten ist, lassen viele Eltern bereits vor der Geburt das Geschlecht des Babys ermitteln und treiben ab, wenn es ein Mädchen ist.“ Letztlich könne nur ein Umdenken und ein Bruch mit der Tradition Abhilfe schaffen.

Der Mangel an Frauen brächte in einigen Regionen Indiens absurde Folgen hervor: Männer fänden dort häufig keine Ehefrauen mehr, der Verkauf von Bräuten von ärmeren in reichere Regionen Indiens oder aus den Nachbarländern sei bereits ernstes Problem, sagt Murthi. Nach der Heirat würden ihre Töchter für die Familie des Mannes auf den Feldern und im Haushalt schuften und seien jeglicher Rechte beraubt. „Das ist moderne Sklaverei“, sagt Murthi.

Die Diskriminierung von Mädchen und Frauen zu beenden und Frauen zu stärken – dies gehört zu den Aufgaben der SOS-Kinderdörfer. Die Hilfsorganisation fördert Mädchen weltweit, unterstützt sie in ihrer Entwicklung, bringt sie in Schulunterricht und Berufsausbildungen.

27.02.2018

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Boris Breyer

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