Interview zum Welttag der humanitären Hilfe

„Wenn Neutralität nicht mehr beachtet wird, macht das unsere Hilfe teilweise unmöglich!“

Katharina Ebel, Nothilfekoordinatorin der SOS-Kinderdörfer, war bis vor wenigen Wochen in Syrien und dem Irak tätig. Am „Welttag der Humanitären Hilfe“ spricht sie über die Risiken und Glücksmomente ihrer Arbeit.

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SOS-Nothilfe-Koordinatorin Katharina Ebel arbeitet für die SOS-Kinderdörfer weltweit u.a. im Nordirak und Syrien. Foto: SOS-Archiv

München - Frau Ebel, am 19. August 2003 kamen 22 Mitarbeiter der Vereinten Nationen bei einem Bombenangriff in Bagdad ums Leben. In Gedenken an sie wurde der Welttag der humanitären Hilfe ins Leben gerufen. Gar nicht weit von diesem Ort waren Sie selbst vor kurzem noch tätig. Haben Sie bei Ihrer Arbeit die Gefahr ständig im Kopf?
Ich weiß natürlich, auf welche Risiken ich mich einlasse, aber ich denke nicht ständig darüber nach, was passieren könnte.

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung aus anderen Einsätzen, möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen?
Nur bedingt. Weil ich vielleicht in Afghanistan war, kann ich noch nicht ableiten, wie die Lage im Irak ist. Die Krisen sind andere, die Kriege, die geführt werden, sind andere, und die Gegebenheiten vor Ort ebenfalls. Es ist deshalb wichtig, Zeit darauf zu verwenden, sich auf die jeweilige Situation einzustellen und auch den Notfall regelmäßig zu trainieren. Teilweise fühlt sich alles sicher an, aber eine Kleinigkeit kann die Situation sofort zum Kippen bringen.

Trotz allem Engagement können Sie nicht allen Menschen helfen. Verliert man da manchmal die Hoffnung?  
Wenn ich immer die vielen Menschen sehen würde, denen ich gerade nicht helfen kann, würde mich das zerstören. Deshalb konzentriere ich mich lieber auf das, was ich beziehungsweise das Team gut kann. Dann ist die Arbeit oft sehr befriedigend.


Was sind das für Momente, in denen Sie zufrieden sind?
Wenn ich zum Beispiel eine Familie habe, die es durch unsere Unterstützung plötzlich hinkriegt, sich um ihre Kinder zu kümmern. Dann hat das Kind eine Chance!

Viele der aktuellen Kriege und Konflikte sind sehr undurchsichtig. Es scheint keine Regeln, keine Grenzen mehr zu geben. Macht das Ihre Arbeit noch riskanter?
Natürlich sind Hilfsmaßnahmen wie die unsere viel gefährlicher, wenn Neutralität nicht mehr beachtet wird. Oder wenn ich in einem Gebiet arbeite, um das zwei Clans kämpfen, denen  Verluste egal sind und die die Zivilbevölkerung sogar als Faustpfand benutzen. Das macht unser Arbeiten dann teilweise unmöglich!

18.8.2017
Für weitere Informationen und Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:
Boris Breyer
Medienkommunikation
SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 089/179 14-287
E-Mail: boris.breyer@sos-kd.org
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