Kinder sterben in US-Abschiebehaft

„Keine Einzelfälle, sondern systematische, strukturelle Gewalt!“

Mexiko-Stadt – Bereits sechs Kinder sind seit September 2018 in US-Abschiebehaft gestorben. In einer gemeinsamen Erklärung weisen die SOS-Kinderdörfer und lateinamerikanische Partnerschaftsorganisationen auf diese bedrückende Wegmarke hin. „Dieses sechste tote Flüchtlingskind in amerikanischem Gewahrsam ist kein Einzelfall, sondern nur ein Beispiel für eine systematische, strukturelle Gewalt gegen Kinder, die mit ihren Familien aus dem nördlichen Mittelamerika vor Gewalt, Erpressung und Armut geflohen sind“, sagt Dirk Glas, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Mexiko.

Anlässlich des Weltflüchtlingstags (20. Juni) fordern die Helfer eine sofortige Freilassung aller inhaftierten Kinder und eine Abschaffung der Abschiebehaft. „Es ist eine Schande“, sagt Glas. Man habe es mit einer Praxis zu tun, die internationalen Vereinbarungen widerspreche und Kinder ihrer elementaren Rechte beraube. Es gebe keine Entschuldigung für Geiselnahme, für Unterdrückung und Gewalt - und schon gar nicht für den Tod von schutzlosen Kindern.

Angesichts steigender Flüchtlingszahlen verschärft sich die Situation laut der Hilfsorganisation weiter. Denn wie die amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde mitteilte, wurden allein im Jahr 2019 über 56.278 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge festgenommen. Das ist ein Anstieg um 74 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum 2018, in dem es rund 32.000 unbegleitete Kinder waren.

Ende Mai hatte die US-Grenzschutzbehörde den sechsten Tod eines Kindes in US-Gewahrsam seit September letzten Jahres bekannt gegeben. Fünf von ihnen kamen aus Guatemala: die siebenjährige Jakelin Caal Maquin starb Anfang Dezember 2018 an einer bakteriellen Infektion, der achtjährige Felipe Gomez Alonzo am Heiligabend an einer Grippe, Juan de Leon Gutierrez (16) am 30. April 2019 an einem seltenen Gehirnabszess, ein zweieinhalbjähriger Junge verstarb am 14. Mai, Carlos Gregorio Hernandez (16) am 20.Mai. Außerdem starb ein zehnjähriges Mädchen aus El Salvador am 29. September an Atemnot. Auch in einem mexikanischen Grenzgefängnis kam ein Mädchen ums Leben.

Die SOS-Kinderdörfer nehmen in drei mexikanischen Kinderdörfern unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder auf. Darüber hinaus hat die Hilfsorganisation und ihre Partner IMUMI (Instituto para las Mujeres en la Migración), BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie dem UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) ein länderübergreifendes Projekt gestartet, um die Bedingungen für Kinder und Jugendliche auf der Flucht zu verbessern, die Einhaltung der Kinderrechte durchzusetzen sowie notleidende Familien in den Herkunftsländern zu stärken.

19.06.2019

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Boris Breyer

Stellvertretender Pressesprecher 
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