"Ihre ganze Welt ist zusammengebrochen!"

So steht es um die Kinder knapp vier Wochen nach Erdbeben und Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi

Sulawesi – Die Erzieherin Anis Widhiani ist Teil des Nothilfe-Teams der SOS-Kinderdörfer auf der indonesischen Insel Sulawesi. Zusammen mit ihren Kollegen unterstützt sie Jungen und Mädchen, die nach Erdbeben und Tsunami Ende September ihr Zuhause verloren haben.

Frau Widhiani, wie geht es den Kindern?

Widhiani: Viele sind traumatisiert und sehr verunsichert. Auch um ihre Familien machen wir uns Sorgen: Sie haben ja selbst schlimme Erlebnisse gehabt. Wenn wir den Kindern helfen, entlasten wir auch ihre Eltern. Gemeinsam mit Partnerorganisationen unterstützen wir sie bei der Verarbeitung ihrer Traumata. In den Kinderschutzzentren können die Jungen und Mädchen zur Ruhe kommen und das Erlebte verarbeiten. Zudem erhalten sie Schulunterricht und können Kind sein und einfach mal spielen.

Man könnte meinen, dass in so einer Situation andere Dinge entscheidender wären als Schule.

Widhiani: Für die Kinder bedeutet Schule ein Stück Normalität, eine gewohnte Routine. Ihre ganze Welt ist zusammengebrochen, umso wichtiger ist es, ihnen jetzt Halt zu geben und eine Perspektive. Das erklären wir auch ihren Eltern. Der Unterricht, den die Kinder bei uns bekommen, wird ihnen auch helfen, später wieder den Anschluss in einer regulären Schule zu finden.

In welchem Zustand sind denn die Schulen auf Sulawesi?

Widhiani: Etwa 2.700 Schulen sind entweder stark beschädigt oder völlig zerstört worden. Andere Gebäude stehen noch, aber bleiben aufgrund der anhaltenden Erdbebengefahr ebenfalls geschlossen, weil sie jederzeit einstürzen könnten.

Wann ist dann überhaupt damit zu rechnen, dass die Kinder wieder zur Schule gehen können?

Widhiani: Das kann Monate dauern! Sämtliche Grundschulen der Insel sind nach wie vor geschlossen. Von den weiterführenden Schulen wurden zwar die ersten wiedereröffnet, aber sie haben mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen: Zufahrtsstraßen sind zerstört worden, traumatisierte Schüler haben Angst, die Gebäude zu betreten, und es mangelt an Lehrern. Viele sind bei dem Tsunami ums Leben gekommen oder werden noch vermisst. Die Regierung versucht aktuell, Lehrer aus anderen Teilen Indonesiens nach Sulawesi zu holen.

Welche Herausforderungen haben die Kinder in den Nothilfecamps sonst noch zu bewältigen?
Widhiani: Ein großes Thema sind Krankheiten und Seuchen, die sich unter solchen Umständen schnell ausbreiten können. Wir trainieren mit den Kindern deshalb Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Sauberkeit. So etwas kann entscheidend sein.

02.11.2018

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Boris Breyer
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